Produktion: Dekarbonisierung als Business-Chance
Mit maßgeschneiderten Roadmaps zu Klimastrategien, die sich auszahlen – für die Umwelt und das Unternehmen.
Der Wille ist da: Nahezu jedes der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland (90 Prozent) macht bereits seine direkten und indirekten Treibhausgas-Emissionen transparent; mehr als 66 Prozent haben es sich als Ziel gesetzt, die Scope-1- und Scope-2-Emissionen langfristig zu senken. Und gut ein Drittel plant sogar eine Reduktion der Treibhausgase, die indirekt in der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette der Organisationen auftreten (Scope 3). Das ergab die Dekarbonisierungsstudie 2024, für die der Wirtschaftsprüfer KPMG die Nachhaltigkeitsberichte der 160 größten Unternehmen aus DAX, MDAX und SDAX analysiert hat.
Was die Studie allerdings auch verrät: Mehr als die Hälfte der befragten Firmen (57 Prozent) läuft ihren selbst gesetzten Zielen hinterher. 63 Prozent wagen aktuell keine Prognose, bis wann sie klimaneutral oder emissionsfrei sein werden. Der Wille allein reicht eben nicht aus – auch der Weg zur Netto-Null muss klar sein.
Ganzheitliches Klimamanagement: Strategien datenbasiert entwickeln
Wissenschaftliche Navigationshilfe in Richtung Klimaziele: Das Berliner Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK unterstützte bereits 2024 in dem Projekt KliMaWirtschaft kleine und mittelständische Unternehmen dabei, ihre CO2-Emissionen mithilfe eines ganzheitlichen Klimaschutzmanagements messbar zu reduzieren. »Mehr als 300 kleine und mittelständische Firmen haben sich in den drei Projektjahren beteiligt und mit Klimamanagementlösungen auseinandergesetzt«, berichtet Felix Budde, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschäftsfeld Unternehmensmanagement am Fraunhofer IPK und Experte für den Schwerpunkt Nachhaltiges Wirtschaften und Nachhaltigkeitsmanagement. Eines der Ergebnisse des Projekts ist eine nun online frei zugängliche Toolbox, die mehr als 90 Einzelmaßnahmen beinhaltet und KMU damit hilft, passgenaue Lösungen für die eigene Klimastrategie zu entwickeln.
Es geht aber auch eine Nummer größer. Das hat Fraunhofer-Forscher Felix Budde in einem neuen Projekt gezeigt: In Zusammenarbeit mit den Fraunhofer-Instituten für Produktionstechnik und Automatisierung IPA und für Schicht- und Oberflächentechnik IST beriet er einen international tätigen Elektrogeräte-Hersteller bei der Entwicklung einer Dekarbonisierungsstrategie für die gesamte Wertschöpfungskette. »Zum Start des Projekts hatte der Industriekonzern bereits einige Einzelmaßnahmen identifiziert und umgesetzt, etwa die Einführung einer energieeffizienteren Produktklasse oder die Nutzung nachhaltigerer Halbzeuge«, erklärt Budde. »Eine ganzheitliche Strategie auf Basis praxisnaher und belastbarer Daten fehlte jedoch.« Ein Status also, der in vielen Unternehmen aktuell Realität ist.