Kurzmeldungen

Forschung Kompakt / 2.9.2013

Entspannte Individualreisen für beeinträchtigte Senioren +++ Früher Flugzeug, jetzt Tennisschläger +++ Serviceroboter für Senioren

Entspannte Individualreisen für beeinträchtigte Senioren

Das ältere Ehepaar ist begeistert: »Dieses vielfältige Kulturangebot und das schöne Umland.« Trotz ihres hohen Alters und einiger altersbedingter Einschränkungen haben die beiden noch mal eine Individualreise nach München angetreten. Am Vormittag ein Ausflug zum Starnberger See, abends geht es in die Bayerische Staatsoper. Für das Ehepaar mühelos zu meistern – trotz Geh- und Sehbeeinträchtigung. Denn Anreise, Hotel und Freizeitangebote haben sie sich auf einer Internetplattform für seniorengerechte Individual- reisen zusammengestellt und gebucht.

Leider ist das beschriebene Szenario noch Zukunftsmusik. In der Realität treten beein- trächtigte Ältere eine derartige Reise erst gar nicht an: Etwa 20 von 100 Senioren lassen trotz Fernweh den Koffer im Schrank, wie das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Stuttgart herausfand – meist aus gesundheitlichen Gründen. Um das zu ändern, arbeiten die Forscher im Projekt »Urlaubsreisen im Alter mit individuellen Services (URAiS)« an einer zentralen Reiseplattform für ältere Menschen. Dort erhalten Senioren passende Reisevorschläge, die individuell auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind und auch während der Reise sind sie mit den Dienstleistern verbunden. Im Septem- ber startet eine erste Pilotversion der URAiS-Plattform, die auch als App angeboten werden soll. Mit dabei sind die Deutsche Bahn, der IT-Dienstleister Infoman, der Tourismusverband Ruppiner Seenland und die Reha-Klinik Schwäbische Alb.

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Früher Flugzeug, jetzt Tennisschläger

Flugzeuge sind längst keine Stahlvögel mehr. Stattdessen werden sie zunehmend aus karbonfaserverstärkten Kunststoffen gebaut, denn dieses Material ist wesentlich leichter, aber ähnlich stabil wie Metall. Was das Recycling dieses Materials angeht, ist die Lage dürftig: Die Fasern wiederzuverwerten, ist bislang noch nicht wirtschaftlich – es fehlt an entsprechenden Verfahren. Zwar lassen sich die Fasern über die Pyrolyse von dem Polymer trennen, das sie umgibt. Dabei wird das Material unter Luftabschluss auf 1200 Grad Celsius erhitzt. Das Problem: Die Fasern sind nach diesem Prozedere verknäuelt, das Wirrwarr ist nur schwer aufzutrennen. Zudem büßen sie ihre Zugfestigkeit ein: Bei den wiedergewonnenen Exemplaren liegt sie nur noch bei 40 bis 50 Prozent. Das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP entwickelt daher ein Verfahren weiter, das ursprünglich im Bergbau verwendet wird – beispielsweise um Diamanten aus dem umgebenden Gestein zu gewinnen.

Das Prinzip: Die Forscher »schießen« mit Blitzen auf den Karbon verstärkten Kunststoff. Der Strom fließt vor allem entlang der Phasengrenzen und trennt die Fasern vom umge- benden Polymer. Lässt man sie allerdings zu lange unter diesem Beschuss, zerfallen sie zu Karbonstaub. Die Forscher haben daher einen Wasserkreislauf angebracht, mit dem sie die bereits gelösten Fasern heraus schwemmen. Deren Zugfestigkeit ist deutlich besser als bei der Pyrolyse: Momentan behalten die recycelten Fasern 60 Prozent ihrer einstigen Zugfestigkeit. Langfristig wollen die Forscher sie auf 80 Prozent steigern – genug, um daraus beispielsweise Tennisschläger zu fertigen. In etwa zwei bis drei Jahren, so das Ziel, soll eine Tonne karbonverstärkter Kunststoff pro Stunde auf diese Art wiedergewonnen werden.

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Serviceroboter für Senioren

Herr M. sieht nicht mehr so gut und kann nur noch mit einem Stock gehen. Dennoch kommt ein Umzug ins Pflegeheim für den alleinlebenden Achtzigjährigen nicht in Frage. Wie Herr M. wollen die meisten älteren Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben und selbstbestimmt leben. Künftig sollen teilautonome Serviceroboter hilfebedürftige Senioren im Haushalt unterstützen und ihnen ein eigenständiges Leben in vertrauter Umgebung ermöglichen. Die für einen solchen »Shadow Robot« benötigten Sensor- und Steuerungsfunktionen sowie entsprechende Benutzer- und Kommunikations- schnittstellen haben Forscher am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automati- sierung IPA entwickelt. An der Umsetzung auf dem Roboterassistenten Care-O-bot 3 tüftelten die Forscher gemeinsam mit elf weiteren Partnern im EU-Projekt »SRS«, kurz für Multi-Role Shadow Robotic System for Independent Living.

In der Regel steuern die pflegebedürftigen Senioren den Roboter selbst. Allerdings kann auch ein Callcenter von außen eingreifen und ihn aus der Ferne bedienen, etwa wenn er schwierige Aufgaben nicht selbsttätig lösen kann. Auch in Notfällen kann das Callcenter die Steuerung des »Shadow Robot« übernehmen, über diesen mit den Senioren Kontakt aufnehmen und damit eine schnelle und zielgerichtete Hilfe sicherstellen. Mit Hilfe der Monitoring-Funktionen haben auch besorgte Angehörige die Möglichkeit, nach dem Rechten zu sehen – so, als ob sie selbst vor Ort wären.

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