Wissenschaft und Kunst im Dialog

Ausstellungsreihe im STATE Studio Berlin

Wissenschaft und Kunst im Dialog

70 Jahre Fraunhofer – 70 Jahre Zukunft

Kunstausstellung / 16.4.2019 - 31.12.2019

Ausstellungsreihe im STATE Studio Berlin

Seit 70 Jahren setzt die Fraunhofer-Gesellschaft mit Lösungen und Entwicklungen aus der angewandten Forschung Impulse in Wirtschaft und Gesellschaft. Die komplexen Wirkungen neuer Technologien und der strukturelle Wandel durch technologische Entwicklungen lassen die Forscherinnen und Forscher immer wieder nach neuen Antworten suchen. In diesem Zusammenhang spielt die Begegnung von Wissenschaft und Kunst eine wichtige Rolle.

Mit ihrer Neugierde, ihrer Kreativität und der beharrlichen Suche nach innovativen Lösungen haben Kunstschaffende viel mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern gemeinsam. Die Fraunhofer-Gesellschaft lädt daher in der Ausstellungsreihe »Wissenschaft und Kunst im Dialog« beide Disziplinen zum anregenden Diskurs ein. Eine tragende Rolle spielt das Fraunhofer-Netzwerk »Wissenschaft, Kunst und Design«, das einmal im Jahr den Wettbewerb »Artist in Lab« auslobt. Die Künstlerinnen und Künstler arbeiten dabei intensiv mit Fraunhofer-Forscherinnen und -Forschern zusammen und entwickeln gemeinsam Projekte.

Im Rahmen der Feierlichkeiten des Jubiläums »70 Jahre Fraunhofer. 70 Jahre Zukunft. #WHATSNEXT« kooperiert die Ausstellungsreihe »Wissenschaft und Kunst im Dialog« der Fraunhofer-Gesellschaft mit dem STATE Studio Berlin. Die Ausstellung umfasst ausgewählte Einzelprojekte und die Gewinnerprojekte aus dem »Artist in Lab«-Programm. Die künstlerischen Arbeiten sind in die laufende Ausstellung »field experiments« des STATE Studios integriert und schaffen so einen kreativen Raum, in dem ein offener Dialog über Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft möglich wird.     

 

STATE Studio Berlin, Hauptstraße 3, 10827 Berlin
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12:00 – 19:00 Uhr

 

https://state-studio.com

Andreas Jungk: »UNBORN – THE SECRET LIFE OF QUANTA«

Eröffnung: 1. August 2019 ab 18 Uhr

Andreas Jungk, »Move«, 2016
© Andreas Jungk

»Move«, 2016

© Andreas Jungk, »Polite Ghost«, 2018

Die Arbeit von Andreas Jungk entstand in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena und wird im Rahmen der Ausstellung »MATERIALIZE –  An artistic journey into the quantum universe« der Berliner STATE Galerie gezeigt.

 

Andreas Jungk

Die Bezeichnung »Unborn« stammt von dem japanischen Zen-Meister Bankei Eitaku (1622-1693). »UNBORN ist für mich ein schönes Synonym für die Quantenfelder, aus denen jede uns bekannte Art von Energie und Materie entsteht. Diese Quantenfelder unterliegen nicht im mindesten den uns vertrauten und nachvollziehbaren Gesetzmäßigkeiten der klassischen Physik und sind doch die Grundlage aller wahrnehmbaren Materie und Energie, also letztendlich auch von uns selbst. Quantenfelder sind also noch ungeborene Energie und Materie«, erklärt Jungk.

Die Arbeit »The secret life of quanta« umfasst einen Teilaspekt des Projekts »UNBORN« und ist eine künstlerische Interpretation des quantenphysikalischen Verhaltens von Elementarteilchen (z. B. Photonen, Elektronen). Die Arbeit misst 6,5 m x 6,5 m und besteht aus sieben Bahnen original Unryu-Japanpapier.

Keine der sichtbaren Linien beginnt oder endet auf der sichtbaren Fläche der Arbeit, denn quantenphysikalische Phänomene wie die Verschränkung sind nicht auf einen messbaren Raum begrenzt und haben so gesehen kein Anfang und kein Ende.  Es gibt keine Farben in der Quantenwelt, deswegen können in der Arbeit alle Farben vertreten sein. Die Anordnung der Arbeit in Form eines Oktagons erinnert an die Aufnahmen von Elementarteilchen in einer Nebelkammer. Schließlich finden auch die Anhänger der String- Theorie Berücksichtigung, da in dem Unryu- Papier bei näherer Hinsicht die Fäden (Strings) in der Papierstruktur zu erkennen sind.

 

Den Parallelen zwischen Zen-Philosophie und Quantenphysik ist Andreas Jungk auf der Spur. Seine künstlerische Arbeit beruht auf Grundsätzen, die er durch einen japanischen Zen- und Kalligrafie-Meister kennengelernt hat: Absichtslosigkeit und Unmittelbarkeit. Ein weiterer zentraler Begriff der Zen-Philosophie ist »Mu« (無, japanisch für »Leere«). Überrascht stellte Jungk fest, dass die Versuche von Zen-Meistern, »Mu« in Worte zu fassen, frappierend den Versuchen von Naturwissenschaftlern ähneln, die Quantenzustände von Elementarteilchen zu beschreiben. Der japanische Zen-Meister Bankei (1622 - 1693) hat den »Mu«-Zustand als »ungeboren« bezeichnet. Eine Beschreibung, die auch auf Quantenzustände passt und die Jungk daher als Titel für sein aktuelles Projekt wählte.

