Pompeji mit Forschung erhalten

Das »Pompeii Sustainable Preservation Project«

Restaurator und Bauphysiker Dr. Ralf Kilian und Archäologe Dr. Albrecht Matthaei vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP forschen im Fundraising-Projekt »Pompeii Sustainable Preservation Project« forschen für die Erhaltung von Pompeji. 

Seit über 250 Jahren ist Pompeji ein Anziehungspunkt für Menschen aus aller Welt, die sich für die Antike begeistern. Jährlich strömen rund drei Millionen Touristen in die größte zusammenhängende Stadtruine der Antike. Seit Beginn der Freilegungen der antiken Stadt wird dort restauriert. Führende europäische Forschungsinstitutionen haben ein Fundraising-Projekt, das »Pompeii Sustainable Preservation Project« ins Leben gerufen, um die Denkmalstätte nachhaltig zu sichern und mit dem gewonnen Wissen auch über Pompeji hinaus für die Erhaltung von antiken Stätten weltweit zu wirken.

Das »Pompeii Sustainable Preservation Project« steht unter Federführung der Fraunhofer-Gesellschaft, der Technischen Universität München und der Soprintendenza Speciale per i Beni Archeologici di Pompei, Ercolano, Stabia, der Denkmalbehörde von Pompeji. Das Ziel dieses internationalen Großprojekts, ist es, die Maßnahmen zum Schutz Pompejis mit geistes- und naturwissenschaftlicher Spitzenforschung und der Ausbildung von Archäologen, Restauratoren und Nachwuchswissenschaftlern in einem Zentrum für Konservierungswissenschaften zu vereinen. Das Projekt ist vorerst auf zehn Jahre angelegt. Erste vorbereitende Arbeiten und Untersuchungen laufen seit März 2014. Die benötigten Mittel sollen mit Fördergeldern finanziert werden. Etwa zehn Millionen Euro sind nötig, um die geplanten Arbeiten durchführen zu können.

Restaurierungs- und Konservierungsforschung

Die Idee für das Projekt geht auf Überlegungen des Restaurators und Bauphysikers Dr. Ralf Kilian und des Archäologen Dr. Albrecht Matthaei vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP zurück. Die beiden Wissenschaftler waren schon als Studenten mit Restaurierungsarbeiten in Pompeji tätig. Überwältigt von der Größe der Ausgrabungsstätte und der Vielfalt der Gebäude mit den kunstvoll gearbeiteten Stuckarbeiten und farbenprächtigen Wandgemälden reiften die ersten Ideen für eine Akademie für Restaurierungs- und Konservierungsforschung. Studenten verschiedener Wissenschaftsdisziplinen sollten dort regelmäßig forschen, restaurieren und sich austauschen können. Pompeji erschien ihnen als der ideale Ort für ein Forschungs- und Ausbildungszentrum. Umgeben von weiteren historischen Orten wie Herculaneum, Stabiae und Oplontis, die ebenfalls durch den Ausbruch des Vesuvs verschüttet wurden, liegt Pompeji in einem Gebiet mit der höchsten Dichte an antiken Stätten.

UNESCO-Weltkulturerbe Pompeji

Pompeji ist ein einzigartiges Zeugnis der Menschheitsgeschichte und steht auf der UNESCO-Welterbe-Liste. Wie in einer Momentaufnahme zeigt die Ausgrabungsstätte, wie die Menschen in dieser pulsierenden Handelsstadt lebten. Im Jahr 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs unter Schutt und Asche begraben, lag die Stadt jahrhundertelang vergessen im Dornröschenschlaf. Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts erfolgten erste archäologische Ausgrabungen, die bis in die frühen 1980er Jahre hinein andauerten. Etwa 44 Hektar bebaute Fläche  wurden freigelegt, das entspricht etwa zwei Drittel der antiken Stadt.

Die ausgegrabenen Häuser und Mauern wurden immer wieder restauriert, teils rekonstruiert oder mit verschieden gestalteten Schutzdächern versehen. Trotzdem setzt ihnen Feuchtigkeit zu, sie lässt einst farbenprächtige Fresken verblassen, antiken Stuck zerbröseln und bedroht die Statik ganzer Gebäude.

2012 wurde von der italienischen Regierung das »Große Pompeji-Projekt« (Grande Progetto Pompei) ins Leben gerufen. Bis Ende 2015 wird mit finanzieller Unterstützung durch die Europäischen Union daran gearbeitet, den Verfall Pompejis aufzuhalten. Die Denkmalbehörde von Pompeji dirigiert die dringend notwendigen Arbeiten in vorbildlicher Weise. Es wurden neben vielen anderen weitreichenden Maßnahmen Notsicherungen für einsturzgefährdete Mauern und Schutzdächer und Abläufe für das Regenwasser errichtet. Auch eine vollständige Kartierung, um alle Objekte und deren Schäden zu erfassen, ist gerade erfolgt.

Finanzierung als Förderprojekt  

Parallel zum »Grande Progetto Pompei« soll das »Pompeii Sustainable Preservation Project« Know-how und innovative Ideen aus der angewandten Forschung, etwa der Materialkunde oder der Bauphysik, in den Restaurierungsbetrieb von Pompeji einbringen.

Die Förderer können grundlegend zur Erhaltung dieser einmaligen Weltkulturerbe-Stätte beitragen und gleichzeitig dafür sorgen, dass aus der für den Kulturerhalt notwendigen Denkmalpflege eine Investition in die Zukunft wird.

Ansprechpartner

Albrecht  Matthaei

Contact Press / Media

Dr. Albrecht Matthaei

Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
Fraunhoferstr. 10
83626  Valley

Mobil +49 176 83588772

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Prof. Dr. Ralf Kilian

Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP
Fraunhoferstr. 10
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Telefon +49 8024 643-285