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Fraunhofer-Gesellschaft

MWC 2010: Verträge unterschreiben am Telefon

Forscher am Fraunhofer SIT haben eine digitale Signatur für Internet-Telefonie entwickelt, mit der Gespräche rechtsicher archiviert werden können. Auf dem GSMA Mobile World Congress in Barcelona zeigen die Experten, wie die Software VoIPS funktioniert (Halle 2, Stand E41).

Internet-Telefonie hat sich in den vergangenen Jahren vom Nischenprodukt zur Standardtechnologie entwickelt. Die meisten Telefonanbieter haben ihre Technik im Hintergrund längst auf Voice over IP, kurz VoIP, umgestellt. Der Branchenverband BITKOM nennt als Grund hierfür vor allem die günstigen Tarife und zusätzliche Funktionen, wie das Zusammenspiel von E-Mail und Voicemail.

Durch die Verschmelzung von Telefon und Internet entstehen neue Geschäftsformen und Dienstleitungen, die sich nicht abhören oder manipulieren lassen dürfen. Zum Beispiel die Möglichkeit, Verträge per Telefon abzuschließen oder zu ändern. Zu diesem Zweck haben die Sicherheitsexperten des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT in Darmstadt eine Software entwickelt, die VoIP-Telefonate rechtssicher archiviert.

In der Praxis könnte das so aussehen: Ein Banker spricht mit einem Kunden. Das Gespräch führt zu einem Vertragsabschluss, der zu Beweiszwecken aufgezeichnet werden soll. Der Finanzberater drückt die Aufnahmetaste seines Telefons und der Kunde wird automatisch um seine Zustimmung gebeten. Bestätigt er dies, beginnt die Aufzeichnung nach dem VoIPS-Prinzip.
Das Verfahren basiert auf der Technik der digitalen Signatur. Die Software vom SIT teilt die Telefongespräche in Intervalle auf und signiert die übertragenden Datenpakete mit entsprechenden Metadaten. Damit die einzelnen Päckchen nicht in der falschen Reihenfolge gespeichert werden, erhält jedes Intervall einen unverwechselbaren verschlüsselten »Stempel«. Auf diese Weise verbindet VoIPS alle wichtigen Informationen über ein gespeichertes Telefonat zu einer unteilbaren Kette. Dadurch lassen sich die Telefonate auch nachträglich nicht unbemerkt verändern.

VoIPS eignet sich für alle Situationen, in denen Unternehmen, Behörden, Banken oder Versicherungen Gespräche fälschungssicher aufbewahren möchten, um spätere Rechtsunsicherheiten auszuschließen. Dies ist beim Telefonbanking ebenso der Fall, wie beim Mitschneiden der OP-Konversation im Krankenhaus. Basierend auf den gültigen Standards für Internet-Telefonie, kann VoIPS auf jeder IP-Telefonanlage installiert werden.