Wissenschaft und Kunst im Dialog: Wasser – Ressource des Lebens

Wissenschaft und Kunst – auf den ersten Blick getrennte Welten. Beide ergänzen sich jedoch. Der Mensch und das Leben stehen im Mittelpunkt, genauso wie Neugier, Kreativität und Perspektivenwechsel. Die Fraunhofer-Gesellschaft lädt ein zu einem Dialog zwischen Labor und Atelier: Am 13. März 2017 im Fraunhofer-Haus in München

Bewuchsfreie Schiffsrümpfe

An Schiffrümpfen und Offshore-Windanlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an. Dieses Biofouling verursacht jedes Jahr wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Es verringert nicht nur die Lebensdauer der technischen Anlagen und Materialien, sondern führt zu Energieverlusten und Stillstandzeiten durch zusätzliche Wartungen. Gefragt sind langlebige und umweltfreundliche Antifouling-Beschichtungssysteme. Solche biozidfreien Schiffsbeschichtungen entwickeln Fraunhofer-Wissenschaftler gemeinsam mit Partnern.

Aquakulturen

Die Zucht von Fischen, Algen und anderen marinen Organismen in Aquakulturanlagen wird in Zukunft die klassische Landwirtschaft ergänzen. Als besonders zukunftsfähig haben sich integrierte multitrophische Aquakulturanlagen erwiesen, in denen Fische, Muscheln und Algen in einem gemeinsamen System leben. Zuchtanlagen für Seetiere werden zunehmend an Land verlegt. Denn onshore lassen sich viele Probleme leichter bewältigen als offshore. Mit neuen Haltungstechnologien, Monitoring-Methoden und Ansätzen für die Reproduktion und Larvenaufzucht tragen Fraunhofer-Forscher dazu bei, dass unabhängig von Wildfängen immer frischer Fisch auf den Tisch kommt.

Wasser als Lebensraum

Mikroalgen sind wahre Tausendsassas: Um eine natürliche Pigmente, Vitamine oder wertvolle Fettsäuren zu produzieren, brauchen sie nichts weiter als Sonnenlicht, Kohlenstoffdioxid und mineralische Nährstoffe. Fischen wie Hering, Makrele, Lachs und Thunfisch dienen sie als Nahrung und versorgen diese so mit mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren. Das Fraunhofer IGB entwickelt Prozesse für eine wirtschaftliche Kultivierung von Mikroalgen in einem eigens entwickelten Plattenreaktor. Dabei kommen auch Abwasserströme zum Einsatz, die anorganische Nährstoffe wie Ammonium und Phosphat enthalten. So können Wasserkreisläufe geschlossen und der Frischwasserverbrauch verringert werden.

Maritime Forschungsthemen

Die Weltmeere zu erkunden und nachhaltig zu nutzen ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wissenschaftler bei Fraunhofer entwickeln die dafür nötigen Technologien. Das Spektrum erstreckt sich von Unterwasser-Fahrzeugen und unbemannter Schifffahrt über Systemtechnik und Visual Computing, Sensork, Simulation und Messtechnik bis hin zur Nutzung von Algen und Aquakulturen.

Wissenschaft und Kunst im Dialog: Wasser – Ressource des Lebens

In der Wissenschaft wie in der Kunst geht es darum, neue Ansätze aufzuzeigen, Zusammenhänge zu erkennen und neue Ideen zu entwickeln. In beiden Disziplinen ist der Weg zur Erkenntnis nicht immer geradlinig und das Ziel oft nicht direkt erreichbar. In dieser Veranstaltungsreihe gehen Vertreter aus Wissenschaft und Kunst in einen Dialog, der die Symbiose beider Disziplinen verdeutlicht. Im Fokus der Veranstaltung stehen vielfältige wie innovative Projekte rund um unsere Lebensgrundlage Wasser. Zur Eröffnung der Ausstellung tauschen sich Fraunhofer-Wissenschaftler und der Künstler Stefan Wischnewski über das Thema aus, das uns alle betrifft: Wie können wir die Ressource Wasser und die Ozeane effizient nutzen und zugleich schützen? Das Gespräch moderieren wird Alexander Lucas, freier Mitarbeiter des Deutschen Museums.

