Leitprojekt MED²ICIN

Fraunhofer-Leitprojekt MED²ICIN
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Digitales Patientenmodell als Grundlage für personalisierte und kostenoptimierte Behandlung

Per Klick zur richtigen Prävention, Diagnose und Therapie: Das ist die Vision des Leitprojekts »MED²ICIN«. Digitale Zwillinge sind in vielen Branchen gängige Praxis. Die Entwicklung eines digitalen Patientenmodells hat disruptives Potenzial für die Gesundheitsbranche. Denn je gezielter und wirksamer Prävention, Diagnose und Therapie sind, desto besser und kostengünstiger wird die Behandlung.
 

Dediziertes Ziel von MED²ICIN ist die Schaffung eines holistischen digitalen Patientenmodells durch Fusionierung bisher (zeitlich und örtlich) verteilt und teils unstrukturiert vorliegender hochdimensionaler Gesundheits- und Krankheitsdaten von Individuen zu einem digitalen Abbild. Dieses bietet sowohl enorme Verbes­serungspotenziale für die Behandlung von Einzelpersonen als auch einen intelligenteren Einsatz von Gesundheitsausgaben im Kontext der gesamten Gesellschaft.

Eine wirksame Begrenzung der Gesundheitsausgaben, vielmehr ein intelligenterer Einsatz der zur Verfügung stehenden Mittel erfordert insbesondere technologiegetriebene Innovationen für eine effektivere Prävention, Diagnostik, Therapie und Versorgung. Es gibt erste Ansätze, die »humanen Daten« der Medizin zum Wohle des Patienten einzusetzen und dem Erkenntnisgewinn in der Forschung, einer Effektivitätssteigerung in der Versorgung und einer Kommerzialisierung zuzuführen. Mit diesem Leitprojekt kann Fraunhofer eine international sichtbare Vorreiterrolle einnehmen, und es entsteht ein Alleinstellungsmerkmal, das über existierende, in Teilbereichen verwandte Ansätze, wie die elektronische Patientenakte oder IBM Watson deutlich hinausgeht. Durch eine bisher in dieser Form noch nicht betrachtete – geschweige denn realisierte, da­tenschutzkonforme Zusammenführung Individuen-bezogener Gesundheits- und Krankheitsdaten und deren intelligente Analyse – entsteht eine neuartige Lösung, die neben direkten Anwendern (Ärzten, Krankenhäusern, Patienten, Forschungsinstitutionen) eine Reihe von möglichen wirtschaftlichen Ver­wertern wie Life-Science-Unternehmen und Technologie-Provider in der Health IT, aber auch Kranken­kassen im Fokus hat. Dadurch wird ein vollkommen neues Marktsegment in einem dynamischen und schnell wachsenden Markt geschaffen, in dem sich Fraunhofer frühzeitig positionieren kann.

Das zu entwickelnde digitale Patientenmodell soll prototypisch am Beispiel chronisch entzündlicher Darmerkrankungen (CED) sowie onkologischer Erkrankungen evaluiert und implementiert werden. Beide Diagnosen sind aufgrund der langwierigen Therapie bzw. der hohen Behandlungskosten als besonders kostenintensiv einzustufen. Die Vision von MED²ICIN ist ein digitales Patientenmodell, das von Ärzten genutzt wird, um patienten­spezifische Daten einzugeben und diese einer auf umfangreichem Kohortenwissen, klinischen Leitlinien und gesundheitsökonomischen Modellen basierten Analyse zuzuführen. Ärzte erhalten eine datengestützte Entscheidungsunterstützung, die die individuell beste Therapie bei gleichzeitiger kosteneffizienter Versorgung anstrebt. Durch menschzentriertes und nutzergerechtes Interaction-Design wird sichergestellt, dass die Handhabung der Daten und der Analyseergebnisse auf die jeweiligen Anwender zugeschnitten ist.

Die wissenschaftlich exzellenten, interdisziplinären Kompetenzen der sieben beteiligten Fraunhofer-Institute bieten einzigartige Voraussetzungen für die Entwicklung eines solchen digitalen Patientenmodells. Neben dem technologischen Know-how – vor allem in den Bereichen KI und Machine Learning, Wissensextraktion und -modellierung, Datenmanagement und -visualisierung – beinhalteten diese insbesondere auch die notwendige Expertise zu klinischen Rahmenbedingungen und Leitlinien sowie translationaler Medizin.

Beteiligte Fraunhofer-Institute