Wissenschaft und Kunst im Dialog – Unsere Meere und Ozeane

Wissenschaft und Kunst – auf den ersten Blick getrennte Welten. Beide ergänzen sich jedoch. Der Mensch und das Leben stehen im Mittelpunkt, genauso wie Neugier, Kreativität und Perspektivenwechsel. Die neue Veranstaltungsreihe der Fraunhofer-Gesellschaft lädt ein, zu einem Dialog zwischen Labor und Atelier: 6. Juni 2016, Fraunhofer-Forum Berlin

Maritime Forschungsthemen

Die Weltmeere zu erkunden und nachhaltig zu nutzen ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wissenschaftler bei Fraunhofer entwickeln die dafür nötigen Technologien. Das Spektrum erstreckt sich von Unterwasser-Fahrzeugen und unbemannter Schifffahrt über Systemtechnik und Visual Computing, Sensork, Simulation und Messtechnik bis hin zur Nutzung von Algen und Aquakulturen.

Bewuchsfreie Schiffsrümpfe

An Schiffrümpfen und Offshore-Windanlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an. Dieses Biofouling verursacht jedes Jahr wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe. Es verringert nicht nur die Lebensdauer der technischen Anlagen und Materialien, sondern führt zu Energieverlusten und Stillstandzeiten durch zusätzliche Wartungen. Gefragt sind langlebige und umweltfreundliche Antifouling-Beschichtungssysteme. Solche biozidfreien Schiffsbeschichtungen entwickeln Fraunhofer-Wissenschaftler gemeinsam mit Partnern.

Aqua-Kulturen

Die Zucht von Fischen, Algen und anderen marinen Organismen in Aqua-Kulturanlagen wird in Zukunft die klassische Landwirtschaft ergänzen. Als besonders zukunftsfähig haben sich integrierte multitrophische Aqua-Kulturanlagen erwiesen, in denen Fische, Muscheln und Algen in einem gemeinsamen System leben. Zuchtanlagen für Seetiere werden zunehmend an Land verlegt. Denn onshore lassen sich viele Probleme leichter bewältigen als offshore. Mit neuen Haltungstechnologien, Monitoring-Methoden und Ansätzen für die Reproduktion und Larvenaufzucht tragen Fraunhofer-Forscher dazu bei, dass unabhängig von Wildfängen immer frischer Fisch auf den Tisch kommt.

Wissenschaft und Kunst im Dialog

Unsere Meere und Ozeane

Ein Beitrag zum Wissenschaftsjahr 2016*17

Für die angewandte Forschung ist ein intensiver Diskurs unverzichtbar. Die Arbeit von Fraunhofer wird von Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit mitgetragen und die Ergebnisse sollen für alle Nutzen bringen. Der Mensch steht dabei immer im Mittelpunkt.

In der Wissenschaft wie in der Kunst geht es darum, neue Ansätze aufzuzeigen, Zusammenhänge zu erkennen und neue Ideen zu entwickeln. In beiden Disziplinen ist der Weg zur Erkenntnis nicht immer geradlinig und das Ziel oft nicht direkt erreichbar. In der neuen Veranstaltungsreihe gehen Vertreter aus Wissenschaft und Kunst in einen Dialog, der die Symbiose beider Disziplinen verdeutlicht. Im Fokus der Veranstaltung stehen vielfältige wie innovative Projekte zum Thema Meere und Ozeane.

Weltmeere zu erkunden und nachhaltig zu nutzen ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Wissenschaftler bei Fraunhofer entwickeln die dafür notwendigen Technologien. Das Spektrum erstreckt sich von Unterwasserfahrzeugen und unbemannter Schifffahrt über Systemtechnik und Visual Computing, Sensorik, Simulation und Messtechnik bis hin zur Nutzung von Algen und Aqua-Kulturen.

