Technologien für Altbausanierung und Denkmalpflege

Jungbrunnen für Altbauten – Energetisch sanieren, Denkmäler erhalten

Zu jeder Jahreszeit behagliche Temperaturen bei maximaler Energieeffizienz – was bei Neubauten selbstverständlich ist, kann für ältere, denkmalgeschützte Gebäude eine große Herausforderung sein. Für Bestandsimmobilien gibt es keine Standardlösung, vielmehr müssen alle Maßnahmen im Gesamtkontext betrachtet werden. Falsche Maßnahmen können mehr Schaden als Nutzen anrichten, wenn die Arbeiten nicht individuell auf das Gebäude abgestimmt sind. Dabei sind energetisch sanierte Altbauten aus ökologischer Sicht nachhaltiger als Neubauten. Historische Gebäude sind auch Zeugen unserer Vergangenheit und prägen die Gesichter unserer Städte. Sie zu erhalten und beizutragen, dass sich Menschen gerne darin aufhalten, ist eine Aufgabe für Wissenschaft, Bauindustrie, Handwerk und Denkmalpflege gleichermaßen.

Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege Benediktbeuern

Das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege in Benediktbeuern zeigt beispielhaft Wege auf, wie Bestandsimmobilien energetisch sinnvoll und effektiv saniert werden können und denkmalgeschützte Gebäude erhalten bleiben.

Eröffnung am 17./18. November 2016

Auszeichnung des Fraunhofer-Zentrums Benediktbeuern im Bundeswettbewerb »Deutschland – Land der Ideen«

Sie freuten sich über die Auszeichnung im Bundeswettbewerb »Deutschland – Land der Ideen«: Katharina Roth (Land der Ideen), Christoph Griesser von der Deutschen Bank, Christine Milch, Prof. Dr. Klaus Sedlbauer und Prof. Dr. Ralf Kilian (alle Fraunhofer IBP), Prof. Dr. Alfred Gossner (Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft) sowie Prof. Dr. Gunnar Grün (Fraunhofer IBP) und Pater Reinhard Gesing (Direktor Salsianer Don Boscos).

Die Forscher am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP haben sich entschlossen, gemeinsam mit dem Fraunhofer-Informationszentrum für Raum und Bau IRB eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema energetische Altbausanierung und Denkmalpflege einzurichten. Nach zehn Jahren intensiver Arbeit und Forschung, unterstützt durch öffentliche Fördergeber und Partner aus der Industrie, war es nun soweit: Am 17. und 18. November 2016 wurde das Fraunhofer-Zentrum für energetische Altbausanierung und Denkmalpflege in Benediktbeuern eröffnet. Zeitgleich wurde die Einrichtung als eines der 100 besten Vorhaben unter dem Motto »NachbarschafftInnovation« im Wettbewerb »Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen« prämiert.

Forschung, Demonstration, Wissen

Das Fraunhofer-Zentrum zeigt beispielhafte Wege auf, wie Bestandsgebäude energetisch sinnvoll und effektiv saniert und denkmalgeschützte Objekte erhalten werden können, basierend auf den vier Säulen: Forschung, Demonstration, Wissen sammeln und Wissen vermitteln. Die Themen umfassen dabei die Felder Energieeffizienz, Ökonomie, Ökologie und Dauerhaftigkeit von Sanierungsmaßnahmen, die Entwicklung neuer und innovativer Materialien und Technologien, die Nutzung von erneuerbaren Energien im Gebäudestand bis hin zur Energieeffizienz im städtebaulichen Kontext. Das Zentrum schließt eine Lücke auf dem Sektor Altbausanierung und Denkmalpflege, so Prof. Dr. Klaus Sedlbauer, Institutsleiter am Fraunhofer IBP: »Unser Ziel ist es, Forschung, Demonstration von Lösungsmöglichkeiten, Wissenssammlung und deren Vermittlung im Bereich der energetischen und denkmalgerechten Instandsetzung optimal zu verbinden und für die Öffentlichkeit verständlich aufzubereiten. Aufgrund der globalen Herausforderungen sowie der energetisch zu sanierenden Bestandsmasse ist eine Einrichtung in Form einer modellhaften, gläsernen Baustelle dringend erforderlich.«

Kooperationspartner

Zusammen mit Kooperationspartnern aus der Bauindustrie können hier innovative Materialien bzw. Produktkombinationen und Techniken direkt am Gebäude erforscht und optimiert werden. Alle Forschungsprojekte zu den unterschiedlichen Fragestellungen und Materialien werden durch das Fraunhofer IBP messtechnisch begleitet, untersucht und anschließend ausgewertet. »Unser Anspruch ist es, hier in der Alten Schäfflerei die verschiedensten Aspekte der baulichen Denkmalpflege zu zeigen. Das beginnt beim Fassadenschutz, bei der Sanierung von feuchten Mauersockeln, bei Erhaltung historischer Fenster bis hin zu Fragen zur Haustechnik und welche dauerhafte Wartung und Pflege notwendig ist. Damit gehen wir einen wichtigen Schritt in der Weiterentwicklung bzw. Etablierung moderner Methoden in der energetischen Altbausanierung«, erläutert Prof. Dr.-Ing. Dipl.-Restaurator Univ. Ralf Kilian, der die Forschungsarbeiten am Fraunhofer IBP koordiniert.«

