Finanzen

Erträge in der Vertragsforschung 2016–2020

Die Vertragsforschung umfasst die Kerntätigkeiten von Fraunhofer und basiert gemäß dem Fraunhofer-Modell auf drei Säulen, die je rund ein Drittel zur Finanzierung beitragen:

  • Auftragsforschung für die Wirtschaft
  • öffentlich finanzierte Förderprojekte
  • grundfinanzierte Vorlaufforschung

Der Zuwendungsbedarf aus der Grundfinanzierung erhöhte sich 2020 coronabedingt um 13 Prozent auf 845 Mio €. Die Grundfinanzierung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und den Ländern im Verhältnis 90 : 10 bereitgestellt. Zusätzliche Fördermittel des Bundes zur Unterstützung der anwendungsorientierten Forschung für außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in Höhe von 195 Mio € ermöglichten im Rahmen des Kompetenzerhalts u. a. interne Förderprogramme für wertvolle Forschungsbeiträge zur Bewältigung der Corona-Pandemie. Einen deutlichen Rückgang gab es bei den Wirtschaftserträgen. Sie sanken krisenbedingt um 9 Prozent auf 658 Mio €. Dabei sanken die Erträge aus Aufträgen der Industrie um 9 Prozent auf 559 Mio € und die Lizenzerträge um 7 Prozent auf 99 Mio €.

Demgegenüber stiegen die öffentlichen Projekterträge deutlich an und waren eine wichtige Stütze in Krisenzeiten. Insbesondere die Projektförderung der Länder verzeichnete einen starken Aufwuchs um 22 Prozent auf 196 Mio €. Die Projektförderung des Bundes wuchs um 6 Prozent auf 485 Mio €. Die EU-Erträge nahmen hingegen leicht ab auf 92 Mio €. Mit der Beteiligung am Rahmenprogramm »Horizont 2020« gestaltet Fraunhofer den europäischen Wirtschafts- und Forschungsraum aktiv mit und nimmt in der Rangliste der Förderung der FuE-Einrichtungen kontinuierlich eine der vorderen Positionen – derzeit den 3. Platz – ein. Die sonstigen Erträge stiegen um 8 Prozent auf 122 Mio € und beinhalten u.a. Erträge von Stiftungen, Universitäten und anderen Einrichtungen der Forschungsförderung.

Der hohe Finanzierungsanteil extern eingeworbener Projekterträge ist ein Erfolgskriterium der Fraunhofer-Institute und ein Alleinstellungsmerkmal der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Projektfinanzierungsanteil ist daher eine wichtige Steuerungskennzahl und ein Indikator für einen ausgewogenen Finanzierungsmix in der Vertragsforschung. Er wird berechnet als Anteil der Projekterträge am Betriebshaushalt inkl. kalkulatorische Abschreibungen auf Investitionen (ohne anschubfinanzierte Einrichtungen und ohne Rücklagenveränderung). Das Wachstum der Nachfrage nach Fraunhofer-Leistungen und damit der externen Erträge war lange Zeit höher als die mögliche Steigerung der Grundfinanzierung. Durch eine einmalige und verstetigte Erhöhung der Grundfinanzierung 2017 gingen die Finanzierungsanteile in den darauffolgenden Jahren planmäßig zurück und lagen 2018 und 2019 wieder im Rahmen des Fraunhofer-Modells. Im Jahr 2020 ging der Projektfinanzierungsanteil aufgrund der Corona-Pandemie weiter zurück auf 65,5 Prozent. Durch den starken Anstieg der Erträge von Bund und Ländern erhöhte sich deren Finanzierungsanteil auf 28,6 Prozent. Der Anteil der Wirtschaftserträge sank dagegen krisenbedingt auf 27,9 Prozent. Die ausländischen Projektvolumina nahmen coronabedingt erstmals seit einigen Jahren um 7 Prozent auf 276 Mio € ( ohne Lizenzerträge) ab. Ihr Anteil an den gesamten Projekterträgen in der Vertragsforschung ging mit 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr leicht zurück. 33 Prozent der ausländischen Projektvolumina stammten aus EU-Fördermitteln, 40 Prozent von Kunden und Partnern in Europa und 27 Prozent wurden mit Kunden und Partnern außerhalb Europas generiert. Die in Europa erwirtschafteten Projektvolumina sanken um 7 Prozent auf 109 Mio €. Die Projektvolumina außerhalb Europas gingen um 11 Prozent auf 75 Mio € zurück. Die Schweiz blieb mit 29 Mio € der größte ausländische Markt, gefolgt von den USA mit 26 Mio € und Japan mit 17 Mio €.