Projekt CultLab3D

Im Pergamonmuseum in Berlin wurde ein aufwendiger 3D-Scan des alten Kunstwerks realisiert.

Kulturerbe erhalten – per Forschung und Hightech

Mit Fraunhofer Innovationen unser Kulturerbe schützen

Wie lässt sich Kulturerbe schützen und bewahren? Im Vorstandsprojekt Kulturerbe entwickeln Fraunhofer-Forscher die dazu nötigen Technologien.

Historische Tempel, antike Statuen, Gemälde großer Meister: Kulturerbe gilt es zu bewahren. Bei der Frage nach dem Wie sehen die meisten Menschen Restauratoren vor sich, die mit Pinsel, Pinzette und viel Geduld Defekte wie Löcher, Fehlstellen und Co. antiker Kunstwerke reparieren. Dass für den Erhalt historischer Kunstschätze jedoch auch Forschung und daraus resultierende Hightech-Lösungen vonnöten sind, ist weit weniger bekannt. Wirft man jedoch einen Blick in Fraunhofer-Labore, trifft man auf zahlreiche Forscherinnen und Forscher, die an Lösungen zum Erhalt von Kulturerbe tüfteln. Am Forschungsprojekt Kulturerbe beteiligen sich insgesamt 16 Fraunhofer-Institute zusammen mit ihren Partnern, den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden. Der Fraunhofer-Vorstand fördert das Projekt mit 1,5 Mio Euro. »Damit ist es eines der größten deutschen Forschungsprojekte auf dem Gebiet des Kulturerbes – wofür wir sehr dankbar sind«, freut sich Dr. Johanna Leissner, Koordinatorin des Vorstandsprojekts und Sprecherin der Forschungsallianz Kulturerbe in Brüssel. Am 6. September 2018 findet die Abschlussveranstaltung in der Sächsischen Landesbibliothek Dresden statt – passend zum Europäischen Jahr des Kulturerbes. 

Beispielprojekte

CultLab3D: 3D-Digitalisierung / Goldemail im Grünen Gewölbe / Mittelalterliche Handschriften rekonstruieren und restaurieren

© Fraunhofer IGD

CultLab3D

Die Scanstraße digitalisiert vollautomatisch Objekte unterschiedlicher Größe und erfasst dabei Geometrie, Textur und physikalisch-optische Materialeigenschaften für eine originalgetreue und mikrometergenaue Wiedergabe.

© Fraunhofer ISC

Goldemail im Grünen Gewölbe

Testauftrag des neuen ORMOCER®s auf geschädigten Email-Modellobjekten.

© Sächsische Landesbibliothek- Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB)

Mittelalterliche Handschriften rekonstruieren und restaurieren

Sozioökonomischer Wert von Kulturerbe

Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie IMW

Bei Entscheidungen zum Schutz und Erhalt von Kulturerbe stehen meist die Kosten im Vordergrund. Schließlich sind diese leichter darstellbar als der Nutzen. Der Eindruck, der dadurch entsteht, ist allerdings unzureichend. Die Frage ist daher: Wie lässt sich der sozioökonomische Gesamtwert von Kulturerbe messen und wissenschaftlich bewerten? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Zentrums für Internationales Management und Wissensökonomie IMW haben in einer Studie nun einen Ansatz entwickelt, um sowohl den direkten – etwa Einnahmen durch Reisekosten zu den Kulturgütern – als auch den indirekten Nutzen – etwa die Ästhetik oder der Nutzen für nachfolgende Generationen – von Kulturerbe besser konkretisieren und etwas besser in ökonomischen Werten ausdrücken zu können. »Für unsere Studie haben wir bewusst kein Leuchtturmprojekt wie das Grüne Gewölbe oder Schloss Neuschwanstein herausgesucht, sondern ein Objekt, das weit weg ist von den Haupt-Besucherströmen: das Völkerkundemuseum Herrnhut, das zur staatlichen Kunstsammlung Dresden gehört«, erläutert Urban Kaiser, Gruppenleiter am Fraunhofer IMW. 

Die Studie gliedert sich in zwei Teilbereiche: Zum einen wurden die Museumsbesucher nach den aufgewendeten Kosten befragt, um das Museum zu erreichen. Zum anderen führten die Forscher eine Online-Befragung von 1013 Personen in ganz Deutschland durch: Was wären Sie bereit, für den Schutz und Erhalt des Völkerkundemuseums Herrnhut zu bezahlen – etwa in Form einer Abgabe? »Es geht weniger darum, konkrete Wertzahlen zu erhalten, als vielmehr darum, eine Argumentationsgrundlage für den langfristigen Erhalt solcher Museen zu schaffen«, sagt Kaiser. In Folgeprojekten wollen die Wissenschaftler die Methode an internationalen Beispielen validieren und weiterentwickeln.