Die Forschungsorgel

Fraunhofer-Gesellschaft

Verschiedene Pfeifenformen
© Roman Wack / Fraunhofer IBP

Die Forschungsorgel am Fraunhofer IBP - ein Ort der Ideen

Am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Stuttgart steht die weltweit einzige Orgel, die der Wissenschaft als Forschungsinstrument dient. Sie wurde im Wettbewerb 'Deutschland – Land der Ideen' als ein Ort der Ideen 2012 ausgewählt, die Preisverleihung fand am Freitag, den 14. Dezember statt. Mit der Forschungsorgel ist es erstmalig möglich, dass praktische Erkenntnisse aus der Akustikforschung in den Instrumentenbau einfließen und sich somit eine glückliche Synthese von traditioneller Handwerkskunst und Wissenschaft ergeben.

Die Forschungsorgel ist das »Baby« von Dr. Judit Angster, sie leitet die Gruppe Musikalische Akustik am Institut. Die Physikerin stammt aus einer ungarischen Orgelbaufamilie; eine Orgel aus dem Hause Angster befindet sich in der Basilika von Budapest. Ausgestattet mit ihrem Wissen im Orgelbau, gepaart mit einer Leidenschaft für Musik, hat sich die Wissenschaftlerin mit Leib und Seele der Erforschung europäischer Musikinstrumente, speziell für Orgeln, verschrieben: »Es ist eine wunderbare Aufgabe, dazu beizutragen, das Wissen um den Klang und alles, was damit zusammenhängt, zu erforschen und weiterzuentwickeln«.

Jede Orgel ist ein Unikat mit einem einzigartigen Klang und im Idealfall sollte eine Orgel speziell für den Raum optimiert werden, in dem sie später stehen soll.  Wissenschaftliche Methoden der Akustikforschung helfen, die Orgel so zu konstruieren, dass die der Klang der Orgel auf die Raumakustik hin optimal abgestimmt ist und der Klang voll zur Geltung kommt.

Das Besondere an der Forschungsorgel ist ihr modularer und transparenter Aufbau. Die Wissenschaftler können verschiedene Einzelteile austauschen und dabei die Funktionsweise der Mechanik und ihre Auswirkung auf den Klang testen. Wissenschaftliche Messgeräte wie Laservibrometer und Hochgeschwindigkeitskameras messen zum Beispiel die Zungenschwingungen von Zungenpfeifen, je nachdem welche Veränderungen am Material oder der Konstruktion vorgenommen wurden, eine speziell dafür entwickelte Software wertet die Aufzeichnungen aus. Bisher konnten diese Versuche nur im Labor an Modellen getestet werden. Mit der Forschungsorgel können die Erkenntnisse jetzt auch direkt am Objekt erprobt werden, das erleichtert den Akustikforschern ihre Arbeit ganz erheblich.

Der Orgelbau ist keine Massenproduktion, sondern ein traditionelles Handwerk im Hochpreissegment. Umso wichtiger ist es für die Wettbewerbsfähigkeit von klein- und mittelständischen Orgelbauern, dass die Produktionskosten gesenkt werden. Mit innovativen Methoden der Akustikforschung wird eine Kostenreduzierung von ca. 15 bis 20 % bei gleichzeitiger Verbesserung der Klangqualität erwartet. Die Wissenschaft verhilft dem Orgelbau zu frischem Aufwind.

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