Green Carbody Technologies: Energieeffizienter produzieren

Wirtschaftsthemen / 15.10.2009

Autos verbrauchen nicht nur Benzin oder Diesel, wenn sie fahren. Auch für die Produktion muss Energie aufgewendet werden. Firmen und Forschungseinrichtungen entwickeln deshalb neue energiesparende Technologien für die Automobilherstellung.

Der globale Wettbewerb, Klimaschutz und knappe Ressourcen stellen Automobilbauer und Zulieferer vor große Herausforderungen. »Bei der Herstellung fallen etwa 20 Prozent der Energie an, die ein Fahrzeug während seines Lebenszyklus verbraucht. Diesen Wert möchten wir in der Innovationsallianz ‘Green Carbody Technologies‘ halbieren«, erklärt Professor Reimund Neugebauer, Sprecher der Allianz und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz. Bei der Herstellung von Karosserieteilen beispielsweise soll so wenig Ausschuss wie möglich anfallen. Mehr als 60 Unternehmen in Deutschland haben sich deshalb zur Innovationsallianz zusammengefunden.

Ziel ist es, bis zu 50 Prozent Energie im Produktionsprozess einzusparen. Dazu betrachten die Forscher die gesamte Prozesskette. Sie erfassen etwa mit Hilfe neuartiger Planungswerkzeuge eine Vielzahl von Herstellungsschritten und Verfahren, um die Prozesse effizient aufeinander abstimmen zu können. Zudem erarbeiten sie neue Technologien, Verfahrensabläufe und Werkzeuge für die Karosseriefertigung und setzen diese neuen Entwicklungen  in die industrielle Praxis um. Die Partner arbeiten derzeit an fünf Verbundprojekten: an der Planung der Niedrigenergie-Produktion, an ressourcensparenden Umformprozessen und an energieeffizienter Anlagentechnik, an ressourceneffizientem Werkzeug- und Karosseriebau sowie der Lackierung. Gemeinsam mit der Volkswagen AG koordiniert das IWU den Zusammenschluss von Automobilherstellern, Ausrüstern und Zulieferern. Auch die Fraunhofer-Institute für Produktionsanlagen- und Kons-truktionstechnik IPK in Berlin und für Produktionstechnik und Automatisierung IPA in Stuttgart bringen ihr Know-how ein.

»Die Innovationsallianz ‚Green Carbody Technologies‘ ist eine langfristig angelegte Partnerschaft. Im Netzwerk entwickeln große, kleine und mittelständische Unternehmen effiziente Technologien und neuartige Produkte. Diese Innovationen sind die grundlegende Voraussetzung für den Erfolg am Standort Deutschland«, erklärt Professor Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Die Unternehmen brauchen sehr schnell marktfähige Lösungen, denn sie wissen: Aus der Krise kommt nur der gestärkt heraus, der die besseren Produkte, die intelligenteren Prozesse und die zufriedeneren Kunden hat. Der wichtigste Hebel zur Erhöhung des Innovationstempos liegt in der Vernetzung. Wie sehr Vernetzung mit der Steigerung von Innovationen zusammenhängt und zu höheren Wachstumsraten führt, haben wir in mehreren Untersuchungen nachgewiesen.«  Energieeffizienz betrifft alle produzierenden Firmen, denn die Rohstoffpreise sind in den vergangenen sieben Jahren durchschnittlich um 70 Prozent gestiegen. Bei den für das produzierende Gewerbe signifikanten Rohstoffen wie Kohle, Stahl und Öl sind die Steigerungsraten noch deutlich höher.

Für die Projekte der Innovationsallianz ist eine Laufzeit von drei Jahren vorgesehen. Das Forschungsvolumen der beteiligten Unternehmen beträgt rund 100 Millionen Euro. Davon werden 30 Millionen Euro in gemeinsame Verbundprojekte investiert. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung BMBF unterstützt die Initiative mit 15 Millionen Euro.