Die optischen Teile sind, so Bingel, der begrenzende Faktor im Kraftwerk. Diese Grenzen zu erweitern, ist Ziel des Verbundprojekts PriFUSIO: Ein Konsortium aus sieben Industriepartnern und drei Forschungsinstituten (darunter die Fraunhofer-Institute IOF und ILT) will photonische Schlüsselkomponenten für die laserbasierte Fusion erforschen und industriell nutzbar machen. Die Arbeit für die Forschenden am Fraunhofer IOF setzt dabei ganz vorne an: an der Laserquelle, also dort, wo das Licht erzeugt wird. »Hier muss es bereits gebeugt werden«, erklärt Thomas Gischkat: Durch sogenannte Beugungsgitter kann das Licht nach der Wellenlänge aufgetrennt, die gewünschte Wellenlänge ausgewählt und sehr präzise gesteuert werden.
»Am Fraunhofer IOF dürfen wir uns rühmen, dass wir die besten und effizientesten Gitter haben«, betont Gischkat. »Doch selbst deren Strukturen leiden bei der Verwendung von Laserlicht. Im Projekt PriFUSIO wollen wir herausfinden, wie sich die Laserstabilität durch passende Designs erhöhen ließe.« Zur Extra-Challenge wird dieses Vorhaben durch die Anforderung, dass die Gitter nicht nur einen kleinen Wellenlängenbereich durchlassen dürfen, sondern möglichst breitbandig sein müssen, denn: »Das Laserlicht wird sehr stark komprimiert und hat dadurch viele Wellenlängenanteile.«
Im Projekt SHARP wiederum, koordiniert von der Schott AG, entwickeln Forschende am Fraunhofer IOF sowie dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS seit 2025 Hochleistungsspiegel für Fusionskraftwerke. Diese sollen nicht nur möglichst wenig Laserlicht absorbieren, sondern auch langfristig sehr hohen Temperaturen standhalten. Dafür müssen Kühlstrukturen in die Glassubstrate integriert und thermomechanische Effekte in die Schichtentwicklung einbezogen werden. »Üblicherweise würde man mit Kältefallen an der Rückseite arbeiten – etwa einer Metallschicht, die thermische Energie abführt«, erläutert Physiker Gischkat. »Doch Metalle kann man oft nicht gut bearbeiten. Wir wollen auf eine von Zeiss entwickelte Technologie aufsetzen und Kühlkanäle schon während der Herstellung ins Glas ›hineinschreiben‹.« Der Vorteil: »Der Spiegel ist dann monolithisch, also ein kompakter Körper – so existiert keine Sollbruchstelle, die kaputtgehen könnte. Würde man die Kühlkanäle nachträglich einätzen, müsste man diese mit einer Art sehr dünnem Deckel abdichten, der abspringen könnte unter Belastung.«
Während es bei SHARP um Spiegel geht, befasst sich das Projekt NanoAR mit dem gegenteiligen Prinzip: der Entspiegelung von Oberflächen. »Spiegel sind ja im Prinzip strahlformende Komponenten, man möchte hier eine möglichst hohe Reflexion«, erklärt Astrid Bingel. »Bei transparenten Optiken hingegen will man jegliche Reflexion an den Grenzflächen vermeiden, da der Laserstrahl möglichst verlustfrei hindurchgehen soll.« Selbst wenn an einer Grenzfläche nur wenige Prozent reflektiert werden, multipliziere sich das deutlich bei mehr als 100 Komponenten im Strahlengang.
»Bei NanoAR wollen wir keine Anti-Reflex-Beschichtungen nutzen, sondern sogenannte Metaoberflächen oder nanostrukturierte oberflächeneffektive Medien«, erläutert Bingel. Dafür haben sich die Forschenden von der Natur inspirieren lassen: »Mottenaugen reflektieren nahezu kein Licht. So können Motten nachts sehen, ohne dass ihr Auge Licht zurückwirft und Räuber aufmerksam werden.« Unter dem Mikroskop betrachtet, ist die Oberfläche von Mottenaugen nicht glatt, sondern mit Millionen Erhebungen im Nanometerbereich bedeckt. Während der Lichtbrechungsindex sich bei einer normalen Glasfläche abrupt beim Übergang von Luft zu Glas ändert, ermöglichen diese Strukturen einen sanften Übergang des Brechungsindex zwischen Luft und Auge: Das Licht dringt nahezu verlustfrei ein.
Am Fraunhofer IOF wird eine Nanostruktur auf das Glas gesetzt mit dem intern erdachten Verfahren AR-plas2. Die Methode ist eine Kombination aus Beschichtung und Nanostrukturierung: Nicht die Linse selbst wird strukturiert, sondern deren hauchdünne Beschichtung auf Basis von Siliciumdioxid oder Calciumfluorid. Das Ergebnis sind sehr klare und kontrastreiche Hochleistungsoptiken mit einer Entspiegelung, die selbst bei schrägem Lichteinfall noch wirkt.