Ausstellung  /  01. Oktober 2020  -  18. Dezember 2020

Ausstellung »Shaping Bioeconomy«

Zum Tag der Bioökonomie wird im Fraunhofer-Forum Berlin auch die Ausstellung »Shaping Bioeconomy« eröffnet. Hier werden ideenreiche Innovationen verschiedener Fraunhofer-Institute präsentiert, die den Weg in eine nachhaltige, biobasierte Wirtschaft weisen. Kompostierbare Knochenschienen, Naturkautschuk aus Löwenzahn oder Algen, die es in sich haben – die Ausstellung zeigt Überraschendes und Wissenswertes rund um die bioökonomische Forschung und ist montags bis freitags von 8.00 bis 18.00 Uhr zu sehen. Die Schau ist kostenlos und für die Öffentlichkeit frei zugänglich.

Innovationen für eine zukunftsfähige Wirtschaft

Bioökonomie umfasst zum einen die Erzeugung und Nutzung biologischer Ressourcen mit dem Ziel der Transformation fossilbasierter Wirtschaftssysteme. Zum anderen ist Bioökonomie aber auch das Wissen, auf dessen Grundlage eine biobasierte, ressourceneffiziente und kreislauforientierte Wirtschaft solide wachsen kann. Damit ist die Bioökonomie eines der wichtigsten Elemente des gesellschaftlichen Wandels hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise. Die Fraunhofer-Gesellschaft verbindet im Bereich Bioökonomie die Kompetenz aus Forschung und Wissenschaft mit dem Know-how praktischer Anwendungen – und ist so ein Motor für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele unserer Gesellschaft.

Weitere Informationen, Kontakt und Anfahrt unter www.forum.fraunhofer.de

 

Exponate

Knochenschiene RECAST

Die Schiene zum Ruhigstellen von Knochenbrüchen ist biobasiert, kompostierbar und kann während der Behandlung mehrfach nachgeformt werden. Für die Patienten ist sie in erster Linie deutlich bequemer und leichter. Entwickelt wurde die Biokunststoff-Rezeptur vom Potsdamer Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP für die Firma Nölle Kunststofftechnik GmbH. Der biobasierte Kunststoff Polymilchsäure – kurz PLA – macht herkömmliche Methoden überflüssig, durch die derzeit noch 150 Tonnen Müll pro Jahr entstehen, denn PLA kann biologisch abgebaut werden.

Synthesekautschuk BISYKA

Wie lässt sich die Versorgung mit Kautschuk für Autoreifen sicherstellen – und das ohne die ökologischen Probleme durch Kautschuk-Monokulturen? Diese Frage haben Forscherinnen und Forscher an den fünf Fraunhofer-Instituten IAP (Pilotanlagenzentrum) IMWS, IME, ISC und IWM im Projekt BISYKA beantwortet. Das Ergebnis ist eine Lösung, die fasziniert: Der biomimetische Synthesekautschuk BISYKA, der nach dem Vorbild des Kautschuks aus Löwenzahn entstand, erzeugt als weltweit erster künstlicher Kautschuk 30 bis 50 Prozent weniger Abrieb als Naturkautschuk und eignet sich hervorragend für den Einsatz als Lkw-Reifen.

TARAXAGUM – Naturkautschuk aus Löwenzahn

Zunächst stieß die Idee des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, Naturkautschuk aus Löwenzahn zu gewinnen, auf Unverständnis. Doch schnell wurde klar: Es funktioniert! Der Bedarf ist groß – schließlich wird Kautschuk, Bestandteil hochwertigen Gummis etwa für Fahrradreifen, bislang aus tropischen Bäumen gewonnen, deren Anbau ökologische Schäden verursacht. Als Alternative hierzu erzeugten Forscherinnen und Forscher der Fraunhofer-Gesellschaft aus Wildsorten des Russischen Löwenzahns hochwertigen Kautschuk, der die Umwandlung von Regenwäldern in Monokulturen verhindert und zur Reduzierung des Treibhauseffekts beiträgt.

Recycling von Altholz und WPC

Die wiederholte Nutzung des wertvollen Rohstoffs Holz und von Holz-Polymer-Werkstoffen (kurz: Wood-Plastic Composites, WPC) – nimmt einen immer größeren Stellenwert ein. Hierzu entwickelt das Fraunhofer-Institut für Holzforschung, Wilhelm-Klauditz-Institut, WKI neue Detektions- und Sortiertechniken – und neue Upcycling-Produkte. Im Gegensatz zu den klassischen Holzwerkstoffen wie Span- und Faserplatten können WPC thermoplastisch verarbeitet werden. Als vorteilhaft erweist sich, dass WPC mit recycelten Thermoplasten oder Biokunststoffen extrudiert werden und damit Produkte auf der Basis von juvenilen Kunststoffen substituieren können. Dies schont die verbleibenden Öl-Ressourcen – und ist somit ein relevanter Beitrag zu einer nachhaltigen, grünen Kreislaufwirtschaft.

Nährstoffrückgewinnung

Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor, Kalium oder Kalzium sind für das Wachstum aller Lebewesen von essenzieller Wichtigkeit. Die Forscherinnen und Forscher am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB verbinden traditionell Biologie und Technik – und haben Technologien zur Rückgewinnung von Nährstoffen aus Abwasser und aus biogenen Reststoffen entwickelt. Dabei lassen sich die neu gewonnenen Nährstoffe und Bodenverbesserer als vollwertige Produkte in verschiedenen Bereichen der Landwirtschaft einsetzen.

Mikroalgen – nachhaltige Lieferanten für funktionelle Nahrungs- und Nahrungsergänzungsmittel

Funktionelle Inhaltsstoffe aus Mikroalgen für die Ernährung

Um eine Vielzahl chemischer Grundstoffe zu produzieren, brauchen Mikroalgen nichts weiter als Licht, CO2 und mineralische Nährstoffe. Manche Algen liefern natürliche Farbstoffe oder wertvolle Fettsäuren, die sich aufgrund ihrer gesundheitsfördernden Eigenschaften als funktionelle Zutaten für gesunde Lebensmittel oder zur Nahrungsergänzung einsetzen lassen. Das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB entwickelt Technologien und Verfahren, um Algen wirtschaftlich zu kultivieren und die wertvollen Inhaltsstoffe effizient extrahieren sowie aufreinigen zu können.

Skalierung bis zum industriellen Maßstab / Scale-up von Verfahren im Fraunhofer CBP

Zur effizienten stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe sind neue skalierbare Verfahren erforderlich. Das Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP in Leuna schließt die Lücke zwischen Labor und industrieller Umsetzung: Durch die Bereitstellung von Infrastruktur und Technikumsanlagen ermöglicht es Partnern aus Forschung und Industrie, biotechnologische und chemische Prozesse bis in produktrelevante Dimensionen zu entwickeln und zu skalieren.