Wasser – Ressource des Lebens

Am 13. März 2017, 18 Uhr

Fraunhofer-Haus (Foyer)
Hansastraße 27c, München


 

Impulsvortrag | Prof. Dr. Reimund Neugebauer
Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

 

Im Dialog | Vertreter aus Wissenschaft und Kunst

  • Dipl.-Des. Sven Wüstenhagen | Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

  • Prof. Dr. Charli Kruse | Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik EMB

  • Dr.-Ing. Ursula Schließmann | Fraunhofer-Institut für Grenzflächen und Bioverfahrenstechnik IGB, Abteilungsleiterin Umweltbiotechnologie und Bioverfahrenstechnik

  • Stefan Wischnewski | Bildender Künstler
    Schwebende Objekte im Raum aus maritimen Hightech-Materialien eröffnen überraschende Sichtweisen und Assoziationen
     

Moderation | Alexander Lucas | Infotainer, Deutsches Museum

Schirmherrschaft l Dr. Gabriele Neugebauer

Veranstalter
Fraunhofer-Gesellschaft e.V.
Konzeption/Organisation | Dorothée Veronesi | Fraunhofer-Gesellschaft, Strategische Kommunikation 

Maritime Forschungsthemen bei Fraunhofer

An Schiffrümpfen und Offshore-Wind-Anlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an.
© Foto Fotolia

Biofouling: An Schiffrümpfen und Offshore-Wind-Anlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an.

Bewuchsfreie Schiffsrümpfe

An Schiffsrümpfen und Offshore-Windanlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an. Dieses Biofouling verursacht jedes Jahr wirtschaftliche Schäden in enormer Höhe. Es verringert nicht nur die Lebensdauer der technischen Anlagen und Materialien, sondern führt auch zu Stillstandzeiten durch zusätzliche Wartung. Vor allem aber erhöht es den Treibstoffverbrauch von Schiffen, weil durch den Bewuchs unter Wasser der Strömungswiderstand erheblich steigt. Gefragt sind deshalb langlebige und umweltfreundliche Antifouling-Beschichtungssysteme. Solche biozidfreien Schiffsbeschichtungen entwickeln Fraunhofer-Wissenschaftler.

Dipl.-Des. Sven Wüstenhagen, Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Sven Wüstenhagen ist Industriedesigner und arbeitet in der Gruppe Naturstoffkomposite im Geschäftsfeld Biologische und Makromolekulare Materialien am Fraunhofer IMWS. Er ist Mitglied im Vorstand der SYN Stiftung | Kunst Design Wissenschaft. Während seines Studiums Industriedesign an der »Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle« spezialisierte er sich auf die Erschließung zukunftstauglicher Anwendungsfelder für Leichtbauweisen unter Nutzung  neuer Materialien. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Natur- und Geisteswissenschaftlern reicht von naturfaserverstärkten Kunststoffen für das Luftfahrtinterieur, über leichte elektrische Fahrzeuge für die Paketzustellung auf der »letzen Meile«, bis zur »re-produktiven Stadt«.

Fischschwarm
© Foto Shutterstock

Aquakulturen: Die Zucht von Fischen, Algen und anderen marinen Organismen in Aquakulturanlagen wird in Zukunft die klassische Landwirtschaft ergänzen.

Aquakulturen

In der multitrophischen Aquakultur wird das nährstoffreiche Abwasser der Fischbecken für die Kultivierung von Muscheln und Algen genutzt. Die so gewonnene Algenbiomasse kann als Ausgangsstoff für viele Substanzen dienen, seien es Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika oder medizinische Wirkstofe: Ihr biotechnologisches und wirtschaftliches Potenzial ist riesig und bisher wenig erforscht. 

