weiter.vorn 2.2012

Fraunhofer-Gesellschaft

Mit den Werkzeugen der Natur

In der chemischen Industrie herrscht Aufbruchstimmung, denn viele Stoffe und chemische Produkte lassen sich mithilfe der industriellen Biotechnologie herstellen. Linde Engineering Dresden will zusammen mit Fraunhofer-Instituten und Unternehmen wie c-Lecta aus Leipzig den Aufbau von Biotechnologieanlagen vorantreiben.

Noch ist chemische Industrie stark abhängig vom Erdöl. Aber Politik, Wissenschaft und Wirtschaft arbeiten schon an einer biobasierten Ökonomie, die auf nachwachsenden Rohstoffen aufbaut und diese mit den Stoffströmen der etablierten Petrochemie verzahnt. Doch dafür werden neue  biotechnologische Verfahren benötigt. Die Linde Engineering Dresden ist

ein Tochterunternehmen der Linde Group und  zählt zu den führenden Unternehmen im Bereich Planung, Lieferung und Bau von Chemie-, Gas-, Biotechnologie- sowie Pharmazieanlagen. Doch das Unternehmen mit seinen ca. 500 Mitarbeitern streckt längst die Fühler in Richtung neuer Anwendungsfelder für die Produktion von Morgen aus. »Wir haben in den vergangenen Jahren viel Know-how in der Verfahrenstechnik und im Anlagenbau aufgebaut und wollen jetzt noch tiefer in die industrielle Biotechnologie und in Bioraffinerien einsteigen«, sagt Dr. Markus Wolperdinger, Leiter Business Development Biotechnologieanlagen bei Linde Engineering Dresden.

Viele Biotechverfahren stecken noch in den Kinderschuhen oder schlummern als Projektideen in den Köpfen von Forschern und Ingenieuren. Bislang haben erst einige wenige Konzepte den Schritt zum industriereifen Einsatz geschafft. Am Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt wurden die Weichen für den Aufbau einer bio-basierten Ökonomie bereits vor mehreren Jahren gestellt. Im Spitzencluster »BioEconomy« arbeiten nun Unternehmen und Forschungseinrichtungen gemeinsam daran, Prozesse zu entwickeln, um nachwachsende Rohstoffe der industriellen Fertigung zugänglich zu machen. Ihr Ziel ist es, ein international vernetztes Zentrum aufzubauen, in dem innovative Verfahren der industriellen Biotechnologie entwickelt, skaliert und mit den etablierten Prozessen der chemischen Industrie zusammengeführt werden.

Derzeit entsteht in Leuna der Neubau des Fraunhofer-Zentrums für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP unter der Leitung der Fraunhofer-Institute für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB und für Chemische Technologie ICT. An dem Aufbau ist auch die Linde Engineering Dresden beteiligt. Die Anlagenbauer haben die europaweite Ausschreibung gewonnen und haben die Federführung als Generalunternehmer Technik. »Wir sehen eine große Chance in der gemeinschaftlichen Entwicklung neuer Technologien, verbunden mit einer effizienten Skalierung von Prozessen mit guten Aussichten auf einen Markterfolg«, prognostiziert Wolperdinger.

Innovative Schmierstoffe und technische Enzyme 

Im Fokus der Fraunhofer-Einrichtung in Leuna stehen u.a. zuckerhaltige Stoffe aus Lignocellulose, pflanzliche Öle zur Produktion innovativer Schmierstoffe und oberflächenaktiver Substanzen sowie Verfahren für die Herstellung technischer Enzyme. Für alle Themenfelder sind bereits Verbundprojekte mit einer Vielzahl von Partnern angelaufen oder befinden sich kurz davor. Ein Unternehmen, das sich mit der Herstellung von Enzymen gut auskennt, ist c-Lecta aus Leipzig: »Das ist eine unserer wichtigsten Produktlinien«, sagt c-Lecta-Geschäftsführer Dr. Marc Struhalla. Die Enzyme aus dem Bioreaktor von c-Lecta helfen zum Beispiel, die Qualität und die Sicherheit von Lebens- oder Futtermitteln zu verbessern.

Was c-Lecta benötigt, sind anwendungsnahe Komponenten, Module und Prozesslösungen mit denen sich unterschiedliche Rohstoffe serienreif verarbeiten lassen. Das Start-up-Unternehmen aus dem Hochschulbereich sucht Marktnähe und tritt in zunehmendem Maße auch als produzierendes Unternehmen in Erscheinung. »Wir setzen darauf, neue innovative, biotechnologische Lösungen für industrielle Anwendungen zu entwickeln und diese dann auch zu implementieren«, betont Struhalla.

Für die Biotechniker aus Leipzig ist das Fraunhofer-Zentrum in Leuna genau die richtige Adresse. Der modulare Aufbau der Anlagentechnik bietet zahlreiche Möglichkeiten der Weiterentwicklung und unterstützt das produktorientierte Arbeiten mit Enzymen und anderen Mikroorganismen. Die Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Wissenschaftlern und den Technikplanern von Linde Engineering Dresden erweist sich als großer Vorteil, vor allem bei der Umsetzung von Laborergebnissen in produktionsfähige Prozesse.

Die Aussicht biobasierte Stoffe im Großmaßstab für industrielle Fertigungsprozesse einzusetzen treibt alle Beteiligten an. Sowohl Linde Engineering Dresden als auch Unternehmen wie c-Lecta sind auf den fachlichen Austausch zwischen Entwicklern und Anwendern angewiesen. Manchmal klappt ein Prozess im kleinen Maßstab und unter besonderen Laborbedingungen, die Skalierung der Prozesse auf industriell ausreichende Größe stellt jedoch eine Herausforderung dar. Zwar sind der Fantasie für mögliche Anwendungen kaum Grenzen gesetzt, doch in der Praxis müssen Aufwand und Ertrag in einem sinnvollen Verhältnis zueinander stehen. Das wissen auch die Planungsteams von Linde Engineering Dresden. »Durch die Zusammenarbeit mit der Fraunhofer-Gesellschaft eröffnen sich eine Vielzahl von Möglichkeiten für künftige Forschungs- und Industrieprojekte«, verrät Wolperdinger.

Umstieg auf biobasierte Ausgangsstoffe

Die Aufbruchsstimmung in Sachen Biotechnologie ist ansteckend. Traditionelle Chemieunternehmen wollen zukünftig einen Teil ihrer Produkte aus biobasierten Stoffen herstellen. Die petrochemische Industrie sucht immer intensiver nach Ersatz für fossile Produkte. Gemeinsamer Nenner ist der wirtschaftliche Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen im industriellen Maßstab. »Dafür wollen wir einen signifikanten Beitrag leisten«, sagt Wolperdinger.
Andreas Beuthner

Linde Engineering Dresden GmbH

Bodenbacher Straße 80
01277 Dresden
Telefon +49 351 250-3515
Fax     +49 351 250-4814
www.linde-engineering.com
Gründung: 1990
Mitarbeiter: ca. 500
Umsatz: 275 Millionen Euro (2011, Basis IFRS)
Produkte: Planung, Lieferung und Bau von Chemie-, Gas-, Biotechnologie- sowie Pharmazieanlagen