Fraunhofer initiiert Ausbau des Wissenschaftsstandorts Leipzig/Halle

Presseinformation / 12.8.2014

Die Ministerpräsidenten der Länder Sachsen Stanislaw Tillich und Sachsen-Anhalt Dr. Reiner Haseloff sagten heute ihre Unterstützung für Kooperationsvorhaben der Fraunhofer-Gesellschaft mit Wissenschaft und Wirtschaft in der Region Leipzig und Halle zu. Zwei vorgestellte Initiativen sollen den Standort stärken: mit dem Nationalen Leistungszentrum »Chemie und Biosystemtechnik« sowie der Fachgruppe »Zell-funktionale Bildanalyse« der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur HTWK Leipzig und dem Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI.

© Foto Dirk Mahler/Fraunhofer

Reihe 1: Prof. Dr. Beate A. Schücking, Rektorin Universität Leipzig, Dr. Reiner Haseloff, Ministerpräsident Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident Fraunhofer-Gesellschaft, Prof. Dr. Frank Emmrich, Leiter Fraunhofer IZI Reihe 2: Prof. Dr. Markus Krabbes, Kommissarischer Rektor HTWK Leipzig, Prof. Dr. Udo Sträter, Rektor Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Stanislaw Tillich, Ministerpräsident Sachsen, Prof. Dr. Ulf-Dietrich Braumann, Inhaber Professur Biotronische Systeme, HTWK Leipzig

Fraunhofer initiiert Ausbau des Wissenschaftsstandorts Leipzig/Halle
© Foto Dirk Mahler / Fraunhofer

Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, und Prof. Dr. Krabbes, kommissarischer Rektor der HTWK Leipzig, unterzeichnen die Erklärung für die Gründung der gemeinsamen Fachgruppe »Zellfunktionale Bildanalyse« zur Unterstützung des Forschungsschwerpunkts der regenerativen Medizin – im Beisein von Prof. Dr. Frank Emmrich (Leiter Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI), Stanislaw Tillich (Ministerpräsident des Freistaates Sachsen), Prof. Dr. Ulf-Dietrich Braumann (Inhaber Professur für Biotronische Systeme, HTWK Leipzig) – stehend v.l.n.r.

Nationales Leistungszentrum »Chemie und Biosystemtechnik«

Um den Standort zu stärken, planen Universitäten, Hochschulen und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen zusammen mit Unternehmen in der Region das Nationale Leistungszentrum »Chemie und Biosystemtechnik«. »Wir wollen exzellente Forschung mit Lehre sowie Aus- und Weiterbildung verbinden und ein dichtes Transfer- und Wirtschaftsnetzwerk schaffen. Die Leistungszentren sollen internationale Strahlkraft erlangen«, sagte Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. Er stellte die Planungen für den Raum Halle und Leipzig vor: »Seit über hundert Jahren ist die chemische Industrie in Mitteldeutschland fest verwurzelt. Es existiert eine außerordentliche Bandbreite an Exzellenz und Zusammenarbeit. Die kritische Masse für ein nachhaltiges und profilgebendes Cluster ist vorhanden.«

Ministerpräsident Dr. Haseloff erklärte: »Innovationen machen nicht an Ländergrenzen halt. Die Initiative von Fraunhofer gemeinsam mit den Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zeigt sowohl das ausgezeichnete Forschungsniveau in der traditionsreichen Chemieregion als auch das Potenzial zur Umsetzung von Innovationen in Produkte. Sachsen-Anhalt unterstützt die Ausbildung der Exzellenz in der angewandten Forschung durch einen länderübergreifenden Strategieansatz.« Die Unternehmen profitieren durch die enge Vernetzung und können so Ideen und Entwicklungen rascher in Produkte umsetzen – ein Vorteil im globalen Wettbewerb. »Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren in punkto Innovationsfähigkeit im Länderranking gut positioniert. Zu diesem Erfolg tragen das Wissenschaftssystem, aber auch das gute Zusammenspiel von Forschung und Wirtschaft bei. Um diese Synergien auszubauen, müssen sich Grundlagen- und angewandte Forschung vielschichtiger und engmaschiger vernetzen«, betont Neugebauer.

