Aus der Fraunhofer-Forschung Menschen in der Forschung Biologin | Projektleiterin am Translations- zentrum für Regenerative Therapien (TLZ-RT) des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC in Würzburg | Mitgründerin TigerShark Science | @die Wissenschaftlerin Seit 2015 züchtet sie innovative Hautmodelle aus menschlichen Zellen, die als Testsysteme dienen. Diese Hautmodelle können helfen, die Wirksamkeit von Arzneimitteln sowie Kosmetika zu verbessern, und sie tragen dazu bei, dass weniger Tierversuche in der Pharmaindustrie notwendig sind: »Was mich besonders begeistert, ist die Möglichkeit, ethische und effektive Lösungen zu entwickeln, die realistische menschliche Hautmodelle im Labor nachbilden können.« Im Tissue-Engineering-Lehrstuhl der Uni Würzburg stand sie schon als Praktikantin. Schon damals habe sie an Kundengesprächen teilgenommen, dank der Kooperation des Lehrstuhls mit dem Fraunhofer ISC. »Damit ist man immer am Puls der Zeit, das macht Forschung und Entwicklung bei Fraunhofer so interessant: Man weiß, was wichtig für die Gesellschaft und für die Unternehmen ist«, sagt sie. Und natürlich sei bei Fraunhofer auch großartig, dass man sich über die Kooperation der Institute viel interdisziplinäre Unterstützung aus dem Netzwerk holen könne. Hautmodelle statt Tierversuche Entscheidende Zutaten für ihren Werdegang, so Amelie Reigl, seien Netzwerke und Vorbilder. Hilfreich für das Knüpfen von Kontakten zu Role Models und Mentors waren und sind ihre Auszeichnungen und Stipendien. 2022 errang sie den ersten Platz beim Young Scientist Award, ausgerichtet von Fast Forward Science in Kooperation mit dem Deutschen Zukunftspreis. 2023 wurde sie vom ZEIT Verlag ausgewählt für das Programm »Zia – Visible Woman in Science«. 2024 ist sie Fellow des Intensive Track Female Scientist, ausgerichtet von der Falling Walls Foundation. Durch die Förderung von EXIST Woman freut sie sich in der Gründungsphase als Mentee über den Austausch mit der Humanbiologin und Gründer-Legende Dr. Christine Schuberth-Wagner. Sie baut sich kontinuierlich ein immer stärkeres Netzwerk auf, in dem sie von inspirierenden Frauen wie Prof. Sina Bartfeld, die ihr als Mentorin in For- schungsfragen zur Seite steht, unterstützt wird. Darauf ist @die Wissenschaftlerin ein bisschen stolz. Fraunhofer-Jahresbericht 2024 Amelie Reigl A melie Reigls Forschungsfokus heißt Tissue Engi- neering. In ihrer Doktorarbeit hat sie ein In-vitro- Hautmodell mit Blutgefäßen entwickelt, um einen der Erreger (T. brucei) zu untersuchen, der die Schlafkrankheit auslösen kann. Ihre Arbeit schrieb sie 2023 auf Bali zu Ende. Ein Prozess, den ein Großteil ihrer Anhän- gerschaft, ca. 400 000 sind es, auf TikTok, Instagram und LinkedIn, verfolgte. Manchmal bieten ihre Posts aus der Welt der Wissenschaft auch einen guten Einstieg bei ihren Kunden- gesprächen mit der Pharma- und Kosmetikbranche. »Dass meine Arbeit Spaß macht, ist mir wichtig«, sagt Reigl. Dabei hat sie nicht nur diese eine Arbeitsstelle, 2024 ist sie auf drei Karrierepfaden gleichzeitig unterwegs: Als promovierende Bio- login, angestellt am Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC und dessen Translationszentrum für Regenerative Therapien (TLZ-RT), und als Projektleiterin der geplanten Ausgründung TigerShark Science. Dazu noch als Influencerin, die Forschung und Wissenschaft der Allgemeinheit näherbringen will – ins- besondere Mädchen und Frauen. Auf drei Karrierepfaden gleichzeitig unterwegs Wissenschaftskommunikation wurde Reigl ein Anliegen, als sie 2020 wegen Corona ins Homeoffice wechseln musste. »Was macht eine Biologin ohne Labor?«, habe sie sich damals gefragt und sich nebenbei als @dieWissenschaftlerin selbstständig gemacht. Seither hat sie ein Social-Media-Team aufgebaut, das es ihr ermöglicht, gleichzeitig ihre Karrieren als Forscherin und Gründerin weiterzutreiben. Ihr Vorhaben TigerShark erhielt 2024 eine EXIST-Finanzierung mit 1,3 Mio. €. Es hilft Reigl, zusammen mit ihren Förderern und zukünftigen Co-Foundern Dr. Dieter Groneberg und Prof. Dr. Florian Groeber-Becker vom TLZ-RT des Fraunhofer ISC eine Ausgründung aufzubauen, die menschliche Hautmodelle von bisher unerreichter Komplexität auf den Markt bringen will. Warum hat das Team den Namen TigerShark Science gewählt? »Der Tiger steht für Stärke und Präzision, während der Hai Anpassungsfähigkeit und Effizienz verkörpert. Eigenschaften, die für unsere Mission stehen, bahn- brechende wissenschaftliche Lösungen zu entwickeln«, erklärt Reigl. Im Grunde habe sie ihre Vorlieben zum Beruf machen können, schon als Kind habe sie sich für Naturwissenschaften interessiert und mit ihrem Vater viel gebaut und gebastelt, erzählt Reigl. 86