»Das Faszinierende der Quantenphysik verbirgt sich hinter den Formeln: Aufgrund der Konditionierung unseres Intellekts und unserer Vorstellungskraft durch die Makrowelt können wir nicht erfassen, was bei Quantenzuständen wirklich geschieht. Wie sich Elementarteilchen verhalten oder was sie eigentlich sind, bevor sie mit Materie wechselwirken oder beobachtet werden können. All das entzieht sich unserer Vorstellungskraft«, so Jungk.

Für das Projekt gelten die gleichen Grundsätze wie für die anderen Arbeiten Jungks: Absichtslosigkeit und Unmittelbarkeit. Zunächst werden Entscheidungen über Material, Form und Farbe getroffen. Aber erst in dem Moment, in dem das Werkzeug auf das Material trifft, verdinglicht sich die Arbeit. Wie ein Photon, das auf einen Bildschirm trifft und erst dann »wirklich«, mithin »geboren« wird.

»UNBORN« entstand in engem Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Fraunhofer-Instituts für angewandte Optik und Feinmechanik IOF in Jena. Hier werden Quantenphänomene vor dem Hintergrund von praktischen Anwendungen erforscht.

Vita Andreas Jungk

Ausstellungsreihe im STATE Studio Berlin

  • Geboren 1956 in München
  • Jura-Studium Ludwig-Maximilians-Universität München
  • 1995 - 2000: Studien Zen-Kalligraphie
  • Seit 1997: zahlreiche Ausstellungen, unter anderem in Paris, München, Chemnitz, Köln und Zürich

Ausstellungsreihe

Hydrosphären

Stefan Wischnewski und Gabriele Neugebauer: SCHWARM – KI/WASSER

Ausstellung: 16. April bis 28. Juni 2019


»MATERIALIZE –  An artistic journey into the quantum universe«
Andreas Jungk: »UNBORN – THE SECRET LIFE OF QUANTA«

Ausstellungseröffnung: 1. August 2019


Charlotte Dachroth und Ole Jeschonnek: Künstlerisches Lichtfeld

Ausstellungseröffnung: Anfang September 2019


Jonathon Keats: Primordial Cities Initiative

Ausstellungseröffnung: Anfang Dezember 2019

»Artist in Lab« – »Dualität«

Das Programm »Artist in Lab« des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« fördert die Annäherung von Naturwissenschaften und Kunst durch interdisziplinären Austausch in Künstlerresidenzen. Ausgewählte Künstlerinnen und Künstler erhalten Zugang zu Instituten und Forschungseinrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft und haben so die Möglichkeit, mit Forschenden aus den Fraunhofer-Instituten des Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« zusammenzuarbeiten. Im Rahmen des Jubiläums »70 Jahre Fraunhofer. 70 Jahre Zukunft. #WHATSNEXT« wurde – inspiriert durch die Quantenphysik – »Dualität« als thematischer Schwerpunkt gewählt.

Fraunhofer-Netzwerk Wissenschaft, Kunst und Design: Kreativ, innovativ, relevant

Wie kann Wissenschaft durch Kunst inspiriert werden – und umgekehrt? Was haben Forschende und Kunstschaffende gemeinsam? Wie können sie einen produktiven Dialog führen und sich wechselseitig inspirieren? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Fraunhofer-Netzwerk »Wissenschaft, Kunst und Design«, das im Frühjahr 2018 gegründet wurde. Es zielt darauf ab, den interdisziplinären Diskurs zwischen angewandter Forschung und Kunst zu fördern, um komplexe gesellschaftliche Herausforderungen zu identifizieren und ihnen zu begegnen.

Dr.-Ing. Gabriele Neugebauer ist Schirmherrin des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« und fördert als solche den intensiven Dialog zwischen Wissenschaft, Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.

Im Rahmen des Jubiläums »70 Jahre Fraunhofer-Gesellschaft« lobt das Netzwerk den Wettbewerb »Artist in Lab« aus. Die Gewinner präsentieren ihre Projekte im Rahmen der Ausstellungsreihe »Wissenschaft und Kunst im Dialog«.

STATE Studio Berlin

Die Ausstellungsreihe des Fraunhofer-Netzwerks »Wissenschaft, Kunst und Design« wird im Rahmen der laufenden Ausstellung »Field Experiments« von STATE Studio präsentiert. STATE ist eine in Berlin ansässige Initiative, die seit 2014 Wissenschaft und Gesellschaft auf eine neue Weise zusammenbringt: partizipativ, interdisziplinär und kreativ. Im STATE-Studio im Herzen von Berlin kuratiert STATE Entdeckungstouren zu den Trends wegbereitender Forschung und Innovation.

Spitzenforschung und gesellschaftliche Fragestellungen treffen hierbei auf künstlerischen Ausdruck.

»Wissenschaft und Kunst im Dialog« – unsere Motivation

»Die Wissenschaft ist der Verstand der Welt – die Kunst ihre Seele.«
Maxim Gorky

Für die angewandte Forschung ist eine intensive Kommunikation unabdingbar. Unsere Arbeit wird von Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit mitgetragen. Aus dem Grund gleichen wir unsere wissenschaftlichen Ziele immer wieder mit den Interessen und Bedürfnissen der Menschen ab. Der Austausch zwischen den Mitarbeitenden soll genauso gefördert werden wie der zwischen Fraunhofer und der Öffentlichkeit. Dafür steht »Wissenschaft und Kunst im Dialog«. Die intensive und kreative Auseinandersetzung mit einer Idee, einer Fragestellung oder einem übergeordneten Thema führt oft zu neuen Sichtweisen und faszinierenden Ergebnissen. Eine Erfahrung, die Forscher und Künstler in ihrem Schaffen eint.