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© Fraunhofer COMEDD

Blickgesteuerte Datenbrille

Intelligente Datenbrillen sind in aller Munde. Forscher der Fraunhofer-Einrichtung für Organik, Materialien und Elektronische Bauelemente COMEDD haben mit ihrer blickgesteuerten OLED-Brille einen besonderen Weg gefunden, digitale Informationen abzurufen und darzustellen. Durch die bi-direktionalen OLED-Mikrodisplays der Fraunhofer-Datenbrille sehen Nutzer die reale Welt, können gleichzeitig digitale Informationen einblenden und alleine mit Blickbewegungen Inhalte gezielt abrufen.

Die Steuerung der Brillen-Software erfolgt ausschließlich über die Augen: Im OLED-Bildschirm integrierte Kamerasensoren registrieren die Bewegungen der Augäpfel. In Echtzeit berechnet ein Bildverarbeitungsprogramm die genaue Pupillenposition. Damit auch bei wenig Licht die Position erfasst werden kann, haben die Forscher eine Infrarot-Lichtquelle in das Brillengehäuse eingebaut. Dieses Licht ist für Menschen vollkommen unsichtbar und stört den Brillenträger bei seinen Tätigkeiten nicht.

Ideal ist die Fraunhofer-Brille bei Arbeiten, die freihändig durchgeführt werden müssen und dabei gleichzeitig Informationen benötigt werden. Vor allem in der Medizin oder als Unterstützung bei Montagearbeiten soll sie den Nutzer unterstützen. Je nach Bedarf können Baupläne oder Planungsdaten für Operationen eingeblendet werden.

Auch im Alltag kann die Brille das Leben erleichtern: Ältere oder körperlich beeinträchtigte Menschen können sich in schwierigen Situationen alleine mit einer Augenbewegung bemerkbar machen oder mit einem bestimmten Blick einfach nur das Fernsehprogramm ändern. Um die Suche nach Anwendungen für Systeme mit erweiterter Realität zu beschleunigen, wurde vom BMBF ein Verbundprojekt mit Fraunhofer-Beteiligung gestartet. Es widmet sich der Unterstützung körperlicher Funktionen durch »hand-free Anwendungen in Erweiterter Realität« – kurz FAIR.

Im Entwicklungsteam der Datenbrille ist als Partner des Fraunhofer COMEDD das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB, das sich um die Blickrichtungsverfolgung kümmert. Die Firma Trivisio Prototyping GmbH ist für das Design zuständig. Im Juni 2012 wurde das Datenbrillen-System auf der wichtigsten Displaykonferenz SID in Boston mit dem »Best in Show Award« geehrt. Auf der CeBIT 2013 wurde das Forschungsteam mit dem Innovationspreis-IT 2013 in der Kategorie Hardware ausgezeichnet.

Derzeit testen erste Interessenten die Datenbrille und prüfen, welche Möglichkeiten sie für den Industrie-, Produktions-, Medizin- und Sicherheitsbereich bietet.

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