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Fraunhofer-Gesellschaft

US-Militär bestätigt offiziell: Phobos-Grunt ist über dem Südpazifik in die Erdatmosphäre eingetreten

 

Am 15.1.2012 um 18.46 Uhr MEZ +/- 1 Minute ist laut des United States Strategic Command (USStratCom) die russische Marssonde Phobos-Grunt über dem Südpazifik westlich von Chile in die Erdatmosphäre eingetreten. Diese Angaben stimmen in etwa mit den Veröffentlichungen der russischen Weltraumagentur Roskosmos überein. Ob Teile die Erdoberfläche erreicht haben ist nicht bekannt. Über Europa wurde Phobos-Grunt zuletzt am 15.1.2012 gegen 0:37 Uhr MEZ vom Weltraumbeobachtungsradar TIRA vermessen.

 

Fraunhofer-Forscher untersuchen bevorstehenden Absturz der russischen Marssonde Phobos-Grunt

10. Januar 2012

Erneut steht der Absturz eines großen Satelliten bevor. Fraunhofer-Forscher prognostizieren einen Wiedereintrittszeitraum der defekten Marssonde Phobos-Grunt vom 15. bis 17. Januar 2012. Auch hier kommt - wie beim Absturz des Satelliten ROSAT - das einzigartige Weltraumbeobachtungsradar TIRA (Tracking and Imaging Radar) des Fraunhofer-Instituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR zum Einsatz.

Nach den glimpflich verlaufenen Abstürzen der Satelliten UARS und ROSAT im letzten Jahr erwartet man auf der ganzen Welt den Wiedereintritt der russischen Marssonde Phobos-Grunt. Weltweit sind Forschungs- und Raumfahrtorganisationen  im Einsatz, um eine genaue Absturzprognose zu liefern. So auch das Team »Radar zur Weltraumbeobachtung« des Fraunhofer FHR, welches mit dem Weltraumbeobachtungsradar TIRA (Tracking and Imaging Radar) Phobos-Grunts Orbit über Europa verfolgt.

Dr. Ludger Leushacke, Leiter der Abteilung »Radar zur Weltraumbeobachtung«, berichtet über die Gefahr, welche vom Treibstoff im Tank der Sonde ausgeht: »An Bord befinden sich 11 Tonnen des Treibstoffes Hydrazin, welcher giftig und leicht entzündlich ist.« Man geht jedoch davon aus, dass das flüssige Hydrazin beim Eintritt in die Erdatmosphäre  verbrennen und damit keine Gefahr für die Menschen darstellen wird. Bei der Größe und dem Gewicht von 13 Tonnen ist aber zu erwarten, dass Einzelteile der Sonde auf der Erdoberfläche auftreffen.

Aus diesem Grund ist es umso wichtiger möglichst genau den Absturzort und -zeitpunkt zu kennen. Für die Wiedereintrittsprognose sind drei Faktoren wichtig:

  1. Hochpräzise Bahndaten
  2. Masse und angeströmte Fläche des Objektes
  3. Dichte der Hochatmosphäre (die maßgeblich von der Sonnenaktivität beeinflusst wird)

Die Forscher des Fraunhofer FHR können mit Hilfe des Weltraumbeobachtungsradars TIRA die Bahn und die angeströmte Fläche bestimmen. Bei 16 Erdumläufen pro Tag kommt das Objekt drei bis fünf Mal pro Tag in den Erfassungsbereich der Antenne. Bei einer Messung arbeiten zwei verschiedene Radarsysteme gleichzeitig, die im Weltraumbeobachtungssystem integriert sind. Das Zielverfolgungsradar vermisst präzise die Bewegung des Objektes auf seiner Umlaufbahn, das Zielabbildungsradar bildet das Objekt ab. Die Forscher können anhand dieser Bildfolgen feststellen, ob Teile abgebrochen sind oder ob sich die Sonde in einer Taumelbewegung befindet und damit die angeströmte Fläche berechnen. Nach aktuellen Schätzungen des Fraunhofer FHR tritt Phobos-Grunt zwischen dem 15. und 17. Januar in die Erdatmosphäre ein. Der Absturzort ist allerdings noch ungewiss. Er liegt irgendwo zwischen dem 51. Breitengrad Nord (Linie Essen-Kassel-Leipzig) und dem 51. Breitengrad Süd und kann erst einige Stunden vor dem eigentlichen Absturz genauer eingegrenzt werden.

Dennoch ist die Gefahr für Menschen nur sehr gering. Denn bei einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 100 000 000 000 von Weltraumschrott getroffen zu werden, ist es zum Beispiel eine Millionen Mal wahrscheinlicher im Haushalt ums Leben zu kommen.

Der letzte Satellit, der mit Hydrazin betankt war und auf die Erde zu stürzen drohte, war der amerikanische Satellit USA 193. Dieser wurde am 21. Februar 2008 von den USA abgeschossen. Als Grund wurde damals angegeben, dass Gefahr durch den erwähnten Treibstoff Hydrazin bestehe, das wegen der ausgefallenen Energieversorgung gefroren war.

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