Joseph-von-Fraunhofer-Preis 2017

Telefonieren mit glasklarem Klang

EVS – Audiocodec für eine verbesserte Mobiltelefonie

EVS-Entwickler Markus Multrus, Guillaume Fuchs und Stefan Döhla (v.l.n.r). Der EVS Codec überträgt Sprache in glasklarer Qualität, damit hört sich ein Telefonat an wie ein Gespräch im selben Raum.
© Foto Piotr Banczerowski / Fraunhofer

EVS-Entwickler Markus Multrus, Guillaume Fuchs und Stefan Döhla (v.l.n.r). Der EVS Codec überträgt Sprache in glasklarer Qualität, damit hört sich ein Telefonat an wie ein Gespräch im selben Raum.

Smartphones sind wahre Alleskönner – die Sprachqualität ist jedoch nach wie vor recht dürftig. Ein neuer Codec lässt den Telefonpartner nun so natürlich klingen, als würde er neben einem stehen. Der Grund: Es wird erstmals das komplette hörbare Frequenzspektrum übertragen.

Die Stimme, die aus dem Handy ans Ohr dringt, klang bisher dumpf und alles andere als natürlich. Denn während die meisten Anwendungen von Smartphones große Entwicklungssprünge gemacht haben, verharrt die Sprachübertragung seit Jahren auf dem gleichen Stand. Der neue Standard Enhanced Voice Services, kurz EVS, hebt die Sprachqualität nun auf eine gänzlich neue Stufe. Man hört die Stimme des Telefonpartners so klar und natürlich wie im Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Angestoßen und entwickelt wurde der Codec vom internationalen Gremium für Mobilfunkstandardisierung 3rd Generation Partnership Project (3GPP).

Daran war auch ein großes Team um Stefan Döhla, Guillaume Fuchs und Markus Multrus vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Erlangen maßgeblich beteiligt. Der Clou: Während bisherige Codecs Tonsignale mit eingeschränktem Frequenzbereich übertragen – meist nur bis 3,4 Kilohertz – übermittelt EVS erstmals das komplette hörbare Frequenzspektrum bis zu 20 Kilohertz.

Mittlerweile ist der Codec standardisiert – in Japan, Korea, den USA und Deutschland wird EVS schon kommerziell eingesetzt. Schätzungen zufolge sind bereits 50 bis 100 Millionen Geräte mit EVS ausgerüstet.

Joseph-von-Fraunhofer-Preis

Seit 1978 verleiht die Fraunhofer-Gesellschaft jährlich die »Joseph-von-Fraunhofer-Preise« für herausragende wissenschaftliche Leistungen ihrer Forscherinnen und Forscher, die anwendungsnahe Probleme lösen. 
In diesem Jahr werden vier jeweils mit 50 000 Euro dotierte Preise vergeben.