Berlin, 6. Juni 2016

Fraunhofer-Forum, Spree-Palais (Foyer), Anna- Louisa-Karsch-Straße 2, 10178 Berlin
6. Juni 2016, 18.00 Uhr

Impulsvortrag l Prof. Dr. Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft

 

Im Dialog | Vertreter aus Kunst, Kultur und Wissenschaft

  • Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn l Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS
    Ressourceneffizienz - nachhaltige Lösungen für den Schiffsbau

  • Prof. Dr. Charli Kruse l Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie EMB
    Blaue Biotechnologie – Rohstoffe aus dem Meer

  • Dr. Elisabeth Hartung l Kunstwissenschaftlerin
    Als Brückenbauerin zwischen unterschiedlichen Welten vermittelt sie zwischen Kunst und Wissenschaft

  • Stefan Wischnewski l Bildender Künstler
    Schwebende Objekte im Raum aus maritimen High-Tech-Materialien eröffnen überraschende Sichtweisen und Assoziationen
     

Moderation l Sigrid Brinkmann l Deutschland Radio Kultur

Kalle Laar l Soundkünstler | Musik und Klänge zum Thema Wasser und Ozeane aus dem »Temporären Klangmuseum«


Schirmherrschaft l Dr.-Ing. Gabriele Neugebauer 

Veranstalter
Fraunhofer-Gesellschaft e.V.
Dorothée Veronesi | Strategische Kommunikation | München
Dr. Patrick Dieckhoff | Leiter Hauptstadtbüro | Berlin

Maritime Forschungsthemen

An Schiffrümpfen und Offshore-Wind-Anlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an.
© Foto Fotolia

Biofouling: An Schiffrümpfen und Offshore-Wind-Anlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an.

Bewuchsfreie Schiffsrümpfe

An Schiffsrümpfen und Offshore-Windanlagen siedeln sich gerne Algen, Muscheln und Seepocken an. Dieses Biofouling verursacht jedes Jahr wirtschaftliche Schäden in enormer Höhe. Es verringert nicht nur die Lebensdauer der technischen Anlagen und Materialien, sondern führt auch zu Stillstandzeiten durch zusätzliche Wartung. Vor allem aber erhöht es den Treibstoffverbrauch von Schiffen, weil durch den Bewuchs unter Wasser der Strömungswiderstand erheblich steigt. Gefragt sind deshalb langlebige und umweltfreundliche Antifouling-Beschichtungssysteme. Solche biozidfreien Schiffsbeschichtungen entwickeln Fraunhofer-Wissenschaftler.

Die Technologie basiert auf einem Lacksystem aus mehreren Schichten, das Strom leiten kann. Voraussetzung dafür ist eine Anpassung der Mikrostruktur der eingesetzten Materialien. Das Know-how über die kleinste Ebene der Werkstoffe wird am Fraunhofer IMWS in Halle beispielsweise auch genutzt, um leichte und extrem robuste faserverstärkte Kunststoffe zu optimieren, die etwa für den Bau von Booten verwendet werden, oder besonders haltbare Membranen zu entwickeln, die bei der Meerwasserentsalzung zum Einsatz kommen.

Prof. Dr. Ralf B. Wehrspohn, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS

Das Miteinander von Wissenschaft, Kunst und Design ist Prof. Wehrspohn ein besonderes Anliegen. So ist er als Kurator der 2009 gegründeten »SYN-Stiftung | Kunst Design Wissenschaft« tätig. Die Stiftung betrachtet die Schnittstellen der Disziplinen als Gestaltungspotenzial und unterstützt ihre Zusammenarbeit in modellhaften Kultur- und Bildungsprojekten. Das Fraunhofer IMWS vergibt zudem den Fraunhofer-Materialpreis, der es Künstlern aus Mitteldeutschland ermöglicht, am Institut drei Monate lang mit innovativen Werkstoffen zu arbeiten und dabei im interdisziplinären Austausch mit Wissenschaftlern kreative Lösungen zu finden.

Fischschwarm
© Foto Shutterstock

Aquakulturen: Die Zucht von fischen, algen und anderen marinen Organismen in Aquakulturanlagen wird in Zukunft die klassische Landwirtschaft ergänzen.

