weiter.vorn 2.2012

Fraunhofer-Gesellschaft

Mit dem Laser ­schneller zum Produkt

»HighTech Produkte bestehen meist aus komplexen Materialien, die sich mit herkömmlichen Verfahren nur schwer bearbeiten lassen. Unsere Lasertechnologie ermöglicht erstmalig eine hochqualitative Bearbeitung mit einem enormen Geschwindigkeitsvorteil«, sagt Dr.-Ing.Claus Schnitzler von der Amphos GmbH aus Aachen. Amphos steht für Aachener Manufaktur für Photonische Systeme. Zusammen mit Jan Dolkemeyer und Dr. Torsten Mans hat der Physiker das junge Lasertechnikunternehmen Anfang 2010 aus dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT ausgegründet. Amphos fertigt Ultrakurzpulslasersysteme mit einer extrem hohen mittleren Ausgangsleistung größer 100 Watt. Die Turnkey-Lasersysteme bestehen aus einer Steuer- und Versorgungseinheit und einem Laserkopf, der sowohl den Oszillator als auch das Verstärkersystem beinhaltet.

Da sich das bearbeitete Material nicht erwärmt, sind Ultrakurzpulslaser prädestiniert für viele Bereiche in der Laserfertigung, wie etwa das Bearbeiten von Glas oder Leichtbauelementen aus Kohlenstoffverstärktem Kunststoff CFK. Die AMPHOS-Technologie arbeitet zehn bis hundert Mal schneller als herkömmliche Laserstrahlquellen und kann diese komplett ersetzen. Derzeit sind drei Produkte – der Amphos 150, 400 und 1000 – auf dem Markt.

Dolkemeyer, Mans und Schnitzler haben die Technologie vor zehn Jahren am ILT mitentwickelt. Alle drei verfügen über langjährige Erfahrung mit InnoSlab-basierten Lasern, opto-mechanischen Systemen und Verbindungstechniken für optische Komponenten. Zur Zeit hat die Amphos GmbH 14 Mitarbeiter. Im Januar zog das Unternehmen aus dem ILT in eigene Räumlichkeiten in den Technologiepark Herzogenrath. Der gute Kontakt zu den Ex-Kollegen bleibt bestehen.

Claus Schnitzler
http://www.amphos.de/

Solare Kälte für Indien

Draußen hat es knapp 40 Grad, doch im Büro ist es angenehm kühl. Immer mehr Gebäude werden klimatisiert. Der Bedarf für die Kühlung steigt etwa doppelt so schnell wie der Gesamtenergiebedarf von Gebäuden, weiß die Internationale Energie-Agentur (IEA). Besonders groß ist der Bedarf in Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung: Städte wie Bangalore, Chennai oder Neu Delhi erreichen mit rund 2000 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr Spitzenwerte. Gleichzeitig funktioniert konventionelle Klimatechnik gerade hier nur unzuverlässig: Das Stromnetz ist instabil, häufig steht nicht genug Leistung zur Verfügung – besonders in den Mittags- und Nachmittagsstunden. »Indische Firmen halten oft Notstromaggregate vor, um Spitzenbelastungen abzufedern«, berichtet Dr. Clemens Pollerberg vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT.

Clemens Pollerberg und Peter Schwerdt entwickeln sowohl thermisch angetriebene Dampfstrahlkältemaschinen als auch Absorptionskältemaschinen, die zur solaren Gebäudekühlung eingesetzt werden können. Zusammen mit Andreas Weber versuchen sie die Technologie in Indien auf den Markt zu bringen. UMSICHT hat 2011 mit der VSM Solar Private Limited in Bangalore ein Joint Venture Agreement vereinbart und die VSM Solar Private Limited ausgegründet. Geleitet wird das Unternehmen von dem indischen Geschäftsmann Srinivasan Sampath, von Fraunhofer eingesetzte Gesellschafter sind Clemens Pollerberg und Andreas Weber.

»Unser Ziel ist es, das bestehende Know-how bei der solarthermisch angetriebenen Kälteerzeugung in ein marktfähiges Produkt zu überführen und zu verbreiten«, erklärt Pollerberg. Bereits seit 2002 ist in Oberhausen eine solarthermisch angetriebene Absorptionskältemaschine in Betrieb und hilft bei der Klimatisierung von Büro- und Laborräumen. In Indien wird derzeit eine Demonstrationsanlage zur solaren Gebäudekühlung des Firmensitzes in Bangalore geplant, gebaut und in Betrieb genommen. »Zusätzlich wollen wir das Gesamtkonzept sowie die Einzelkomponenten zusammen mit VSM Solar Private Limited weiterentwickeln und für den indischen Markt optimieren«, sagt Pollerberg.

Dr. Clemens Pollerberg, Andreas Weber, Srinivasan Sampath
www.vsmsolar.com