Menschen in der Forschung 2022

 

»Das Fraunhofer-Modell mit seiner Nähe zur Industrie ist weltweit einzigartig. Mit meinem Wissen in der Sensorik kann ich technologische Lösungen mitentwickeln, die künftig zum Wohl der Gesellschaft beitragen.«

Dr.-Ing. Alethea Vanessa Zamora Gómez

 

Doktoringenieurin 

Senior Scientist im Bereich Optische Sensorik am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM in Berlin

Verbindungen zur Photonik

Dass handliche medizinische Diagnosegeräte, die schnelle Ergebnisse liefern, hilfreich sind – das muss Vanessa Zamora nicht mehr erklären. PCR- und Antigentests haben gezeigt, wie wichtig es ist, schnell Gewissheit über eine Infektion zu haben. Einen Prototyp einer ganz neuen Generation von Diagnosesystemen hat Vanessa Zamora als Chef-Koordinatorin eines internationalen Konsortiums gerade maßgeblich mitentwickelt. 2022 konnte sie den photonischen Biosensor »PoC-BoSens« pünktlich zur Gesundheitsfachmesse Compamed vorstellen. 

Vor allem in das automatische Auslesegerät hat die Physikingenieurin ihre Expertise eingebracht: Noch nie zuvor war ein ganzer Array von Flaschenmikroresonatoren auf einem Chip integriert worden. Zamora, seit 2019 Senior Scientist am Fraunhofer-Institut für Zuverlässigkeit und Mikrointegration IZM, realisierte mit ihrem Team eine optofluidische Konfiguration, um den hybriden photonischen Chip mit einem Mikrofluidik-Chip zu verbinden. Weitere Besonderheit des Systems: Die aus optischen Fasern bestehenden Mikrostrukturen der Auslesekartusche eignen sich für eine mehrkanalige Detektion von Zielmolekülen. Das erlaubt die Diagnose mehrerer Krankheiten gleichzeitig.

»Die eigenen Ziele mit Disziplin und Ausdauer zu verfolgen, war die wichtigste Lehre in meiner Familie«, resümiert Vanessa Zamora. Sie stammt aus einer mexikanischen Familie, die geprägt ist von Selbstständigkeit und naturwissenschaftlicher Ausrichtung: Ihre Mutter ist selbstständig und unterhält ein Mikrounternehmen, ihr Vater arbeitete bis zur Rente als Elektroingenieur, ihre ältere Schwester ist als Fachkraft für Leistungssteuerung bei einem mexikanischen Gasunternehmen tätig und die jüngere Schwester ist Professorin für Industrierobotik, dynamische Systeme und Regelungstechnik an einer mexikanischen Universität. So kommt es, dass Vanessa Zamora an der »Universidad Autónoma de San Luis Potosí« Physik studiert und mit einem Master in Applied Science abschließt. Sie wird als eine der besten Studentinnen und Studenten ganz Mexikos ausgezeichnet. 

Dann erhält Vanessa Zamora eines von 50 Promotionsstipendien, die das spanische »Ministerio de Universidades« weltweit vergibt. An der Universität von Valencia arbeitet Vanessa Zamora erstmals mit optischen Fasern, die als kleine Sensoren dienen. Ihre Laufbahn als Sensorik-Fachfrau beginnt hier – und am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, wo sie drei Monate ihres Stipendiums verbringt. Thema ihrer Promotion ist die Entwicklung innovativer refraktrometrischer Mikrosensoren mithilfe von Glasfasern. 2010 erhält sie dafür den Doktortitel mit Auszeichnung (cum laude). Als Postdoktorandin macht Zamora noch einen Abstecher nach Edmonton, Kanada, doch »die deutschen Arbeitsmethoden und Einrichtungen machten einen guten Eindruck auf mich«. 

So bewirbt sie sich bei Fraunhofer und landet als eine der wenigen weiblichen Fachkräfte ihres Gebiets 2011 am Institut für Nachrichtentechnik, Heinrich-Hertz-Institut, HHI. Ihr erstes Patent (US 9,846,060 B1) wird erteilt mit dem Titel »Optisches Resonator-Array zur Erhöhung des Dynamikumfangs«. 2013 wechselte sie an das Fraunhofer IZM. Heute ist Dr. Vanessa Zamora Teamleiterin und erhält zunehmend Industrieaufträge für Anwendungen von der Medizin bis zu den Quantentechnologien. Ein Schwerpunkt sind miniaturisierte photonische Systeme und ihre Schnittstellen – optisch, elektrisch und perspektivisch auch fluidisch. 

Wo entspannt sich die Expertin für optische Sensorik? Zum Beispiel beim Volleyball. Verwundert es, dass Vanessa Zamora in San Luis Potosí erstmals ein Team der naturwissenschaftlichen Fakultät organisierte und mit ihm den 2. Platz errang? In Berlin spielt sie übrigens Beachvolleyball: »Eine gute Entspannungstherapie!« 

Weitere Infos

 

Neue Generation von Diagnosesystemen durch Photonik

Point-of-Care-Diagnostik für mehrere Krankheiten

Im Interview mit COMPAMED.de berichtet Vanessa Zamora, wie das PoC-System funktioniert