Die Zucht von Fischen, Algen und anderenmarinen Organismen in Aquakulturanlagen wird in Zukunft die klassische Landwirtschaft ergänzen. Als besonders zukunftsfähig haben sich integrierte multitrophische Aquakulturanlagen erwiesen, in denen Fische, Muscheln und Algen in einem gemeinsamen System leben. Zuchtanlagen für Seetiere werden zunehmend an Land verlegt. Onshore lassen sich viele Probleme leichter bewältigen als offshore. 

Prof. Dr. Charli Kruse, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik EMB

Professor Kruse ist Biologe und leitete von Beginn an zuerst die Fraunhofer IBMT-Arbeitsgruppe in Lübeck, aus der dann die Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie und Zelltechnik EMB hervorgegangen ist. Er wechselte als Leiter der Arbeitsgruppe »Intrazelluläre Transporte« vom Institut für Medizinische Molekularbiologie der Universität zu Lübeck zur Fraunhofer-Gesellschaft. Er ist Mitglied der Sektionen Informatik/Technik und Naturwissenschaften sowie der Sektion Medizin der Universität zu Lübeck. Professor Kruse studierte Marine Ökologie und promovierte 1993 auf dem Gebiet der Fischphysiologie. Im Jahre 2000 habilitierte er sich in dem Fachgebiet Molekulare Biologie und vertritt in der Lehre das Fach Zellbiologie.

Mikroalgen
© Foto Fraunhofer IGB

Mikroalgen

Wasser als Lebensraum

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel und gleichzeitig ist es auch ein gutes Lösemittel für Nährstoffe, die etwa in der Landwirtschaft oder bei der Züchtung von Algen benötigt werden. Über den globalen Wasserkreislauf werden aber auch Verunreinigungen wie hormonelle oder toxische Spurenstoffe, Mikroplastik oder Krankheitserreger verbreitet.

Im Mittelpunkt der Forschung und Entwicklung stehen deshalb neue Ansätze und Konzepte für das Energie-, Abfall- und Wassermanagement. Als Vorbild dienen dabei die Vernetzung und die Kreisläufe in der Natur. Auf technischer Ebene werden beispielsweise biologische Prozesse im Bereich der Mikroorganismen mit ihrer abgestimmten »Teamarbeit« antizipiert und umgesetzt. Die neuen Konzepte könnten in Zukunft vor allem in Industrie, Landwirtschaft und Kommunen zum Einsatz kommen.

Dr.-Ing. Ursula Schließmann, Leiterin der Abteilung Umweltbiotechnologie und Bioverfahrenstechnik am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB

Dr. Ursula Schließmann leitet seit 2011 die Abteilung Umweltbiotechnologie und Bioverfahrenstechnik am Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB. Seit 1995 am Fraunhofer IGB, entwickelte sie verfahrenstechnische Prozesse und Apparate im Bereich Membrantechnik zur Produktaufarbeitung und zur Reinigung von Prozess- und Abwässern. 2006 baute sie die Arbeitsgruppe Bioenergie und Schlammmanagement auf. 2013 gründete sie parallel am Institut für Grenzflächenverfahrenstechnik und Plasmatechnologie IGVP der Universität Stuttgart die Gruppe Grenzflächenverfahrenstechnische Prozesse. Frau Dr. Schließmann studierte Verfahrenstechnik und promovierte auf dem Gebiet der Membrantechnik zur Produktaufarbeitung im Lebensmittelbereich. Sie lehrt an der Universität Stuttgart die Themenbereiche »Biologische und chemische Verfahrenstechnik zur Verwertung von Biomassen, Reststoffen und Abwässern«. Unter anderem ist Frau Dr. Schließmann Vorstandsmitglied bei German Water Partnership e.V. und als Mitglied des Strategiekreises trug sie zur Entwicklung der Bioökonomiestrategie des Landes Baden-Württemberg bei.  

