SolCoolDry

Solarbetriebenes Off-Grid-System zur Kühlung und Trocknung verbessert Lebensmittelsicherheit und schafft lokale Marktchancen.

Das Problem

In den Küstenregionen Kenias führen fehlende Kühl- und Konservierungsmöglichkeiten zu hohen Lebensmittelverlusten. Fischer und Landwirte sind häufig gezwungen, ihre Produkte unmittelbar nach der Ernte oder dem Fang zu niedrigen Preisen zu verkaufen. Fisch verdirbt aufgrund der hohen Temperaturen schnell. Gleichzeitig erschweren Regenzeiten und traditionelle Trocknungsmethoden eine hygienische Verarbeitung und eine gleichbleibend hohe Qualität.

Die Lösung

SolCoolDry kombiniert solare Eiserzeugung und Trocknung in einem vollständig mit erneuerbaren Energien betriebenen, netzunabhängigen System. Photovoltaik, elektrische Speicher, Solarthermie, Wärmepumpen und thermische Speicher sorgen dafür, dass Fisch gekühlt, transportiert und haltbar gemacht werden kann – unabhängig vom Stromnetz und von den Wetterbedingungen.

Das Projekt

Im Rahmen des Projekts wurden zwei solarbetriebene Anlagen entwickelt und gemeinsam mit lokalen Partnern in Kenia aufgebaut. Beide Standorte verfügen über solare Trocknungssysteme und Anlagen zur Produktion von Flake-Eis.

Die erste Anlage in Mwazaro an der Südküste wird seit 2022 von der lokalen Beach Management Unit betrieben. Die dort installierte Eismaschine ist die einzige hochwertige Eisquelle in der weiteren Umgebung und arbeitet unabhängig von den häufigen Stromausfällen vor Ort.

Seit 2024 ist in Muhuru Bay am Viktoriasee ein weiteres System unter Leitung des Sozialunternehmens WeTu produktiv. Aufgrund der ganzjährigen Fischerei besteht dort ein besonders hoher Bedarf an Eis für Lagerung und Transport. Ergänzend sorgt eine lokale Wasseraufbereitung dafür, dass sauberes Eis in Lebensmittelqualität hergestellt werden kann.

Originalität

SolCoolDry verbindet erstmals solare Eiserzeugung und solare Trocknung in einem integrierten Off-Grid-System. Die Kombination verschiedener Speicher- und Energietechnologien ermöglicht einen zuverlässigen Betrieb auch unter den klimatischen und infrastrukturellen Bedingungen ländlicher Regionen Ostafrikas.

Besonders innovativ ist der ganzheitliche Ansatz: Er verbessert nicht nur die Haltbarkeit der Produkte, sondern schafft entlang der gesamten Wertschöpfungskette bessere Bedingungen für Lagerung, Verarbeitung und Vermarktung.

Marktfähigkeit

Die beiden Anlagen sind produktiv und versorgen die lokale Bevölkerung. Die hohe Nachfrage nach Eis an beiden Standorten zeigt den konkreten Bedarf für die entwickelte Technologie.

Die Lösung adressiert ein weit verbreitetes Problem in zahlreichen Küsten-, Fischerei- und Agrarregionen Afrikas und lässt sich grundsätzlich auf weitere Standorte übertragen. Die enge Einbindung lokaler Partner ermöglicht einen langfristigen Betrieb und erhöht die Chancen für eine nachhaltige Verbreitung der Technologie.

Das Fraunhofer ISE begleitet die Anlagen auch nach dem Ende der Förderphase weiter. Das Preisgeld des Fraunhofer-Alumni-Awards soll dazu beitragen, weitere Anwendungen der SolCoolDry-Technologie umzusetzen und bestehende Strukturen langfristig zu stärken. Neben neuen Projekten stehen dabei die Unterstützung lokaler Partner und die nachhaltige Nutzung bereits bestehender Anlagen im Fokus. Ziel ist es, den langfristigen Betrieb erfolgreicher Lösungen zu sichern und ihre Wirkung für Ernährungssicherheit, Wertschöpfung und lokale Entwicklung weiter auszubauen.

Förderung

Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Als Projektträger begleitete die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung das Vorhaben.

Team und Projektpartner

Fraunhofer ISE

Ansprechpartner: Dr. Alexander Morgenstern, Projektleiter und Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. Er verantwortet die Entwicklung und Umsetzung der SolCoolDry-Systeme sowie die Zusammenarbeit mit den Partnern in Kenia.

 

Internationale Partner

  • Innotech Ingenieursgesellschaft mbH, Deutschland
  • Kenya Industrial Research and Development Institute (KIRDI), Kenia
  • Kenya Marine and Fisheries Research Institute (KMFRI), Kenia
  • Technical University of Mombasa (TUM), Kenia
  • Beach Management Unit Mwazaro, Kenia, Betreiber des Systems an der Südküste 
  • WeTu Social Enterprise, Kenia, Betreiber des Systems in Muhuru Bay am Viktoriasee