»Wie aus Kolleginnen und Kollegen ein Netzwerk wird« – Mathias Schneck im Interview

Der Austausch zwischen Forschung und Industrie prägt Mathias Schnecks Arbeit bis heute und er profitiert von langfristigen Verbindungen.

Matthias Schneck
© Matthias Schneck
Matthias Schneck

Das Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV in Augsburg war für viele Jahre die Wirkungsstätte von Matthias Schneck und dabei weit mehr als ein beruflicher Abschnitt – diese Zeit wurde für den heutigen Projektleiter in der Produktenwicklung bei Hilti zu einer prägenden Lebensphase. Im diesem Interview der Reihe »10 Jahre - 10 Köpfe« anlässlich des 10-jährigen Jubiläums des Fraunhofer-Alumni e. V. spricht er über den Wechsel von der Forschung in die Industrie, den Aufbau eines Alumni-Netzwerks und darüber, warum persönliche Beziehungen, Vertrauen und langfristiger Transfer auch über Karriereschritte hinweg Wirkung entfalten. 

Herr Schneck, Sie haben den Schritt in die Industrie gewagt. Was ist dort Ihre Aufgabe?

Als Projektleiter in der Produktentwicklung beim Powertoolhersteller Hilti begleite ich Projekte von der ersten Idee bis zur Serienreife. Wir beschäftigen uns dabei intensiv mit den Kundenanforderungen, bringen sie mit technologischen Möglichkeiten zusammen und gestalten so innovative Produkte, die einen Mehrwert für unsere Kunden bieten. Viele Arbeitsweisen, die ich bei Fraunhofer gelernt habe, helfen mir dabei bis heute: strukturiertes Denken, interdisziplinäre Zusammenarbeit und ein pragmatischer Umgang mit komplexen Fragestellungen.

Was haben Sie noch aus Ihrer Zeit am Fraunhofer IGCV mitgenommen?

Für mich war die Zeit bei Fraunhofer fachlich wie persönlich äußerst prägend. Man übernimmt früh Verantwortung, entwickelt sich in kurzer Zeit weiter und wächst gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen an anspruchsvollen Projekten. Was mich bis heute begleitet, ist das Gefühl, gemeinsam an etwas zu arbeiten, das über den einzelnen Auftrag hinausgeht. Viele der damals entstandenen Beziehungen bestehen noch heute. Mein Wechsel zu Hilti ist unter anderem auf gemeinsame Projekte zwischen dem Fraunhofer IGCV und Hilti zurückzuführen. Es entsteht in dieser Zeit ein Netzwerk an Kontakten, auf das man später in der Karriere zurückgreifen kann. Ein wichtiger Baustein dabei ist das Alumni-Netzwerk des Instituts, das ermöglicht, Kontakte langfristig zu halten und in Verbindung mit dem Institut zu bleiben.

Sie haben gemeinsam mit Wegbegleitern ein Alumni-Netzwerk aufgebaut. Warum war Ihnen dieser Schritt wichtig?

Rückblickend war die Zeit am Fraunhofer IGCV für viele der Kollegen eine intensive Lebensphase – eine Phase der ersten Karriereschritte, Promotion und Familiengründung. Außerdem wurde das IGCV – das grade sein 10-jähriges Bestehen gefeiert hat – erst 2016 gegründet. Es gab ein Gefühl der „Gründergeneration“ am Institut. So entstand das Bedürfnis, den Kontakt untereinander und zum Institut zu halten, was ein zentraler Auslöser für die Gründung des Ehemaligen-Netzwerks war. Gleichzeitig wurde schnell deutlich, dass informelle Lösungen wie Verteilerlisten auf Dauer nicht ausreichen. Es fehlte an klaren Zuständigkeiten, einer verlässlichen Datenbasis und einer langfristigen Perspektive. Die Entscheidung für einen Verein war daher ein bewusster Schritt hin zu mehr Struktur, Verbindlichkeit und Sichtbarkeit. Gleichzeitig hat uns dieser Rahmen geholfen, Kooperationen zu ermöglichen – etwa mit dem Institut selbst oder mit dem Fraunhofer-Alumni e. V. Dahinter steht unser Grundgedanke: Menschen rund um das Fraunhofer IGCV zusammen zu bringen.

Das Ehemaligen-Netzwerk am IGCV ist aber nicht nur für ehemalige Mitarbeitende?

Für uns war entscheidend, dass Alumni-Arbeit nicht erst nach dem Ausscheiden beginnt. Wir wollen die Verbindung bereits während der Zeit am Institut sichtbar und erlebbar machen. Deshalb steht Mitarbeitenden schon während der aktiven Tätigkeit am Institut unser Verein offen. Wenn Alumni-Kontakte am Institut präsent sind – etwa durch Veranstaltungen oder persönliche Gespräche –, entstehen Verbindungen, die langfristigen Mehrwert schaffen: auf persönlicher Ebene, in der Karriere, für Projekte und vieles mehr. Das hat wesentlich dazu beigetragen, dass wir heute, 5 Jahre nach der Gründung, bereits mehr als 100 Mitglieder zählen.