Rauminstallation »Schwarm«

 Kunstobjekt "Schwarm" von Stefan Wischnewski: Rauminstallation aus Reusen
© Foto Matthias Heyde

Stefan Wischnewski l  Bildender Künstler

Der 1974 geborene Künstler hat allein durch seinen Geburtsort im Norden Deutschlands eine hohe Affinität zu Meeren und Ozeanen, die sich häufig motivisch in Form von Ankern und Bojen ausdrücktund Assoziationen an maritime Forschungskontexte weckt. Das Besondere an der Arbeit des vielfach  ausgezeichneten Künstlers ist sein ausgeprägtes Interesse an textilen Materialien und derenüberraschende Transformation in künstlerische Objekte und Rauminstallationen. 

Wischnewski hat an der Münchner Akademie der Bildenden Künste Bildhauerei bei Prof. James Reineking studiert und war Meisterschüler. Seit 2013 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bildende Kunst Prof. Tina Haase der TU München und leitet zahlreiche Workshops. 

Ein flirrendes Geflecht aus Reusen, das wie ein lebender Schwarm über dem Betrachter schwebt. Ein schwarzes Schirmgestell, von Netzen umhüllt, einem Anker gleich, der sich aufzulösen scheint – mit Objekten wie diesen demonstriert der Künstler Stefan Wischnewski nicht nur sein Interesse für Meer und Küste, sondern auch seine Sorge um den Zustand der Weltmeere. Er arbeitet gerne mit klassischen Materialien und verwandelt diese auf oftmals überraschende Weise in Kunstobjekte, die zum Nachdenken und Assoziieren einladen.

Die ökologischen Themen, die viele Künstlerinnen und Künstler in ihren Werken verarbeiten, machen sie zum idealen Gesprächspartner für Forscher und Wissenschaftler. Denn die kreative Auseinandersetzung mit einer Idee oder einem Thema führt oft zu neuen Sichtweisen.

Wissenschaft und Kunst im Dialog

Ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane

Für die angewandte Forschung ist ein intensiver Diskurs unverzichtbar. Die Arbeit von Fraunhofer wird von Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit mitgetragen und die Ergebnisse sollen für alle Nutzen bringen. Der Mensch steht dabei immer im Mittelpunkt.


Maritime Forschungsthemen bei Fraunhofer

Weltmeere zu erkunden und nachhaltig zu nutzen ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wissenschaftler bei Fraunhofer entwickeln die dafür notwendigen Technologien. Das Spektrum erstreckt sich von Unterwasserfahrzeugen und unbemannter Schifffahrt über Systemtechnik und Visual Computing, Sensorik, Simulation und Messtechnik bis hin zur Nutzung von Algen und Aqua-Kulturen.

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Wissenschaft und Kunst – Unsere Motivation

»Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt – die Kunst ihre Seele«
Maxim Gorki

Für die angewandte Forschung ist eine intensive Kommunikation unabdingbar. Unsere Arbeit wird von Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit mitgetragen und die Ergebnisse sollen für alle Nutzen bringen.

Das ist der Grund warum wir das  Münchner Fraunhofer-Haus als einen Ort der Begegnung konzipiert haben. Der Austausch zwischen den Mitarbeitenden soll genauso gefördert werden, wie der zwischen Fraunhofer und der Öffentlichkeit.

Dafür steht die Reihe Wissenschaft und Kunst. Eine Veranstaltungsreihe, die den Dialog zwischen Kreativität und Wissenschaft ermöglicht und seit mehr als zehn Jahren seinen Platz im Münchner Fraunhofer-Haus hat.

Die intensive und kreative Auseinandersetzung mit einer Idee, einer Fragestellung oder einem übergeordneten Thema führt oft zu neuen Sichtweisen und faszinierenden Ergebnissen. Eine Erfahrung, die Forscher und Künstler in ihrem Schaffen eint.

Katalog Ausstellungen im Fraunhofer-Haus München 2003 – 2014

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