Neu in Hamburg – das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML

Presseinformation / 29.12.2010

Am Logistikstandort Hamburg wird im kommenden Jahr die erste Fraunhofer-Einrichtung der Hafenstadt, das Fraunhofer-Center für Maritime Logistik und Dienstleistungen CML starten. Die Forscherinnen und Forscher entwickeln Innovationen für Seehäfen, Terminalbetreiber, Reedereien, Speditionen, Behörden und viele weitere Unternehmen der maritimen Wirtschaft.

Immer mehr Menschen und Waren reisen um die Welt. Etwa 12 000 Seeschiffe laufen den Hamburger Hafen pro Jahr an. Mehr als 7000 davon sind Containerschiffe, Tendenz steigend. Alle beteiligten Unternehmen und Behörden stehen vor großen Herausforderungen – sie sind auf permanente Innovationen angewiesen, um sich im globalen Wettbewerb zu behaupten. »Mehr als 90 Prozent der interkontinentalen Güterströme werden über den Seeweg transportiert. Immer mehr Waren müssen in kürzeren Zeiträumen verschifft und auf limitierten Terminalflächen umgeschlagen und gelagert werden«, erklärt Professor Carlos Jahn vom Institut für Maritime Logistik der Technischen Universität Hamburg Harburg TUHH, der das CML zukünftig leiten wird.

Der Forschungsbedarf ist groß. Wie sehen die optimalen Wege der Container aus? Welcher Schiffstyp passt für welche Ladung? Wie werden die Güter auf engstem Raum schnell und zuverlässig verteilt? Es geht darum, alle Einzelschritte und technischen Systeme zu analysieren und zu verbessern. Dazu gehört die Planung von Seehäfen, Wasserwegen und Terminals, die Simulation von Schiffsbewegungen und die Prognose zukünftiger Bedarfe, die Anbindung an das Hinterland sowie der Einsatz von Ortungs- und Identifizierungstechnologien.

»Transport-, Logistik- und Hafenwirtschaft und die damit zusammenhängenden Dienstleistungen sind bedeutende Wirtschaftsfaktoren für die Stadt Hamburg. Durch die praxisorientierte Forschung profitieren die ansässigen Unternehmen. Das CML ist eingebettet in die regionalen Wissenschaftsnetzwerke und profitiert vom Know-how der Fraunhofer-Institute«, ergänzt Professor Uwe Clausen, Leiter des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML.

Zunächst ist das CML als Projektgruppe an das IML angebunden. Clausen betont: »Maritime Wirtschaft ist das Rückgrat des Welthandels. In der maritimen Logistik gilt es – jenseits der kurzfristigen Schwankungen der Nachfrage, nachhaltige Netzwerke und Prozesse, Schiffsflotten und Hafenanlagen für die Zukunft zu gestalten. Angewandte Forschung wirkt dabei über die Logistik hinaus, denn Volkswirtschaften werden effizient und zum allseitigen Vorteil miteinander verbunden. Das CML profitiert von der am IML in Dortmund, Prien und Frankfurt aufgebauten Kompetenz in der Verkehrslogistik sowie der Fraunhofer-Allianz Verkehr – einem Zusammenschluss von 18 Fraunhofer-Instituten – mit ihren nationalen und internationalen Verflechtungen. Wir sind stolz, am größten Seehafen Deutschlands direkt vor Ort vertreten zu sein, und freuen uns, Hamburg in der Fraunhofer-Familie begrüßen zu dürfen.«

Die Forscherinnen und Forscher des neuen Fraunhofer-Centers arbeiten eng mit der der TUHH zusammen. Untergebracht ist das zunächst sechsköpfige Team, das in den nächsten fünf Jahren auf über 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anwachsen soll, vorübergehend in den Räumen der TUHH. Für den fünfjährigen Aufbauzeitraum werden von der Stadt Hamburg sechs Millionen Euro bereitgestellt. Wenn das CML weiter erfolgreich arbeitet, kann sich mittelfristig ein eigenständiges Fraunhofer-Institut in Hamburg entwickeln.Mit dem CML ist die Fraunhofer-Gesellschaft nun in allen 16 Bundesländern vertreten.

Die Erfolge der Fraunhofer-Institute zeigen, welch herausragende Rolle sie in der regionalen Innovationslandschaft spielen. Als leistungsfähige Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sorgen sie für raschen Technologietransfer – insbesondere für die regionalen Unternehmen. So entstehen im Umfeld von Fraunhofer-Instituten häufig Netzwerke, die andere Firmen anziehen und aus denen neue Unternehmen gegründet werden – fruchtbare Orte der Ideen, die dem Standort Zukunft geben.