Aqua-Kulturen

In der multitrophischen Aqua-Kultur wird das nährstoffreiche Abwasser der Fischbecken für die Kultivierung von Muscheln und Algen genutzt. Die so gewonnene Algenbiomasse kann als Ausgangsstoff für viele Substanzen dienen, seien es Nahrungsergänzungsmittel, Kosmetika oder Biodiesel: Ihr biotechnologisches und wirtschaftliches Potenzial ist riesig und bisher wenig erforscht.

Die Zucht von Fischen, Algen und anderen marinen Organismen in Aqua-Kulturanlagen wird in Zukunft die klassische Landwirtschaft ergänzen. Als besonders zukunftsfähig haben sich integrierte multitrophische Aqua-Kulturanlagen erwiesen, in denen Fische, Muscheln und Algen in einem gemeinsamen System leben. Zuchtanlagen für Seetiere werden zunehmend an Land verlegt. Denn onshore lassen sich viele Probleme leichter bewältigen als offshore. Mit neuen Haltungstechnologien, Monitoring-Methoden und Ansätzen für die Reproduktion und Larvenaufzucht tragen Fraunhofer-Forscher dazu bei, dass unabhängig von Wildfängen immer frischer Fisch auf den Tisch kommt.

Prof. Dr. Charli Kruse, Leiter der Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie EMB

Professor Kruse ist Biologe und leitete von Beginn an zuerst die Fraunhofer IBMT-Arbeitsgruppe in Lübeck, aus der dann die Fraunhofer-Einrichtung für Marine Biotechnologie EMB hervorgegangen ist. Er wechselte als Leiter der Arbeitsgruppe »Intrazelluläre Transporte« vom Institut für Medizinische Molekularbiologie der Universität zu Lübeck zur Fraunhofer-Gesellschaft. Er ist Mitglied der Sektionen Informatik/Technik und Naturwissenschaften sowie der Sektion Medizin der Universität zu Lübeck. Professor Kruse studierte Marine Ökologie und promovierte 1993 auf dem Gebiet der Fischphysiologie. Im Jahre 2000 habilitierte er sich in dem Fachgebiet Molekulare Biologie und vertritt in der Lehre das Fach Zellbiologie.

Dr. phil. Elisabeth Hartung l Kunstwissenschaftlerin und Kulturmanagerin 

»Mein berufliches Selbstverständnis ist das einer Brückenbauerin zwischen verschiedenen Welten – zwischen der Kunst und der Wirtschaft, der Öffentlichkeit, der Gesellschaft und zwischen unterschiedlichen Disziplinen«, so die Kunstwissenschaftlerin und Kulturmanagerin. Das Faszinierende an der Kunst ist für sie deren Mut, ihr freies Denken und ihre Sinnlichkeit – genau damit ermöglicht sie neue Erkenntnisse über die Welt und eröffnet Visionen.

Elisabeth Hartung promovierte mit der These Kunst als Ethnographie der eigenen Kultur zu denken und untersuchte die Aneignung wissenschaftlicher und ethnographischer Methoden in der Kunst. In ihrer praktischen Arbeit als Kuratorin erschließt sie das Potential des sinnlichen Erkenntnismediums Kunst in konkreten Projekten. Sie berät Unternehmen und Institutionen und ist in leitenden Positionen mit den Schwerpunkten inhaltliche Konzeption und strategische Weiterentwicklung von München aus tätig.

Stefan Wischnewski l  Bildender Künstler

Der 1974 geborene Künstler hat allein durch seinen Geburtsort im Norden Deutschlands eine hohe Affinität zu Meeren und Ozeanen, die sich häufig motivisch in Form von Ankern und Bojen ausdrückt und Assoziationen an maritime Forschungskontexte weckt. Das Besondere an der Arbeit des vielfach ausgezeichneten Künstlers ist sein ausgeprägtes Interesse an textilen Materialien und deren überraschende Transformation in künstlerische Objekte und Rauminstallationen. Mit Neugier und Präzision testet und erforscht er neue Materialien und entlockt ihnen im Gestaltungsprozess poetische Qualitäten voller Doppeldeutigkeiten. Seine Kunst regt an zu hinterfragen, was vermeintlich eindeutig ist und bekannte Phänomene aus ganz neuen Blickwinkeln zu betrachten. Der Gewinn ist, Neues in unserer Welt zu entdecken, die wie die Ozeane nur zum Bruchteil erforscht sind und noch viel Raum für Phantasie und neue Erkenntnisse bietet.

