weiter.vorn 1.2012
Fraunhofer-Gesellschaft
Wenn die Palette den Transporter bestellt
Dank standardisierter Komponenten, elektronischer Kennzeichnung und Vernetzung steuern sich Transportbehälter selbst und finden alleine ihren Bestimmungsort.
Kühlschränke, die selbstständig Lebensmittel bestellen oder Stromzähler, die bei einem Blackout den Versorger informieren – »Internet der Dinge«, so nannten vor Jahren Forscher ihre Vision: Dinge des Alltags sind über das Internet miteinander verknüpft und erleichtern den Menschen das Leben. Bislang ist diese Vision nur teilweise Realität. Die Logistikbranche könnte mithilfe des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik IML in Dortmund das Internet der Dinge bald einen entscheidenden Schritt voranbringen.
Seit Juli 2010 arbeiten die Forscher in Dortmund an einem durchgängigen Materialfluss, bei dem branchenübergreifend über die gesamte Wertschöpfungskette Güter und Transportbehälter Informationen in Echtzeit austauschen und ihren Weg selbstständig zum Ziel finden. Eine zentrale Instanz ist nicht mehr notwendig, die Prozesse steuern sich selbst. Dementsprechend haben das IML und seine sieben Kooperationspartner aus Transport, Produktion und Handel ihr Projekt smARTI (Smart Reusable Transport Items) genannt. Die Beteiligten versprechen sich davon schnellere Prozesse, eine höhere Transparenz und eine Optimierung des Lieferverkehrs.
Bis heute lässt sich im Handel der Materialfluss einzig über die gekennzeichnete Ladung nachverfolgen. Forscher des IML drehen dieses Prinzip einfach um und nutzen dafür eine Komponente, die bislang vernachlässigt wurde: »Wir möchten anhand der Palette die Güter identifizieren. Dazu verknüpfen wir einfach die Waren mit der Palette«, berichtet Projektleiter Dr. Volker Lange. Das heißt, nicht nur die Produkte sind mit einer Kennzeichnung versehen, sondern auch die Palette beziehungsweise der Transportbehälter mit einer Auto-ID. Dessen ID-Code ist in einem Funketikett, einem RFID-Chip, integriert, das auch Daten von einem Transportgut verwalten kann. Dazu wird der Barcode der Ware entweder eingescannt oder berührungslos ausgelesen und an den RFID-Chip übertragen.
Künftig weiß der Handel genau, wo sich die bestellte Ware befindet: Alle Ereignisse, Bewegungsdaten, Standort- und Zustandsinformationen werden entlang der Wertschöpfungskette, etwa im Distributionszentrum, Auslieferungslager oder Ladebereich, ausgelesen und in einem Cloud-basierten System gespeichert. Ruft ein Lieferkettenpartner die Palette ab, kann er über eine vom IML entwickelte, Web-basierte Informationsplattform auf die Daten zugreifen. Auch für den Dienstleister, der die Transportbehälter zur Verfügung stellt, bringt die Vernetzung Vorteile: Die Ladungsträger melden sich automatisch, sobald sie leer sind und fordern ihre Rücklieferung an.
Derzeit testen die Kooperationspartner in einem Pilotdurchlauf das neue »Internet der Logistik-Dinge«. »Wir planen, bis 2013 auch Luftfracht und Briefverkehr einzubinden«, sagt Björn Anderseck vom IML. Das ist möglich, weil das IML standardisierte Bausteine entwickelt hat, die Daten aus Informationstechnik und Logistik zusammenfassen. So kann jede Firma unabhängig von der Branche in das System integriert werden. Vorausgesetzt, es hat seine Ladungsträger mit der Auto-ID-Technologie ausgestattet und seine Prozesse darauf ausgerichtet.

Social Bookmarks