Austausch und Vernetzung

Der Austausch, das interdisziplinäre und vernetzte Arbeiten mit den Partnern steht bei allen Aktivitäten im Vordergrund. »Wir haben in der Alten Schmiede, der alten Hausmeisterei des Gebäudes, eine Werkstätte geschaffen, in der unsere Industriepartner die Möglichkeit haben, Praxisvorführungen oder handwerkliche Schulungen durchzuführen. Im Obergeschoss gibt es Räume für Seminare und öffentliche Informationsveranstaltungen. Diese richten sich nicht nur an Wissenschaftler, sondern auch an Handwerker, Bauherrn oder interessierte Bürger. Besonders am Herzen liegen uns aber auch die Jugendlichen, für die wir in Zukunft gezielt Veranstaltungen organisieren möchten«, erläutert Christine Milch, die Koordinatorin des Zentrums.

Denkmalgerechte und energetische Instandsetzung der Alten Schäfflerei

Im Jahr 2010 wurde der Nutzungsvertrag für die Alte Schäfflerei zwischen dem Kloster Benediktbeuern und dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP unterzeichnet. Noch im selben Jahr begann das kompetenzübergreifende Forschungsprojekt zur Sanierung des historischen Gebäudes. Während der sechsjährigen Projektdauer wurde die Alte Schäfflerei denkmalgerecht und energetisch instandgesetzt. Die unterschiedlichen Baumaßnahmen wurden in einer Art lebendigen und gläsernen Baustelle transparent dargestellt. Zu den aufwändigsten Arbeiten zählte die Instandsetzung des Dachstuhls mit seinem komplizierten, unterstützenden Hängewerk. 95 Prozent des historischen Altholzes und auch ein Teil der alten Dachziegel konnten erhalten werden, die neuen wurden nach altem Muster gebrannt.

Im Teilprojekt »Innendämmung« brachten die Forscher an die Wände des über 200 Quadratmeter großen Obergeschosses zehn unterschiedliche Dämmmaterialien an, die sehr dünn und hochwärmedämmend sind oder aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. recyceltem Material bestehen. Begleitet wurden die Dämmungsmaßnahmen von Messungen und rechnerischen Untersuchungen, um die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Systeme zu erforschen. Bei einem historischen Gebäude wie der Alten Schäfflerei legen die Forscher besonderen Wert darauf, dass alle Maßnahmen wieder zurückgebaut werden können, damit wertvolle historische Bausubstanz erhalten bleibt. Deshalb kann die Dämmung auch leicht wieder entfernt werden, ohne dass Schäden an Putz und Mauerwerk entstehen.

 

Der Standort im Kloster Benediktbeuern als historischer Ort und Baudenkmal ist für das Fraunhofer-Zentrum als Begegnungs- und Wissensstätte gut gewählt. Ein Besuch dort lohnt sich für Interessierte allemal.

Kloster Benediktbeuern

Das Kloster Benediktbeuern zählt zu den ältesten Klöstern Oberbayerns. Seine Gründung geht auf das 8. Jahrhundert zurück. Nach der Säkularisation kaufte Joseph von Utzschneider 1805 die Klosteranlage und verlegte sein Optisches Institut an diesen Ort. Joseph von Fraunhofer, sein bedeutendster Mitarbeiter, entwickelte im Kloster Benediktbeuern unter anderem erstmals schlierenfreies Glas für optische Messgeräte und entdeckte die Fraunhofer'schen Linien im Sonnenspektrum. Seit 1930 sind die Salesianer Don Boscos Eigentümer des Klosters.

Alte Schäfflerei

Die Alte Schäfflerei, Teil des ehemaligen Handwerkerbezirks im Kloster Benediktbeuern, stammt aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Das Gebäude mit seinem barocken Walmdach und der unterstützenden Hängesäulenkonstruktion steht unter Denkmalschutz. Nachdem das Gebäude 1760 fertiggestellt worden war, wurden hier über viele Jahrzehnte hinweg die Fässer für die Klosterbrauerei hergestellt. Nach dem 2. Weltkrieg zogen Flüchtlingsfamilien in die Räumlichkeiten im Obergeschoss ein und nutzten sie bis weit in die 50er Jahre als Wohnraum. Zuletzt waren im Erdgeschoss eine Schmiede und die Hausmeisterei des Klosters untergebracht, bevor das Fraunhofer IBP im Juli 2010 Einzug gehalten hat.

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