Die Arbeiten des in München lebenden Künstlers sind in zahlreichen Ausstellungen präsent. Er hat an der Münchner Akademie der Bildenden Künste Bildhauerei bei Prof. James Reineking studiert und war Meisterschüler. Seit 2013 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Bildende Kunst Prof. Tina Haase der TU München und leitet zahlreiche Workshops.

Wischnewski entwickelt speziell für die Ausstellung in Berlin eine Rauminstallation zum Thema Meere und Ozeane. Unterschiedlich bearbeitete Reusen, die als eine verdichtete Masse eine abstrakte Skulptur ergeben und im Raum zu schweben scheinen. Der SCHWARM – eine flimmernde, flirrende Erscheinung in der Meeresströmung.

Kalle Laar l Sound-Künstler

Klänge sind das Material des Sound-Künstlers Kalle Laar. Im Vordergrund seiner »Forschungsarbeit« steht die durch Klänge hervorgerufene individuelle und emotionale Verbindung, unbeeinträchtigt von visuellen Elementen. Diese Perspektive zu aktivieren und mit sozialen, politischen und wissenschaftlichen Aspekten zu verknüpfen ist wesentlicher Teil seiner Arbeit (Auszug einer Publikation zu Kalle Laar, im Rahmen der Ars Electronica).

Als studierter Wissenschaftshistoriker hat der Sound-Künstler eine hohe Affinität zur Wissenschaft. Er arbeitete mit Studenten der Hochschule für angewandte Wissenschaften München an »Architektur und Klang« oder an Universitäten in Mexico und Singapur zum Klang der Städte. In seinem »Temporären Klangmuseum« sammelt er mit wissenschaftlicher Präzision Klänge aus aller Welt und unterschiedlichsten Kontexten. Die Welt des Wassers und der Ozeane stehen schon lange im Focus. So bereiste er mit dem Kunst- und Wissenschaftsprojekt overtures.de die Wasserwelten in Island,  besuchte ein Staudammprojekt in der Türkei und nahm teil an der »Tribuna del Agua« auf der Wasser-Expo 2008 in Zaragoza. In seiner Arbeit »Calling the Glacier«, vorgestellt auf der Biennale von Venedig, ist live die Gletscherschmelze zu hören. 

Kunst und Wissenschaft – Unsere Motivation

»Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt – die Kunst ihre Seele«
Maxim Gorki

Für die angewandte Forschung ist eine intensive Kommunikation unabdingbar. Unsere Arbeit wird von Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit mitgetragen und die Ergebnisse sollen für alle Nutzen bringen.

Das ist der Grund warum wir das  Münchner Fraunhofer-Haus als einen Ort der Begegnung konzipiert haben.  Der Austausch zwischen den Mitarbeitenden soll genauso gefördert werden, wie der zwischen Fraunhofer und der Öffentlichkeit.

Dafür steht die Reihe Kunst und Wissenschaft. Eine Veranstaltungsreihe, die den Dialog  zwischen Kreativität und Wissenschaft ermöglicht und seit mehr als zehn Jahren seinen Platz im Münchner Fraunhofer-Haus hat.

Die intensive und kreative Auseinandersetzung mit einer Idee, einer Fragestellung oder einem übergeordneten Thema führt oft zu neuen Sichtweisen und faszinierenden Ergebnissen. Eine Erfahrung, die Forscher und Künstler in ihrem Schaffen eint.

Ausstellungen im Fraunhofer-Haus München 2003 – 2014