Fraunhofer-Glashütte

Willkommen in der Ausstellung in der Fraunhofer-Glashütte Benediktbeuern

Die historische Fraunhofer-Glashütte in Benediktbeuern.
© Fraunhofer / Markus Jürgens

In der historischen Fraunhofer-Glashütte Benediktbeuern treffen Geschichte und moderne Spitzenforschung aufeinander: Die Ausstellung spannt den Bogen vom Leben, Arbeiten und Werk Joseph von Fraunhofers bis hin zur heutigen Fraunhofer-Forschung.

Eine einfache Scheune, zwei Öfen und ein ambitionierter Handwerker mit Forschergeist: In der historischen Fraunhofer-Glashütte im Kloster Benediktbeuern schrieb der junge Joseph von Fraunhofer Wissenschaftsgeschichte. Hier arbeitete er fast 20 Jahre lang an besseren Gläsern, präziseren Linsen und optischen Instrumenten. 1814 entdeckte er an diesem Ort mit seinen selbst optimierten Fernrohren die dunklen Linien im Sonnenspektrum, die heute seinen Namen tragen: die Fraunhofer-Linien. Sie ermöglichten nicht nur wichtige Erkenntnisse in der Astronomie, sondern gelten auch als Grundlage der modernen Spektroskopie.

Nach schweren Schäden durch ein Unwetter im Jahr 2023 öffnete die Glashütte 2026 wieder ihre Türen – und wurde von der European Physical Society als Historic Site gewürdigt. Die neue Ausstellung gibt Einblicke in die Glasherstellung und optische Forschung des beginnenden 19. Jahrhunderts und macht erlebbar, warum Fraunhofers Ideen bis heute in der modernen Forschung weiterleben. 

Joseph von Fraunhofer: Handwerker, Forscher, Unternehmer

Gemälde von Joseph von Fraunhofer
© Deutsches Museum

Joseph von Fraunhofers Weg vom Waisenkind zum Wissenschaftler und erfolgreichen Unternehmer war geprägt von Neugier, Ausdauer und Eigeninitiative. Mit seinen optischen Pionierleistungen hat er uns die Sterne näher gebracht.

Vom Waisenkind zum Pionier der Optik

Joseph von Fraunhofer wurde 1787 in Straubing geboren und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Er verlor früh seine Eltern und kam als Jugendlicher nach München in die Lehre. Dort überlebte er knapp einen Hauseinsturz, was Kurfürst Maximilian auf ihn aufmerksam machte und den Grundstein für seine spätere Karriere legte. Später holte ihn sein Mentor Joseph Utzschneider nach Benediktbeuern. Im Februar 1809 gründete Utzschneider dort ein Optisches Institut, zu dessen Leiter und Teilhaber er den erst 21-jährigen Fraunhofer machte.

Was ihn besonders machte, war die Verbindung aus Handwerk, Wissenschaft und Unternehmergeist. Fraunhofer wollte nicht nur verstehen, wie Licht und Glas funktionieren. Er wollte aus diesem Wissen bessere Instrumente bauen – also Forschung in Anwendung überführen. Genau diese Haltung prägt bis heute das Selbstverständnis der Fraunhofer-Gesellschaft.

Die Fraunhofer-Linien und ihr Einfluss auf die Astronomie

Fraunhofer-Linien

Als Joseph von Fraunhofer mit seinen präzisen Fernrohren das Farbspektrum der Sonne untersuchte, sah er dunkle Linien, die er erstmal akkurat vermessen und dokumentieren konnte. Diese Fraunhofer-Linien sind wie Fingerabdrücke im Licht. Sie verraten uns, welche Elemente in der Sonne und anderen Sternen vorkommen, deren genaue Zusammensetzung, Temperaturen und selbst Bewegungen. Das Prinzip ist bis heute grundlegend für die Astronomie und legte die Grundlage für die moderne Spektroskopie und zur Astrophysik. Damit machte Fraunhofers Arbeit Fernrohre nicht nur besser – sie half auch dabei, Licht selbst zu einem wissenschaftlichen Werkzeug zu machen.

