Jedes Jahr kommt der Erdüberlastungstag früher. Der Tag, an dem wir die nachwachsenden Ressourcen, die die Erde reproduziert, aufgebraucht haben und ab dem wir auf Pump leben müssen. Wurde er vor 25 Jahren noch am 23. September gefeiert, war es in diesem Jahr bereits am 24. Juli so weit. Denn die Weltbevölkerung wächst rasant, ihr Rohstoff-Hunger ist unermesslich.
Unser lineares »Nehmen–Nutzen–Wegwerfen«-Modell stößt an seine Grenzen: Natürliche Ressourcen werden knapper, die Müllberge wachsen, und die Herstellung neuer Materialien verursacht enorme CO₂-Emissionen. Laut dem International Resource Panel der Vereinten Nationen gehen rund 90 Prozent des weltweiten Biodiversitätsverlusts und etwa die Hälfte aller Treibhausgasemissionen auf die Gewinnung und Verarbeitung natürlicher Ressourcen zurück.
In der Shampoo-Flasche steckt wertvolles Erdöl, im Smartphone sind Rohstoffe wie Palladium, Tantal, Wolfram oder Dysprosium verbaut. Für Batterien ist Zink, Mangan oder Lithium nötig. Und nicht zuletzt die Bauabfälle: Sie wachsen zum größten Abfallberg in Europa an, in dem Seltene Erden, Stahl, Kupfer oder Naturstein lagern. Genau hier setzt die Circular Economy an: Sie will den Materialeinsatz minimieren, Wertstoffe im Kreislauf halten und den ökologischen Fußabdruck der Industrie massiv senken. Kreislaufwirtschaft ist damit weit mehr als reines Recycling – sie erfordert ein Umdenken in Design, Produktion, Konsum und Politik. Und sie bietet viele Chancen: Laut der Ellen MacArthur Foundation könnten europäische Unternehmen bis ins Jahr 2030 jährlich über 600 Milliarden Euro an Materialkosten durch zirkuläre Prinzipien einsparen.