Die von Fraunhofer initiierten Nationalen Leistungszentren sind gekennzeichnet durch ein thematisches Profil, internationale Alleinstellungsmerkmale, exzellente Forschung in Verbindung mit entsprechender Lehre und Ausbildung sowie effizientem Transfer in die Wirtschaft. Im Großraum Halle und Leipzig sollen verfahrenstechnische Prozessketten der kunststoffverarbeitenden, chemischen, biotechnologischen und biomedizinischen Industrie vom Rohstoff bis zum Produkt erforscht und optimiert werden. Hier sind acht Einrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft und sechs Hochschulen sowie zahlreiche Unternehmen eingebunden. Koordiniert wird das Vorhaben von Professor Frank Emmrich, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Zelltherapie und Immunologie IZI und Professor Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM, Institutsteil Halle.

Die Fachgruppe »Zell-funktionale Bildanalyse«

Professor Reimund Neugebauer und Professor Markus Krabbes, kommissarischer Rektor der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur HTWK Leipzig, unterzeichneten heute im Beisein von Ministerpräsident Stanislaw Tillich die Absichtserklärung zur Zusammenarbeit. Mit der gemeinsamen Fraunhofer-Fachgruppe »Zell-funktionale Bildanalyse« soll der Forschungsschwerpunkt Regenerative Medizin in Leipzig weiter ausgebaut werden. Dabei bringen beide Partner ihre jeweiligen Stärken ein.

»Die angewandte Biotechnologie und die Medizintechnik zählen weit über den Freistaat Sachsen hinaus zu den Forschungs- und Unternehmensbereichen der Zukunft. Die Bündelung von Kompetenzen und die Förderung nachhaltigen Forschungs-Knowhows über Landesgrenzen hinaus ist wichtig, wenn wir weltweit ganz vorn mit dabei sein wollen. Heute haben wir hierfür das Fundament gelegt. Wissenschaftler der Region werden gemeinsam an den Innovationen von morgen forschen. Davon werden nicht nur die Wirtschaft, sondern insbesondere die Menschen profitieren«, sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich. Die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren exzellenten Kompetenzen in Lehre, Anwendung und Forschung sei dabei ein ausgezeichneter Partner der Universitäten, Hochschulen und der Region insgesamt. »Der Freistaat Sachsen kann nunmehr seine Position unter den Top 5-Biotechnologie-Regionen in Deutschland weiter ausbauen und sich noch besser international etablieren«, so Tillich.

In der Regenerativen Medizin versuchen Wissenschaftler geschädigte Organe wiederherzustellen. Ein wichtiger Baustein dafür ist die präzise Beschreibung des aktuellen Funktionszustands von Zellen und Gewebe. Hierbei helfen exakte Bildanalysen. Unter der Leitung von Professor Ulf-Dietrich Braumann, Lehrstuhl Biotronische Systeme an der HTWK, erarbeiten die Experten neue Untersuchungsverfahren für viele verschiedene Gewebetypen. Bei diesen Bildanalysen müssen die Zellen nicht mehr wie bisher zerstört werden. Die Vorteile für beide Partner: Am Fraunhofer IZI werden mit dem Vorhaben die Kompetenzen in der medizinisch-diagnostischen Bildgebung ausgebaut. Die HTWK Leipzig vertieft damit den Bereich bildgebender Verfahren als strategisches Lehr- und Forschungsfeld. Studierende der Professur für Biotronische Systeme der HTWK werden frühzeitig an aktuelle international kompetitive Forschung herangeführt.

Im Herbst 2014 soll die Kooperation zwischen dem Lehrstuhl für Biotronische Systeme und dem Fraunhofer IZI starten. Fraunhofer stellt dafür 1,5 Mio Euro in den nächsten fünf Jahren zur Verfügung. Die HTWK Leipzig bringt sich – unterstützt durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst SMWK – mit der genannten Professur ein. Die Gruppe wird am IZI in Leipzig eingerichtet.