weiter.vorn 1.2012

Fraunhofer-Gesellschaft

Fitness für Fahrzeuge

Indien boomt. Der einstige Agrarstaat ist auf dem besten Weg eine Industrienation zu werden. Das Bruttosozialprodukt wächst seit Jahren stetig, immer mehr Mittel fließen auch in Forschung und Entwicklung. Einer der wichtigsten Industriezweige Indiens ist der Fahrzeugbau. Die Nachfrage ist enorm: Mehr als eine Milliarde Menschen leben auf dem Subkontinent. Allein um sie mit den lebensnotwenigen Waren zu versorgen und ihr Bedürfnis nach Mobilität zu befriedigen, sind riesige Flotten von Bussen, Autos, Motorrädern und Autorikschas notwendig. Vor kurzem unterzeichneten Fraunhofer und das indische Interational Advanced Research Centre for Powder Metallurgy and New Materials (ARCI) einen Kooperationsvertrag für das erste von vier geplanten gemeinsamen Projekten, die von indischer Seite finanziert werden.

Um den Fahrzeugbau fit zu machen für künftige ökologische und ökonomische Anforderungen werden Fraunhofer-Forscher künftig eng mit Ingenieuren und Wissenschaftlern in Indien zusammenarbeiten. So werden die deutschen und indischen Forscher in den nächsten Jahren gemeinsam einen Simulator für Elektrofahrzeuge entwickeln, einen Softwarestandard für Kleinwagen, neue Fügetechniken, mit denen sich Aluminium und Kunststoff im Karosserie – und Motorbau verbinden lassen und last but not least ein automatisiertes 3D Inspektionssystem für die Fertigungstechnik.

Perfekter Klang

Österreich, das Land der Musik und der Festspiele. Jedes Jahr strömen Massen von Touristen zu Opern, Musicals und Schauspielen. Aber zu einer erfolgreichen Aufführung gehört nicht mehr nur Bühnenbild und Musik, sondern auch Audiotechnik vom Feinsten. Gemeinsam mit den Veranstaltern der Bregenzer Festspiele hat das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie IDMT in Ilmenau ein Soundsystem entwickelt, das jedem Zuschauer eine ideale Akustik ermöglicht.

Knapp 800 Lautsprecher auf und vor der Bühne lassen sich mit der Fraunhofer-Software steuern und ermöglichen neben neuartige Klangeffekten auch eine bewegte Raumsimulation. Die Akustik verschiedener Räume wird dabei so nachgebildet, dass die Musik trotz Open Air-Bühne klingt wie im Opernhaus. Der Richtungsmischer, das Fraunhofer SpatialSound Stage-System, lässt die Zuschauer jede Bewegung der Solisten akustisch mitverfolgen.

»Wir schaffen mit unserer Software vollkommen neue Möglichkeiten im Sounddesign«, betont Rene Rodigast vom IDMT. Auf der Seebühne Mörbisch waren in diesem Jahr gleich zwei Systeme des Fraunhofer IDMT im Einsatz: eines für die Bühne und das zweite synchron dazu für Raumsimulation im Zuschauerraum.

 

Nanotechnik in Russland

Russland profitiert von seinen Rohstoffen. In Zukunft will das Land aber auch mit Forschung und Hochtechnologie auf dem globalen Markt Präsenz zeigen. Die Nanotechnologie fördert die russische Regierung ganz besonders: Im ganzen Land soll ein Netz neuer Technologiezentren entstehen. Damit der Schritt aus dem Labor auf den freien Markt gelingt, brauchen die russischen Firmen Partner mit der nötigen Technik und Kompetenz. Während des Petersburger Dialogs unterschrieben das Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden vund NEVZ-Soyuz AG ein Memorandum of Understanding: Das Ziel ist die gemeinsame Forschung und Entwicklung zur Herstellung von keramischen Werkstoffen und Produkten. Der Zusatz von Nanopartikeln macht die Keramiken feiner und widerstandsfähiger. Diese sind ein Grundstoff für elektrotechnische Erzeugnisse, eignen sich aber auch als Verschleißschutz für hochbelastete Systeme in der Öl- und Gasindustrie.

Gemeinsam mit dem Staatskonzern Rusnano AG baut NEVZ Soyuz ein neues Werk in Novosibirsk. Schon im kommenden Jahr sollen dort die ersten mit Nanozusätzen produzierten Keramikbauteile vom Band laufen. Dr. Bärbel Voigtsberger vom IKTS ist zuversichtlich: »Wir erhoffen uns auf diesem Wege den erfolgreichen Einstieg in den russischen FuE-Markt und zielen dabei auf eine längerfristige Kooperation.«

Digitale Medien

Der Tourismus boomt, gerade in den aufstrebenden asiatischen Staaten. Interaktive, elektronische Reiseführer sind einer der Wachstumsmärkte. Eine in Singapur an der Nanyang Technological University, NTU, entwickelte Applikation lässt beispielsweise die Geschichte eines historischen Gebäudes mit Bildern und Infos auf einem Smartphone lebendig werden, sobald die Kamera darauf gerichtet wird. An der NTU arbeiten führende asiatische Wissenschaftler zusammen mit deutschen Spezialisten vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD in Darmstadt an der Weiterentwicklung interaktiver digitaler Medien.

Das neu eröffnete »Fraunhofer Project Centre for IDM@NTU« liegt auf dem Gelände der Universität und ermöglicht eine enge Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Visual Computing. Dazu gehören Softwarelösungen für mobile Endgeräte wie Smartphones oder Tablets ebenso wie 3-DLernprogramme oder die Gestaltung virtueller oder erweiterter Realitäten. »Wir sind zuversichtlich, dass dem Zentrum auch weiterhin bahnbrechende Entwicklungen im digitalen Raum gelingen«, so der Provost der NTU Professor Freddy Boey. »Auf dem asiatischen Markt bietet sich in diesem Sektor ein weites Betätigungsfeld«, bestätigt Prof. Wolfgang Müller-Wittig, der Leiter des Fraunhofer IDM@NTU. »Diese Kooperation wird unser Forschungsgebiet weltweit voranbringen«.