Was hat in der Praxis besonders gut funktioniert?

Ganz klar: persönliche Kontakte. Unsere Erfahrung ist, dass Alumni-Arbeit am besten funktioniert, wenn wir Menschen persönlich zusammenbringen und Raum für offenen Austausch schaffen. Menschen werden Teil eines Netzwerks, weil ihnen die Kontakte dort wichtig sind und diese ihnen einen Mehrwert bringen. Unser Fokus ist deshalb Anlässe für diesen persönlichen Austausch zu schaffen.

Was ist aus Ihrer Sicht noch wichtig?

Alumni-Arbeit funktioniert nur mit dem Institut und dem Rückhalt durch die Institutsleitung. Ein funktionierendes Alumni-Netzwerk ist ein großer Mehrwert für das Institut, benötigt aber eine langfristige Perspektive und Herangehensweise.  Außerdem ist es wichtig die Besonderheiten und Möglichkeiten des Instituts aktiv für die Alumni-Arbeit zu nutzen – das stiftet Identität. In unserem Fall beispielsweise die Dachterrasse des Instituts, wo wir unserer Frühjahrs-Grillevents veranstalten dürfen. Alumni-Arbeit ist eine Ergänzung des Instituts und eine Einladung an die Ehemaligen: Menschen entwickeln sich weiter, wechseln in andere Organisationen und bleiben dennoch verbunden. Davon profitieren sowohl die Mitglieder als auch das Institut.

Was sind Ihre Ratschläge für Alumni-Projekte?

„Start simple“ und dann das organische Wachstum gestalten. Sowie ein Team etablieren, das im Alumni-Netzwerk einen Mehrwert sieht – und auch einfach untereinander in Kontakt bleiben will. Alumni-Arbeit ist kein Projekt mit Enddatum, sondern ein langfristiger Prozess, der von Haltung, Verlässlichkeit und persönlichem Engagement lebt. Wichtiger als perfekte Strukturen sind engagierte Menschen, die das Thema voranbringen. Für uns hat es sich bewährt, wenige klare Fixpunkte zu setzen und daran festzuhalten: ein Treffen am Institut im Frühjahr und eine Firmenbesichtigung im Herbst. Mehr Formate sind nicht automatisch besser. Netzwerke leben davon, dass sich Menschen wiedersehen und Beziehungen pflegen. Digitale Kanäle sind hilfreich, um das Netzwerk zu organisieren, ersetzen aber keine persönlichen Begegnungen. Gleichzeitig gibt es kein allgemeingültiges Erfolgsmodell. Jedes Institut muss seinen eigenen Weg finden, der zur jeweiligen Kultur und den Menschen passt.

Auf welche Erfolge können Sie bereits zurückblicken?

Was mich besonders freut, ist, dass wir bereits über 100 Mitglieder haben, die über unser Netzwerk langfristig mit dem Fraunhofer IGCV verbunden sein möchten und wir ihnen dafür den passenden Rahmen bieten können. Ein besonderes Highlight war kürzlich das Fest zum 10-jährigen Bestehen des Fraunhofer IGCV zu dem alle aktiven Mitarbeiter und alle Ehemaligen jeweils mit Familien eingeladen waren. Dieses Fest haben wir aktiv mitgestaltet und finanziell unterstützt – und es wäre ohne unseren Ehemaligen-Verein nicht in dieser Form realisierbar gewesen.

Zur Person

Matthias Schneck Matthias Schneck gehört zu den Alumni, die den Transfergedanken von Fraunhofer auf besondere Weise leben. Der ehemalige Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Gießerei-, Composite- und Verarbeitungstechnik IGCV in Augsburg wechselte nach seiner Zeit bei Fraunhofer in die Industrie und verantwortet heute als Projektleiter bei Hilti anspruchsvolle Entwicklungs- und Innovationsvorhaben. Dabei bewegt er sich an der Schnittstelle von Forschung, Technologieentwicklung und praktischer Anwendung. Fraunhofer blieb er auch über seinen beruflichen Weg hinaus eng verbunden: Gemeinsam mit weiteren Mitstreiterinnen und Mitstreitern gründete er am IGCV einen eigenen Alumni-Verein, um den Austausch zwischen ehemaligen und aktiven Beschäftigten zu fördern. Aus dieser Initiative ist ein lebendiges Netzwerk mit inzwischen mehr als 100 Mitgliedern entstanden, das heute auch eine Kooperation mit dem Fraunhofer-Alumni e. V. unterhält. Sein Werdegang steht beispielhaft für die nachhaltigen Verbindungen, die über die Zeit bei Fraunhofer hinaus entstehen – und für die Bedeutung starker Netzwerke für Innovation, Wissenstransfer und persönliche Entwicklung.