Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2016

Digitalradio in Deutschland, Europa und der Welt – eine durch Fraunhofer getriebene Innovation wird zum weltweiten Erfolg

Um Digitalradio zum weltweiten Marktdurchbruch zu verhelfen, entwickelten Alexander Zink, Martin Speitel und Max Neuendorf Technologien für die gesamte Sendekette (v.l.n.r.).
© Foto Dirk Mahler/Fraunhofer

Um Digitalradio zum weltweiten Marktdurchbruch zu verhelfen, entwickelten Alexander Zink, Martin Speitel und Max Neuendorf Technologien für die gesamte Sendekette (v.l.n.r.)

Der digitale Rundfunk ist heute schon in vielen Teilen der Welt verbreitet. Für diesen Durchbruch waren umfangreiche und komplexe technische Entwicklungen nötig.

Seit vielen Jahren werden am Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS die grundlegenden Technologien für den Betrieb, die Ausstrahlung, den Empfang und die Wiedergabe digitaler Rundfunksignale von DAB (Digital Audio Broadcasting) und DRM (Digital Radio Mondiale) entwickelt. Dipl.-Ing. Alexander Zink MBA und Dipl.-Ing. Martin Speitel waren an der Systemdefinition und Einführung von Digitalradiostandards beteiligt und entwickelten zusammen mit anderen Mitarbeitenden des Instituts Technologien für die Sende- und Empfangsseite. Dipl.-Ing. Max Neuendorf zeichnet für die Entwicklung des Audiocodierverfahrens xHE-AAC verantwortlich, das die Grundlage für das Digitalradiosystem DRM bildet. Er trug entscheidend zur Vereinigung von Sprach- und Audiocodierung bei.

Digitalradio für die Welt

Mit Digitalradio gehören rauschende und knarzende Radiosendungen der Vergangenheit an. Durch neue Technologien des Fraunhofer IIS in Erlangen ersetzt es weltweit Kurz- und Mittelwellensender, und auch die lokale UKW Versorgung wird digital. Hörer erhalten einen klaren Empfang, mehr Programmvielfalt und per Datendienst zusätzliche Informationen – und das ohne kostenpflichtige Internetverbindung.

Alexander Zink: »Ich bin begeisterter Radionutzer«

Fraunhofer-Wissenschaftler Alexander Zink spricht über seinen Weg bei Fraunhofer und erklärt, warum jeder der einmal Digitalradio gehört hat kein klassisches analoges Radio mehr nutzen möchte.

Jurybegründung

Als einer der wohl letzten großen Bereiche wurde in den letzten Jahren auch der Rundfunk von Analog auf Digital umgestellt und digitaler Rundfunk ist heute in vielen Teilen der Welt verbreitet. Für diesen Durchbruch waren umfangreiche und komplexe technische Entwicklungen nötig um bei der Digitalisierung von Sprache und Musik optimale Hörergebnisse für das menschliche Ohr zu erreichen. Ein wesentlicher Aspekt für das Votum der Jury war die kontinuierliche Weiterentwicklung der Basistechnologie und das Besetzen von Standards in diesem Bereich. Über mehrere Jahre hinweg konnte das Fraunhofer IIS hier immer wieder Fortschritte und Durchbrüche erzielen.

Darüber hinaus bilden die ausgezeichneten Arbeiten die gesamte Prozesskette ab, von der Aufnahme bis zur Auslieferung der Audiodateien. Das vorbildliche Patentwesen und eine beispielhafte Lizenzierungsstrategie tragen bis heute zum wirtschaftlichen Erfolg des Instituts bei.

Nicht zuletzt überzeugte das Durchhaltevermögen der beteiligten Entwickler. Zwischen Erfindung und Innovation kann wie beim Beispiel Digitalradio durchaus eine lange Zeitspanne liegen. Aber gerade die lange Erfahrung und damit verbunden ausgewiesene Expertise machen aus Ideen erfolgreiche Innovationen.

Pate für die Abstimmung: Prof. Dr. Jörg Eberspächer, Emeritus der Technischen Universität München

Joseph-von-Fraunhofer-Preis

Seit 1978 verleiht die Fraunhofer-Gesellschaft jährlich Preise für herausragende wissenschaftliche Leistungen ihrer Mitarbeiter, die anwendungsnahe Probleme lösen. Mehr als 200 Forscherinnen und Forscher haben diesen Preis inzwischen gewonnen. In diesem Jahr werden drei Preise mit jeweils 50 000 Euro vergeben.