Presseinformationen
Fraunhofer-Gesellschaft
Interview: »Innovationen entstehen an Schnittstellen«
Wirtschaftsthemen 16.12.2010
Auf den Fraunhofer-Technologietagen in München trafen sich Experten vom TÜV SÜD und Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft. Sie diskutierten über Embedded Systems, System- und IT-Sicherheit und neue Prüftechnologien.
Welche Technologien werden für ein Unternehmen in Zukunft relevant? Fraunhofer-Forscher unterstützen dabei, Produkte und Verfahren zu entwickeln, Material zu optimieren und analysieren und Dienstleistungskonzepte zu erarbeiten. Mit dem Ziel, neue Forschungserkenntnisse schnell in marktorientierte Lösungen für innovative Produkte umzusetzen.
Unternehmen, die neue Geschäftsfelder mit einem Forschungspartner erschließen wollen, erhalten auf Technologietagen unverbindlich und unbürokratisch Zugang zum Know-how von Fraunhofer. Auf den ein- bis mehrtägigen Veranstaltungen diskutieren Manager und Wissenschaftler über den Stand der Technik und zukünftige Trends.
Wir sprachen mit Dr. Armin Pfoh, Innovationsmanager der TÜV SÜD AG über die Fraunhofer-Technologietage, die Sicherheit eingebetteter Systeme und Strategien des Prüfdienstleisters.
Welches Ziel verfolgen Sie mit den Technologietagen?
Dr. Armin Pfoh: Das Geschäftsmodell des TÜV SÜD als Sicherheits- und Prüfdienstleister lässt sich mit vier Begriffen beschreiben: Certification, Testing, Consulting, Training. Die Technologietage stärken in allen diesen Bereichen unsere Innovationskraft, zum einen durch eine stärkere Vernetzung mit aktiven Forschern und Instituten in für uns wichtigen Bereichen, zum anderen durch eine verstärkte Vernetzung unserer Geschäftsbereiche untereinander.
TÜV ist Anwender der neuesten Technologie, Fraunhofer entwickelt neueste Technologien. Was die neuesten Trends sind und welche für das Geschäftsmodell des TÜV SÜD relevant sind, das zeigte sich auf dem Technologietag. Innovationen entstehen ja nicht von selbst, sondern häufig so, dass man eine neue Technologie entwickelt hat und dann merkt, dass diese sich mit leichten Änderungen auf andere Bereiche übertragen lässt. Bahnbrechende Innovationen entstehen an Schnittstellen und einige dieser Schnittstellen konnten wir schaffen.
Die drei Hauptthemen waren diesmal Embedded Systems, Sicherheit und neue Prüftechnologien.
Was verstehen Sie unter Embedded Systems?
Dr. Armin Pfoh: Alle Systeme oder Subsysteme, die einen Mikroprozessor und Embedded Software haben, also Software, die in ein umgebendes technisches System eingebettet ist . Man findet solche Lösungen heute überall: Zum Beispiel in der Elektronik von Fahrzeugen oder in Steuereinrichtungen von Maschinen oder Anlagen. Embedded Systems werden übrigens auch eingesetzt bei der Detektion von Gefahrstoffen und bei Frühwarnsystemen für Naturkatastrophen.
Dabei sind viele Aspekte sicherheitsrelevant, besonders anschaulich ist das bei Kraftfahrzeugen. Drahtlose Kommunikation (Wireless Communication) wird im zunehmenden Maße bei der internen und externen Vernetzung von Fahrzeugen eingesetzt, zum Beispiel bei Einfädelhilfen, Systemen für das Abstandhalten, die Stauvorausschau oder dem automatischem Notfallruf (z.B. eCall).
In allen Fällen gibt es sicherheitsrelevante Fragen, denen wir uns annehmen müssen, um die Sicherheit der Mobilität auch künftig zu gewährleisten. Ein Beispiel illustriert die Sicherheitsproblematik: Man kann heute schon das Signal abfangen, welches das Druckmessgerät im Reifen drahtlos über eine Funkschnittstelle der Fahrzeugelektronik übermittelt, und dann einen platten Reifen simulieren, um damit das Fahrzeug zum Anhalten zu bringen.
Wie verhindern Sie das?
Dr. Armin Pfoh: Unsere Aufgabe ist es, Tools zu entwickeln, mit denen sich die Zuverlässigkeit solcher Systeme prüfen lässt. Dabei unterscheiden wir Sicherheit im Sinne von Safety (Ausfallsicherheit) und von Security in Bezug auf IT-Netze und Systeme, auch in Verbindung mit dem Internet („Internet der Dinge“). Wo gibt es da mögliche Angriffspunkte, gewolltes Fehlverhalten, das wir unterbinden wollen.
In den Anfängen hatte es der TÜV SÜD vor allem mit mechanischen Systemen der Maschinen- und Anlagenbauer zu tun, heute sind die Systeme zunehmend IT-lastig, Sensorik spielt immer mehr eine Rolle. Deshalb ist auch die Qualitätssicherung in der Softwareentwicklung für die Embedded Systems, die Maschinen- und Anlagensteuerung oder medizintechnische Geräte eine wichtige Aufgabe. Aktive Projekte finden sich z.B. im Bereich Signaltechnik im Bahnverkehr.
Ebenso wichtig für uns sind neue Prüftechniken, um z.B. unterschiedliche Materialien oder Oberflächen zu analysieren. Auch dafür haben wir auf dem Technologietag wichtige Impulse bekommen. Terahertz ist zum Beispiel als nicht sichtbare und nicht ionisierende Strahlung geeignet, um dünne Materialien oder Materialschichten zu untersuchen. In Fällen, in denen sich Röntgenstrahlen nicht einsetzen lassen. Berühmtestes Beispiel zurzeit ist der »Nacktscanner« auf Flughäfen. Sehr interessant auch die Wärmefluss Thermographie oder die lasergestützte Schwingungsferndiagnose. Wenn ich bei Windkraftanlagen vor der Küste die Möglichkeit habe, von einer Anlage aus bei anderen Vibrations- und Schwingungsmessungen durchzuführen, um mögliche Ausfälle schon lange im Vorfeld voraussagen zu können, ist das ein großer Gewinn.
Im Generellen streben wir zunehmend die frühe Zusammenarbeit bei der Entwicklung neuer Technologien mit Kunden und Technologiepartnern an, um sicherheitsrelevante Themen schön frühzeitig aufzugreifen und auch unseren Kunden zu helfen neue Produkte dadurch schneller auf den Markt zu bringen.


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