Wie aus Quarzsand, Feuer und Geduld Glas wird

Im Vergleich zu Fenster- oder anderen Gläsern war gutes optisches Glas zur Zeit Joseph von Fraunhofers alles andere als selbstverständlich. Schon kleinste Verunreinigungen, Schlieren oder Fehler konnten ein Bild verzerrt wiedergeben. Für Fernrohre, Messinstrumente und Linsen war das ein großes Problem. In der Glashütte Benediktbeuern arbeitete Fraunhofer daran, Glas hochwertiger und reiner zu machen, um damit in die Sterne zu schauen.
 

Der Glasherstellungsprozess »Vom Rohstoff zur Linse«
 

1. Die Rohstoffe

Hergestellt wurde Glas aus folgenden Bestandteilen:

  • Quarzsand war der Hauptbestandteil und Glasbildner.
  • Pottasche senkte als Flussmittel den Schmelzpunkt von Quarzsand und 
    anderen Rohstoffen. Daher war weniger Energie für das Schmelzen nötig. Zudem verbesserte sie Klarheit, Transparenz und Festigkeit des Glases. Ein Kilo Pottasche wird aus ca. zwei Raummeter/m3 Holz gewonnen.
  • Kalkpulver kam als Stabilisator und Härtungsmittel zum Einsatz
  •  Hinzu kamen weiteren Zutaten wie Aluminiumoxid und Calciumoxid

2. Schmelzen im Ofen

Die zwei Öfen der Glashütte wurden mit Holz aus den Wäldern rund um das Kloster beheizt. Die Schmelztemperatur lag bei 1300 °C.


3. Rühren der Glasschmelze

Besonders wichtig für die Herstellung von optischem Glas, und damals eine Neuheit, war das Rührwerk: Erfunden von Pierre-Louis Guinand und weiterentwickelt durch Joseph von Fraunhofer, machte es die Glasschmelze gleichmäßiger und verhinderte Schlieren. Der Rührstab aus Ton wurde in schwerer Handarbeit über ein Schwungrad betrieben. Je gleichmäßiger das Glas, desto klarer das Bild. Und desto weiter konnte der Mensch in den Himmel schauen.

4. Abkühlen und Tempern

War die Glasmasse fertig gerührt, muss sie sehr langsam abkühlen. Dafür wurde sie in den sogenannten Ramollier-Ofen gebracht. Dort blieb sie mehrere Wochen, um langsam und ohne Spannungen zu erstarren.

5.Schleifen und Polieren

Aus dem erkalteten großen Glasbrocken wurden kleinere Stücken gebrochen und zu hochwertigen Linsen und Prismen geschliffen und poliert.

Glasverarbeitung am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC

Fraunhofer-Forschung heute: Geschichte trifft Zukunft

Joseph von Fraunhofer wollte Dinge nicht nur verstehen. Er wollte sie so verbessern und einsetzen, dass daraus nützliche Anwendungen entstehen. Genau diese Verbindung aus Forschung und Praxis prägt die 1949 gegründete und nach ihm benannte Fraunhofer-Gesellschaft bis heute.
 

mehr Info

Service

Voraussichtliche Wiedereröffnung am 24.10.2026

Öffnungszeiten: täglich 09:00–16:00 Uhr, Eintritt frei

Anfahrt: Fraunhofer-Glashütte, Fraunhoferstraße 2, 83671 Benediktbeuern

Die historische Fraunhofer-Glashütte ist ein besonderer historischer Innenraum. Der Rundgang erfolgt in der Regel selbständig und ohne persönliche Begleitung. Die Ausstellung wird so barrierearm wie möglich gestaltet. Bitte beachten Sie dennoch unebene Bodenflächen, Schwellen, Glasflächen, Podeste und einzelne Engstellen.