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Bauinnovationen aus Südtirol
Beim »Innovation Festival« vom 27. bis 29. September in Bozen präsentiert Fraunhofer Italia zusammen mit 12 Industriepartnern aus Südtirol Visionen und Lösungen für die Bauindustrie der Zukunft.
Wer heute baut, braucht gute Nerven. Lieferprobleme, Terminüberschreitungen und Reklamationen sind an der Tagesordnung. "Meist kommt es zu erheblichen Verzögerungen und die tatsächlichen Kosten liegen deutlich über den im Vertrag vereinbarten", weiß Prof Dominik Matt, Leiter des Fraunhofer Innovation Engineering Centers IEC in Bozen. Der Forscher ist Spezialist für das alltägliche Chaos am Bau. Zusammen mit seinem Team hat er die Probleme der Bauherren wissenschaftlich analysiert und neue Lösungsansätze entwickelt.
Im ersten Schritt des build4future-Projekts haben die Spezialisten 400 Bauunternehmen und Zulieferer aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Italien interviewt. Das Ergebnis: Ein Drittel aller Befragten waren unzufrieden mit der Terminplanung und der Koordination der Bauprojekte. "Es hapert an der Kommunikation zwischen Architekten, Bauunternehmern und Installateuren, Fensterbauern, Glasern, Elektrikern, Dachdecken und den vielen anderen Akteuren, die man für ein Bauvorhaben benötigt ", resümiert Matt. Nach seiner Schätzung treibt die mangelnde Abstimmung die Kosten um ein Drittel in die Höhe.
Um die Reibungsverluste zu minimieren und Kosten zu sparen, haben die Fraunhofer-Forscher in Bozen jetzt ein neues Organisationskonzept entwickelt. Mit seiner Hilfe lassen sich die Arbeiten der beteiligten Unternehmen – bei größeren Bauvorhaben sind es bis zu 50 – optimal planen und aufeinander abstimmen. "Die Herausforderung bestand darin, ein Konzept zu entwickeln, das unabhängig von den beteiligten Unternehmen fuktioniert", erläutert der Forscher. Diese Flexibilität ist wichtig, weil in der Baubranche die Akteure schnell wechseln. Bei jedem Vorhaben wird neu ausgeschrieben, damit kommen neue Player ins Spiel. Eine "Prozesslandkarte", die die Bozener Fraunhofer-Forscher erarbeitet haben, erlaubt allen Beteiligten Zugriff auf die Terminplanung und Logistik der Partner. Standards sind vorgegeben und Daten, die für das Qualitätsmanagement wichtig sind, werden gespeichert.
Für die Zukunft bauen
Die Keimzelle für die neue Planungsstrategie ist Südtirol, eine Region, in der die Bauindustrie – dank Tourismus – boomt und in der es besonders viele kleine und mittelständische Unternehmen gibt. Denen wollen die Forscher helfen, sich auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten: "Die Megatrends wie demographischer Wandel, Nachhaltigkeit, Mobilität, Urbanisierung und Digitalisierung – stellt die Baubranche vor neue Herausforderungen", weiß Projektleiter und stellvertretender Leiter des IEC Daniel Krause. "Eine langfristige Innovationsplanung ist hier besonders wichtig, denn gebaut wird ja für die Zukunft."
16 Projektpartner – neben Fraunhofer ist die Freie Universität Bozen, die KlimaHaus Agentur, der TIS Innovation Park sowie 12 Südtiroler Unternehmen beteiligt – entwickeln jetzt gemeinsam neue Baukonzepte: Häuser, die Energie sparen, die sich modular renovieren lassen und die sich flexibel an die Bedürfnisse ihrer Bewohner anpassen, die im Laufe ihres Lebens mehr oder weniger viel Wohnraum benötigen. "Nur wenn man diese Anforderungen kennt, definiert und schon bei der Planung berücksichtigt, entstehen zukunftsfähige Gebäude", erläutert Matt. Manchmal reichen einfache Maßnahmen aus: Fassadenelemente zum Beispiel, die Solarstrom erzeugen, und die sich im Fall eines Schadens schnell auswechseln lassen. Elektrische Leitungen, die so verlegt sind, dass man sie auswechseln kann, ohne Wände aufzuschlagen. Oder Trennwände, die sich herausnehmen und versschieben lassen. "Wichtig ist auch hier, dass Planer und Zulieferer optimal zusammenarbeiten", ergänzt der Forscher. "Nur wenn alle Partner kommunizieren, lassen sich Fehlplanungen, Lieferprobleme, Terminüberschreitungen und Reklamationen vermeiden." Das neue Konzept präsentiert er zusammen mit seinen Projektpartnern beim "Innovation Festival" vom 27. bis 29. September auf dem Universitätsplatz in Bozen.

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