Virtuelles Krankenhaus - Elektronische FallAkte

NRW setzt auf Technologie des Fraunhofer ISST zur Versorgung von COVID-19-Patienten

30.3.2020

Virtuelles Krankenhaus NRW
© Land NRW / Ralph Sondermann
Virtuelles Krankenhaus NRW

Um schwestkranke COVID-19-Patienten optimal behandeln zu können, hat das Land Nordrhein-Westfalen vorzeitig das »Virtuelle Krankenhaus NRW« gestartet. Einen wichtigen Baustein für die telemedizinisch unterstützte Versorgung liefert die »Elektronische FallAkte« des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST.

Das Land Nordrhein-Westfalen will durch den Einsatz von Tele-Intensivmedizin die bestmögliche, flächendeckende Versorgung von schwerstkranken COVID-19 Patienten sicherstellen. Dazu hat NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am 30. März 2020 den Startschuss für das »Virtuelle Krankenhaus Nordrhein-Westfalen« gegeben. Damit können nun landesweit Krankenhäuser auf die Expertise der Unikliniken Aachen und Münster in den Bereichen Intensivmedizin und Infektiologie zurückgreifen. Die beiden Kliniken stellen dabei ihr Wissen im Umgang mit COVID-19-Erkrankten sowie ihre Erfahrungen in der Nutzung intensivmedizinischer und infektiologischer Telekonsile – telemedizinischer Zweitbefundungen – zur Verfügung.

 

Einen wichtigen Baustein liefert das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST in Dortmund mit seiner »Elektronische FallAkte « (EFA). Schon vor über 10 Jahren hat das ISST die offene Spezifikation zur Elektronischen FallAkte auf den Weg gebracht. Sie wird durch eine Vielzahl von Industrieunternehmen unterstützt, wie auch der Verein zur Elektronischen FallAkte zeigt. Zudem wird mit den Akteuren der Selbstverwaltung das Zusammenspiel mit der Telematikinfrastruktur, der Elektronischen Patientenakte (EPA) aber auch Bestandnetzen wie KV-Connect sichergestellt. EFA bietet einen raschen Zugriff auf benötigte Dokumente (etwa Arztbriefe, Befunde, OP-Berichte, Verordnungen). Sie ermöglicht den behandelnden Ärzten einen aktuellen und vollständigen Überblick über den bisherigen Behandlungsverlauf.

»EFA ist eine Art Kommunikationsplattform für Ärztinnen und Ärzte. Sie ist darauf ausgelegt, Ärztinnen und Ärzte über Sektor- und Einrichtungsgrenzen hinweg zu vernetzen und ihnen den datenschutzgerechten Austausch von medizinischen Informationen zu gemeinsam behandelten Patienten zu ermöglichen. Eine FallAkte steht hierbei für einen medizinischen Fall eines Patienten und wird durch die Ärztinnen und Ärzte gesteuert“, erklärt Dr. Sven Meister, Abteilungsleiter Gesundheitswesen am Fraunhofer ISST.

Das Virtuelle Krankenhaus NRW nutzt die Elektronische FallAkte, bereitgestellt durch das Rechenzentrum Volmarstein GmbH (RZV), in Verbindung mit einem Web‐Portal des Fraunhofer ISST als Nutzer‐Frontend. Dieses Portal unterstützt elektronische Telekonsile in der Intensivmedizin durch den datenschutzkonformen Austausch behandlungsrelevanter Daten sowie durch die Bereitstellung speziell auf den Bedarf der Tele-Intensivkonsile bei Covid‐19-Patientinnen und -Patienten abgestimmter Dokumente.

Anmeldungen von Telekonsilen können direkt über die Website des Virtuellen Krankenhauses Nordrhein-Westfalen erfolgen: https://virtuelles-krankenhaus.nrw/. Zur Nutzung des EFA-Portals können sich Krankenhäuser über den Mitgliederservice der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (www.kgnw.de) informieren. Bei den Kosten für die Nutzung der EFA unterstützt das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein‐Westfalen.

Bei dem Virtuellen Krankenhaus handelt es sich um eine digitale Plattform, mit der Nordrhein-Westfalen die fachärztliche Expertise landesweit bündeln und besser zugänglich machen möchte. Ursprünglich sollte das Virtuelle Krankenhaus im Sommer 2020 zunächst in eine Pilotierungsphase mit einigen ausgewählten Indikationen gehen. Angesichts der derzeitigen Corona-Pandemie und der hohen Erkrankungszahlen im Land hat die NRW-Landesregierung beschlossen, den Start vorzuziehen und telemedizinische Anwendungen zu nutzen, um schwerstkranke Covid-19-Patienten im Land flächendeckend optimal zu versorgen.