Kurzmeldungen

Forschung Kompakt / 1.7.2013

Plagiate und Garantieverletzungen erkennen +++ Röntgenblick für Gebäudewände +++ Maritimes Erdgas fördern und CO2 einlagern

Plagiate und Garantieverletzungen erkennen

Durch Produktpiraterie entstehen der deutschen Industrie jährlich Verluste in Milliarden- höhe. Hierzulande ist vor allem der Maschinenbau im Visier der Fälscher, die immer perfidere Strategien verfolgen. Kopiert wird nahezu alles. An der Spitze stehen Kompo- nenten, dahinter folgen ganze Maschinen oder auch Ersatzteile. Betroffen sind vor allem Hersteller von Textil- und Kunststoffmaschinen, Kompressoren sowie Druck- und Papiertechnik. Mit einer neuen Lösung zum Plagiat- und Manipulationsschutz für Baugruppen wollen Forscher vom Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin dem Ideenklau einen Riegel vorschieben. Das System funktioniert auch unter extremen Einsatzbedingungen. So lassen sich Komponenten von Pumpen und Kompressoren für Erdgas sichern, die praktisch schutzlos in Eis und Schnee, Wüsten oder den Tropen betrieben werden.

Bei dem Plagiatschutz handelt es sich um eine neu entwickelte Plombe, die in ausge- härtetem Lack eingebettetes Kennzeichnungspulver enthält. Dieses Pulver beweist die Originalität des Bauteils. Die Originalkomponenten werden nach dem Einbau mit der gefüllten Plombe versiegelt. Sie lässt sich mit einem geeigneten Werkzeug in das Bauteil einschlagen – auch vor Ort beim Betreiber der Anlage. Im Servicefall prüft der Service- techniker zunächst die Unversehrtheit und Originalität der Plombe mit einem Handgerät. Erst durch ihr Zerstören gelangt er an die geschützten Baugruppen, führt die erforderlichen Arbeiten durch und versiegelt die Komponenten abschließend erneut durch Einschlagen einer neuen Plombe.

Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK | Pascalstraße 8-9 | 10587 Berlin | www.ipk.fraunhofer.de
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Röntgenblick für Gebäudewände

Erwirbt man ein älteres Haus, dann kauft man – was elektrische Leitungen und Wasserrohre angeht – oft die Katze im Sack. Wann wurden die Leitungen und Rohre überprüft? Welche Reparaturen sind bereits durchgeführt worden? Hier ist man meist auf den guten Willen und das Erinnerungsvermögen des Vorbesitzers angewiesen. Auch bei der Frage, wo die Leitungen verlaufen, stochert man oft im Dunkeln. Künftig soll eine App dafür sorgen, dass solche Daten und Informationen nicht verloren gehen – und Modernisierungen, Wartungen und Reparaturen über den gesamten Lebenszyklus eines Hauses dokumentieren. Entwickelt haben das Programm mit dem Röntgenblick Forscher am Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt, gemeinsam mit ihren französischen Kollegen des Centre Scientifique et Technique du Bâtiment CSTB.
Um etwa herauszufinden, wo Leitungen verlaufen, muss der Käufer nur sein Smartphone zücken, die integrierte Kamera einschalten und auf die jeweilige Wand richten. Das Smartphone zeigt ihm dann über Augmented Reality die Verläufe der Leitungen an – die App blendet die gewünschten Informationen über das aufgenommene Kamerabild ein. Auch bei der Konstruktion neuer Häuser ist die Technologie hilfreich. Dokumentieren die Architekten mit ihrer Hilfe die dreidimensionalen CAD-Daten eines neuen Hauses, so können sie später bei ähnlichen Projekten darauf zurückgreifen und sehen, wo nachträglich Änderungen nötig waren. Die Software ist nahezu fertig, Kunden aus dem Bereich des Facility Managements testen sie momentan. Anschließend soll die NewMedia Yuppies GmbH die App zum Produkt weiterentwickeln.

Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD | Fraunhoferstr. 5 | 64283 Darmstadt |
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Maritimes Erdgas fördern und CO2 einlagern

Das Dilemma ist bekannt: Während der globale Energiehunger stetig steigt, gehen uns langsam die Energiequellen aus. Mit immer mehr Wind- und Solarkraftanlagen soll dieser Entwicklung entgegengesteuert werden. Oder wir suchen nach bisher ungenutzten Quellen. Gashydrate gehören beispielsweise dazu. Die eisähnlichen Einschlussverbin- dungen aus Gas und Wasser sind vor allem im Meeresboden zu finden. Schätzungen gehen davon aus, dass die in ihnen gespeicherte Kohlenstoffmenge größer ist als die in konventionellen Lagerstätten mit Erdgas, Erdöl und Kohle. Maritime Gashydrate könnten nicht nur Erdgas in Form von Methan liefern, sondern gleichzeitig als CO2-Lagerstätte genutzt werden. Das künstlich eingebrachte Treibhausgas CO2 kann sich unter günstigen Voraussetzungen in eine feste Hydratstruktur umwandeln und so stabil unter undurchlässigen Sedimentschichten lagern.

Wissenschaftler haben bereits experimentell nachgewiesen, dass der Austausch beider Gase in den maritimen Sedimenten möglich, jedoch sehr zeitaufwändig ist. Forscher am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen suchen sowohl im Labor als auch am Simulationsrechner nach Wegen, diesen Prozess zu beschleunigen. Ihr mathematisches Simulationsmodell berücksichtigt wichtige Größen wie Temperatur, Druck und Verteilung der beteiligten Stoffe. Gleichzeitig kann es die Förderrate abhängig von der Lagerstätte und der Fördermethode ermitteln.

Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT | Osterfelder Straße 3 | 46047 Oberhausen | www.umsicht.fraunhofer.de
Kontakt: Dipl.-Ing. Georg Janicki | Telefon +49 208 8598-1420 | georg.janicki@umsicht.fraunhofer.de
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