Testwerkzeug für App-Sicherheit

Forschung Kompakt / 1.7.2013

Ob Shoppingportale, Spiele oder soziale Netzwerke – Apps sind vor allem auf Privatnutzer ausgerichtet. Doch auch für Unternehmen bergen sie Risiken. Ein Testframework hilft künftig, Sicherheitslücken und Schadsoftware in Apps zu entlarven.

© Foto Fraunhofer SIT

Nicht jede App ist vertrauenswürdig. Manche installieren Schadsoftware, andere klauen Dokumente oder Passwörter. Von diesen sollte man besser die Finger lassen.

»Bitte wenden Sie sich an den Administrator«. Diese Meldung erscheint meist auf dem Bildschirm, wenn Mitarbeiter auf dem Unternehmensrechner eine neue Software installieren wollen. Der Grund: Die Firmen wollen sich gegen Computerviren und andere Schadsoftware schützen und sichergehen, dass Betriebsgeheimnisse nicht nach außen gelangen. Was bei fest installierten Rechnern gang und gäbe ist, gestaltet sich bei mobilen Smartphones allerdings schwierig. Die Firmen können kaum verhindern, dass Mitarbeiter verschiedene Apps auf ihr Gerät laden; vor allem, wenn es sich um private Geräte handelt, die mit dem Firmennetz verbunden werden. Doch wie vertrauenswürdig sind die einzelnen Apps – haben sie eine Schadsoftware im Schlepptau, die Dokumente und Passwörter klaut oder Maschinen und Server sabotiert? Wie steht es um die Sicherheit – werden wichtige Informationen unverschlüsselt übertragen? Wie sind Unternehmensdaten gespeichert – können fremde Personen darauf zugreifen, etwa wenn der Besitzer das Smartphone verliert?

Individuelle Testberichte

Antworten auf diese Fragen liefert künftig das »Appicaptor-Testframework«, das Forscher am Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt entwickelt haben. Dieses System erstellt für Firmen zu jeder App und zu jedem Betriebssystem einen individuellen Testbericht. »Unser Framework ›Appicaptor‹ umfasst verschiedene Analysemethoden und -Werkzeuge«, sagt Dr. Jens Heider, Abteilungsleiter »Testlab Mobile Security« am SIT. »Es kann sowohl Apps für Android- als auch für iOS-basierte Smartphones analysieren – es arbeitet also unabhängig von der Plattform. Zudem lässt es sich beliebig erweitern.« Die Analyse läuft dabei automatisch. Findet »Appicaptor« eine Sicherheitslücke oder eine Schadsoftware, gibt es eine Warnung aus. Einmal gescannt und für sicher befunden heißt aber nicht, dass dies für alle Zeiten gilt. In bestimmten Abständen wiederholt die Software ihre Kontrolle daher – denn Apps werden regelmäßig verändert und überarbeitet. Mit Hilfe des »Appicaptors« können Firmen entweder eine Whitelist erstellen, also eine Liste mit unbedenklichen Apps, die Mitarbeiter auf den Smartphones nutzen können. Oder eine Blacklist, auf der sich diejenigen Apps befinden, die gefährlich sind und die die Mitarbeiter auf keinen Fall installieren dürfen.

»Beim Appicaptor handelt es sich nicht um eine Test-Software, sondern um ein flexibles Testsystem, in dem wir verschiedene Test-Werkzeuge kombinieren«, sagt Heider. Viel Entwicklungsarbeit haben die Wissenschaftler in die Verständlichkeit gesteckt: Anfangs lieferte »Appicaptor« Ergebnisse, die nur Informatiker verstehen. Mittlerweile gibt die Software allgemeinverständliche Warnungen aus, etwa: »Die App speichert Daten unverschlüsselt und birgt daher ein Sicherheitsrisiko«. Eine weitere Hürde, die die Forscher zu meistern hatten, lag in der Geschlossenheit der iOS-Systeme: Der Apple-Konzern hält sich bedeckt darüber, wie das System aufgebaut ist. Die Wissenschaftler mussten also selbst herausfinden, was unter der Haube steckt und welche Risiken der Plattform geprüft werden müssen.

Das Framework ist bereits im Betrieb – es wird ständig weiterentwickelt und an neue Betriebssysteme angepasst. Momentan testen und optimieren die Forscher es gemeinsam mit der Industrie. Die Testphase läuft noch bis zum Herbst dieses Jahres. Ein Ergebnis: Unternehmen wünschen sich oft firmenspezifische Testfälle. Weiterhin soll das System an firmeneigene App-Stores und Mobile-Device-Management-Systeme ange- bunden werden. Das SIT bietet »Appicaptor« deshalb ausschließlich als Dienstleistung an. Dennoch könnten die Ergebnisse auch privaten Nutzern zu Gute kommen: »Wir erwarten, dass das Niveau der Apps durch die zunehmende Kontrolle steigt und sie immer weniger Sicherheitslücken beinhalten.«