Immer gut verpackt

Wirtschaftsthemen / 16.11.2011

Egal ob Autofelgen, Wasserflaschen oder teure Kunstwerke: In einem eigenen Labor simulieren Wissenschaftler in Dortmund reale Transportbedingungen – und finden für jedes Produkt die richtige Verpackung.

Immer gut verpackt
© Foto Fraunhofer IML

Im Verpackungslabor des IML wird das ca. 50.000 Euro teure Gerät solange und so oft auf die Reise geschickt, bis die beste Verpackung gefunden ist und sicher feststeht, dass der Steuerschrank unbeschadet ankommt.

Wie transportiere ich am besten den Steuerschrank für eine Windkraftanlage nach China?  Verpackungsexperten aus dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund haben die Antwort. Im Verpackungslabor wird das ca. 50.000 Euro teure Gerät solange und so oft auf die Reise geschickt, bis die beste Verpackung gefunden ist und sicher feststeht, dass der Steuerschrank unbeschadet in China ankommt. Da wird gestapelt, gerüttelt, gebremst und beschleunigt, be- und entladen, und natürlich werden auch Witterungseinflüsse berücksichtigt. Die Wissenschaftler verlassen sich aber nicht nur auf Testergebnisse, sie können auf mehr als zwanzig Jahre Erfahrung zurückblicken.

Im Labor der Fraunhofer-Experten findet jeder die richtige Verpackung für sein Produkt. Knapp zwei Drittel der Kunden sind Verpackungshersteller. Sie wollen neue Materialien einsetzen und fragen vorher, ob diese sich für den Transport eignen. »Das ist für deren Kunden wichtig, denn die erwarten eine Qualität, die internationalen Normen entspricht«, sagt Ralf Wunderlich, der das Labor seit 20 Jahren kennt. Die IML-Experten gehen schrittweise vor: Sie testen zunächst die einzelne Verpackung, sehen sich anschließend an, wie die Ladeeinheit aufgebaut ist und prüfen, ob auch sie den Belastungen beim Transport – etwa auf einem Lkw – standhält. »Gemäß § 22 StVO muss jede Ladeeinheit wie ein Betonblock sein. Sie muss allen dynamischen Belastungen beim Lkw Transport standhalten, etwa einer Vollbremsung, einem Spurwechsel auf der Autobahn an einer Baustelle oder einem Rangierrempler bei der Eisenbahn«, weiß Wunderlich. Dazu kommen grundsätzlich klimatische und statische Einflüsse beim Lagern. Zusätzlich simulieren deshalb die Experten in speziellen Klimakammern Hitze und Kälte. Und sie prüfen, wie viel Gewicht eine Kiste tragen kann, und in welcher Art eine optimale Ladeeinheit gebildet werden kann.

Die restlichen Kunden sind Anwender, die Probleme beim Transport ihrer Waren haben. Etwa weil die Transportschäden zunehmen und sie wissen wollen, woran das liegt. Hier schauen die Experten zunächst, wie die Distributionsstruktur ist. Sie fragen, ob der Spediteur gewechselt wurde, ob es ein neuer Kunde ist oder eine neue Verpackung verwendet wurde. Sie simulieren die Wege im Labor und stellen meist schnell die Schadensursache fest. »Manchmal schaben die Schwingungen auf dem Lkw die Oberfläche der Folien ab, mit denen etwas die LCD- Monitore gesichert werden, oder das Handling ist falsch. Häufig ist auch die Verpackung zugleich Marketingobjekt. Das heißt, die Ware steht auch so im Ladenregal. Für den Transport ist sie aber nicht unbedingt geeignet. Die Logistik hat dann das Problem, die Ware sicher ans Ziel zu bringen. Manchmal ist auch die einzelne Verpackung in Ordnung, aber die Ladeeinheit hält nicht zusammen«, zählt Gerrit Hasselmann mögliche Fehlerquellen auf. Oft schlagen die Experten neue Wege des Verpackens vor – etwa eine Gitterbox statt der Palette.

Das Verpackungslabor ist seit 1986 in Betrieb. Derzeit wird der 1500 Quadratmeter große Testbereich umgestaltet. Professor Ovis Wende, an der Fachhochschule Dortmund zuständig für den Bereich Kunst im Öffentlichen Raum und Szenografie, verwandelt die Prüfeinrichtung bis zum Jahresende in ein Vorzeigeobjekt für die Öffentlichkeit, in dem neben dem normalen Prüfbetrieb auch Raum für Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen ist. Und ab März 2012 wird es eine neue Testeinrichtung geben, die zurzeit in den USA speziell für die Bedürfnisse der IML-Forscher entwickelt wird und weltweit einzigartig ist. Damit können beispielsweise Echtzeit-Bremsversuche für Verpackungen durchgeführt werden.