INNOVATIONSLOUNGE 2026 | »Energiespeicher zwischen Forschung und Umsetzung« Rückblick 8. INNOVATIONSLOUNGE

In Kooperation mit der Atreus GmbH

Von der Innovation zur Wirkung: Energiespeicher als Schlüssel für Deutschlands Zukunft

Batterien, Wärmespeicher, Wasserstoff und die Frage, wie aus technologischen Innovationen wirtschaftliche Stärke entsteht: Diese Themen standen im Mittelpunkt der 8. Innovationslounge, einem Gemeinschaftsprojekt des Fraunhofer-Alumni e.V. und der Atreus GmbH.

Wie wird aus Forschung industrielle Anwendung? Welche Speichertechnologien braucht die Energiewende? Und was entscheidet darüber, ob aus einer guten Idee ein neues Geschäftsmodell entsteht? Diesen Fragen widmete sich die 8. Innovationslounge in der Fraunhofer-Zentrale in München unter dem Titel »Von der Innovation zur Wirkung – Energiespeicher zwischen Forschung und Umsetzung«.

Monika Landgraf, Direktorin Unternehmenskommunikation und Sprecherin des Präsidenten der Fraunhofer-Gesellschaft.
Dr. Christian Frank, Partner und Mitglied Executive Board bei Atreus
Dr. Christian Frank, Partner und Mitglied Executive Board bei Atreus

Moderator Viktor Deleski machte gleich zu Beginn deutlich, wie aktuell das Thema Energiespeicher ist. Die Begrüßung übernahmen Monika Landgraf, Direktorin Unternehmenskommunikation der Fraunhofer-Gesellschaft und Mitglied des Beirats des Fraunhofer-Alumni e.V., sowie Dr. Christian Frank, Managing Director von Atreus.

Monika Landgraf verwies auf die große Bandbreite der Fraunhofer-Forschung, von Lithium-Ionen-Batterien über stationäre Speichersysteme bis hin zu Lösungen für Elektromobilität, Wärme- und Kältespeicherung sowie Recycling. Entscheidend sei der Technologietransfer: Forschung entfaltet ihren Nutzen erst in konkreten Anwendungen.

 

Mitschnitt INNOVATIONSLOUNGE #8 | »Von der Innovation zur Wirkung: Energiespeicher zwischen Forschung und Umsetzung«

Dr. Christian Frank blickte auf die langjährige Partnerschaft zwischen Atreus und Fraunhofer-Alumni zurück. Die Innovationslounge verstehe er als Format, das Unternehmen Zugang zu Fraunhofers technologischer Kompetenz eröffnet. Gerade in Zeiten von Transformationsdruck und Unsicherheit brauche es Räume für Orientierung, Austausch und den Blick auf konkrete technologische Chancen.

Viktor Deleski, Moderator der 8. INNOVATIONSLOUNGE
Viktor Deleski, Learning Professional bei der Fraunhofer-Gesellschaft und Moderator des Abends
Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Daub, Institutsleiter Fraunhofer IGCV und Professor an der Technischen Universität München
Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Daub, Institutsleiter Fraunhofer IGCV und Professor an der Technischen Universität München

Batterien seien weit mehr als Energiespeicher, erklärte Prof. Dr.-Ing. Rüdiger Daub, Institutsleiter des Fraunhofer IGCV und Professor an der TU München. Als strategische Zukunftstechnologie bilden sie die Grundlage zahlreicher Wertschöpfungsfelder der kommenden Jahrzehnte. Entsprechend wichtig sei die Frage, wo diese Wertschöpfung künftig stattfindet.

Die weltweite Nachfrage wachse zwar weiter, zugleich werde der Markt jedoch von Überkapazitäten, insbesondere aus China, geprägt. Preise auf Materialkostenniveau erschwerten den Aufbau tragfähiger Geschäftsmodelle.

