Schutz und Sicherheit

Fraunhofer-Gesellschaft

Glücksgas-Stadion Dresden
© Steffen Grocholl

Fraunhofer-Technologie MobiKat sorgt für Sicherheit bei der Frauen-Fußball WM in Dresden

Forscher des Fraunhofer-Instituts für Verkehrs- und Infrastruktursysteme IVI in Dresden haben ein Notfallmanagement- und Planungssystem entwickelt, das bei der Fußball-WM der Frauen in Dresden zum Einsatz kommt. Die Technologie »MobiKat« – mobile Information, Kommandoarbeit und Taktik  – vernetzt das Praxiswissen von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungskräften vor Ort mit modernen wissenschaftlichen Methoden und sorgt für die Sicherheit der Besucher und Teilnehmer der Fußball WM.

Über 27.000 Zuschauer werden pro Spiel der Frauen-Fußball WM im Glücksgas-Stadion in Dresden erwartet. Dabei müssen verschiedene Einsatztruppen wie Sicherheitskräfte, Feuerwehr und Rotes Kreuz vor Ort koordiniert werden, um für einen reibungslosen Ablauf dieser Großveranstaltung zu sorgen. MobiKat liefert sowohl der örtlichen Einsatzführung als auch im Führungs- und Lagezentrum ein detailliertes Lagebild und eine schnelle Übersicht über die räumliche Verteilung und die Verfügbarkeit von Einsatzkräften. Bei kritischen Situationen und im Ernstfall macht das System Vorschläge für optimale Einsatzstrategien als Entscheidungsgrundlage für die Einsatzleitung.

MobiKat ist eine Fraunhofer-Technologie, die sich bereits mehrfach in der Praxis bewährt hat. Zuletzt wurde das System Anfang Juni 2011 im Führungs- und Lagezentrum der Feuerwehr beim Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dresden eingesetzt. Schwerpunkte des komplexen fünftägigen Einsatzes waren das Monitoring von über 2.000 Veranstaltungen mit geschätzten 320.000 Besuchern, das Lokalisieren und Führen von Einsatzkräften und -mitteln, die Lagevisualisierung und -dokumentation sowie die Bereitstellung von Live-Bildern relevanter Gefahrenschwerpunkte.


Auch bei Katastropheneinsätzen wie beim Elbehochwasser 2006 leistete MobiKat wertvolle Dienste. Mit Hilfe des Planungssystems konnten die Verantwortlichen schnell eine Lageübersicht bekommen und optimale operative Entscheidungen treffen. Ein mobiles Kamerasystem lieferte im Minutentakt aktuelle Bilder von strategisch wichtigen Standorten, überwachte die Pegelstände und verknüpfte alle sicherheitsrelevanten Informationen des Krisengebiets.

Das Besondere an MobiKat ist, dass diese Technologie keine starre und geschlossene Lösung darstellt, sondern flexibel und individuell zur Gefahrenabwehr bei Veranstaltungen oder bei Großschadenslagen, aber auch in alltäglichen Einsätzen mit logistischen oder komplexen strategischen Herausforderungen, eingesetzt werden kann. MobiKat wird individuell für den jeweiligen Einsatz konfiguriert, das Praxiswissen wird dabei mit modernen wissenschaftlichen Methoden eng vernetzt und in eine benutzerfreundliche Anwendung überführt. Die unter der Leitung von Dr. Kamen Danowski entwickelte Technologie wird permanent mit verschiedenen Anwendern weiterentwickelt:  »Unsere Arbeit ist mit einer sehr hohen Verantwortung verbunden. Die vielfältigen Praxiseinsätze und die ständig steigende Nachfrage nach unseren Lösungen zeigen die hohe Akzeptanz und die Wirksamkeit der Fraunhofer-Technologie. Die sehr enge Zusammenarbeit mit den Anwendern sichert einerseits den Erfolg in den konkreten Einsätzen und ermöglicht uns andererseits neue Forschungsfelder zu identifizieren, um weitere marktorientierte wissenschaftlich-praktische Lösungen zu entwickeln«.

Das System ist vielfältig und grenzüberschreitend bei Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Polizei im Einsatz. Durch seinen modularen Aufbau bietet MobiKat Schnittstellen für die Integration verschiedener Daten wie Sensormessdaten, zum Beispiel bei Gefahrstoffausbreitung, Verkehrsstromdaten oder Vektor- und Rasterdaten von Vermessungsämtern. In der Praxis werden mit der Fraunhofer-Technologie die komplexen Auswirkungen von kostenintensiven Sicherheitsmaßnahmen bewertet und die Anwender können Lösungsvarianten nach verschiedenen Kriterien vergleichen und klare Aussagen über die damit erreichbaren Schutzziele treffen.