Wissenschaftsverantwortung und Ethik

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist sich ihrer Verantwortung im Umgang mit Forschungsfreiheit und Forschungsrisiken bewusst und unterstützt die Initiative der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina bezüglich »Wissenschaftsfreiheit und Wissenschaftsverantwortung − Empfehlungen zum Umgang mit sicherheitsrelevanter Forschung«.

Neben der rechtskonformen Umsetzung der Vorgaben zum Außenwirtschaftsrecht und den damit einhergehenden Prüfungen auf Dual Use, fördert die Fraunhofer-Gesellschaft den internen und externen Dialog zum verantwortungsvollen − über die rechtlichen Verpflichtung hinausgehenden − Umgang mit Forschung. Im Zusammenspiel von Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Wissenschaft sehen wir uns als Partner, der zu gesellschaftlichen und politischen Debatten in Forschungsfeldern, in denen wir aktiv sind, mit wissenschaftlicher Expertise beiträgt und strategische Initiativen zur Lösung künftiger Herausforderungen leitet.

Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beschäftigen sich in ihren Forschungsfeldern mit den Zusammenhängen technischer, gesellschaftlicher, ökonomischer und ökologischer Systeme und deren Wirkung in der Zukunft. Durch unsere Forschung wollen wir zu einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne einer ökologisch intakten, ökonomisch erfolgreichen und sozial ausgewogenen Welt beitragen. Dieser Verantwortung fühlen wir uns verpflichtet.

 

Information, Beratung und Sensibilisierung

Die Fraunhofer-Gesellschaft setzt bei der Wahrnehmung ihrer ethischen Verantwortung auf Information, Sensibilisierung und Beratung. Für einen systematischen Umgang mit Ethik und Wissenschaftsverantwortung wird das Verantwortungsbewusstsein der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch verschiedene Maßnahmen aktiv gefördert, bei ethischen Fragestellungen und Herausforderungen unterstützen wir durch organisationsweite Beratungsangebote. In unseren Forschungsprojekten holen wir Beratung bzw. Voten externer Ethikkommissionen ein und bedienen uns damit bereits existierender Strukturen zur Unterstützung verantwortungsvollen Forschens.

 

Umgang mit Dual-Use

Zur rechtskonformen Umsetzung der Vorgaben aus dem Außenwirtschaftsrecht hat Fraunhofer für alle Handlungen und Aktivitäten ein Exportkontroll-System etabliert, durch das unter Einbeziehung der Fraunhofer-Institute und Einrichtungen das Thema Dual Use zentral gesteuert wird. Dieses Exportkontroll-System soll Fraunhofer als weltweit vernetzte Organisation davor schützen, mit deutschen sowie europäischen außen- und sicherheitspolitischen Interessen in Konflikt zu geraten. Dies gilt im besonderen Maße bei der Ausfuhr hochwertiger Güter und Technologien, die als Dual-Use Güter zu klassifizieren sind. 

 

Verantwortungsbewusste Forschung auf breiter Ebene – Fraunhofer und TNO setzen gemeinsames Signal

Zusammen mit der niederländischen Organisation für Angewandte Naturwissenschaftliche Forschung TNO arbeitet die Fraunhofer-Gesellschaft im Rahmen eines EU-geförderten Projekts an der Verankerung verantwortungsbewusster Forschung in all ihren Dimensionen. Unter Federführung des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI startete im Juni 2016 das EU-Projekt Joining Efforts for Responsible Research and Innovation, kurz »JERRI«. Innerhalb der Projektlaufzeit von drei Jahren werden in beiden Organisationen Pilotaktivitäten in jeder der fünf Responsible Research and Innovation Dimensionen gestartet: Ethik, Gleichheit der Geschlechter, Open Access, Einbeziehung der Gesellschaft in Fragestellungen, Strategien und Tätigkeiten der Wissenschaft sowie wissenschaftliche Ausbildung. Ziel des Projekts ist es, die Transformation der Organisationen in verschiedenen Pilotaktivitäten zu initiieren und daraus Lerneffekte für weitere angewandte Forschungsorganisationen in Europa zu ermöglichen.