Umso wichtiger sei die Hightech Agenda der Bundesregierung. Deutschland und Europa müssten ihre Position in strategischen Technologiefeldern behaupten und sich nicht aus zentralen Wertschöpfungsketten verdrängen lassen. Mit Forschungsinfrastrukturen wie der Fraunhofer-Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB), umfassendem Know-how und industrieller Erfahrung seien dafür gute Voraussetzungen vorhanden. Allein bei Fraunhofer arbeiten 26 Institute entlang der gesamten Batteriewertschöpfungskette – von Rohstoffen und Zellchemien bis zu Recycling und Batteriemanagement.

Dass Energiespeicherung weit über Batterien hinausgeht, machte Dr. Sebastian Gamisch, Gruppenleiter Wärme- und Kältespeicher am Fraunhofer ISE, deutlich. Er rückte thermische Energiespeicher in den Mittelpunkt, die in der öffentlichen Debatte bislang wenig Aufmerksamkeit erhalten, für klimaneutrale Energiesysteme aber unverzichtbar sind.

Von Hochtemperaturprozessen in der Industrie bis zu Kälteanwendungen und Gebäudesystemen reicht ihr Einsatzspektrum. Für die Energiewende gebe es daher nicht die eine Speicherlösung. Vielmehr müsse für jeden Anwendungsfall das passende System entwickelt werden.

Wie groß der Schritt von der Idee zur industriellen Skalierung ist, schilderte Frank Zimmermann, Board Member von Dynelectro und ehemaliger CEO von H-TEC Systems. Aus seinen Erfahrungen im Wasserstoff- und Elektrolysebereich leitete er ab, dass technologische Exzellenz allein nicht ausreiche. Entscheidend seien Marktnähe, Finanzierung, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit, ein Unternehmen entlang der tatsächlichen Nachfrage zu entwickeln.

Maßgeblich seien konkrete Kundenprojekte und belastbare Märkte – nicht politische Zielbilder oder Prognosen.

Frank Zimmermann, Board Member Dynelectro und ehemaliger CEO H-TEC Systems
Frank Zimmermann, Board Member Dynelectro und ehemaliger CEO H-TEC Systems
Dr. Andreas Widl, CEO, Samson AG
Dr. Andreas Widl, CEO, Samson AG

Lebhaft diskutiert wurden diese Perspektiven in der anschließenden Podiumsdiskussion mit den Referenten und Dr. Andreas Widl, CEO der Samson AG.

Widl widersprach der verbreiteten Sichtweise, hohe Energiepreise seien das zentrale Hemmnis für industrielle Innovationen in Deutschland. Digitalisierung, Automatisierung, intelligente Energiesysteme und konsequente Modernisierung könnten Produktivität steigern und Energieverbräuche senken, wie sein Unternehmen aus eigener Erfahrung zeige.

Innovation ist keine Frage des Wissens allein

Am Ende verdichteten sich die unterschiedlichen Perspektiven zu einer gemeinsamen Botschaft: Deutschland verfügt über exzellente Forschung, starke Unternehmen und hohe technologische Kompetenz. Die Herausforderung besteht darin, Innovationen schneller in industrielle Anwendungen und tragfähige Geschäftsmodelle zu überführen.

Die 8. Innovationslounge machte deutlich, dass Energiespeicher weit mehr sind als technische Bausteine der Energiewende. Sie sind eine Schlüsselfrage für Wettbewerbsfähigkeit, industrielle Wertschöpfung und technologische Souveränität Europas. Batterien, thermische Speicher und Wasserstoff erfüllen dabei unterschiedliche Aufgaben und müssen im Zusammenspiel gedacht werden.

Forschung, Industrie, Kapital und Politik müssen dafür noch stärker zusammenwirken. Der Weg von der Innovation zur Wirkung entscheidet sich nicht allein im Labor, sondern dort, wo Technologien skaliert, finanziert, genehmigt, gebaut und genutzt werden. Genau dafür bietet die Innovationslounge eine Plattform: für Austausch, Vernetzung und den Mut, aus Möglichkeiten konkrete Projekte zu machen.

Barbara Nana Pörschmann

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