Ampeers Energy

»Es macht jeden Morgen Freude, arbeiten zu gehen«#

Dr. Karsten Schmidt, Ampeers Energy GmbH
© Fraunhofer / Jan von Holleben
Nicht immer hat der Markt zu bieten, was gefragt ist. Dr. Karsten Schmidt suchte bei Fraunhofer nach einer Lösung. Sein Spin-off Ampeers Energy GmbH hat das Zeug, den Energiemarkt einfacher und profitabler zu machen.

Klimabewusste Personen mögen kaum mehr Fleisch essen. Sie verzichten aufs Flugzeug. Sie springen aufs Rad, statt sich ins Auto zu setzen. All das trägt bei, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Doch: Etwa 30 Prozent der CO2-Emissionen stammen aus dem Immo­biliensektor, entstehen also rund um das Thema Wohnen. Wollten Immobilienbe­sitzer und assoziierte Unternehmer jedoch auf erneuerbare Energien umsatteln, stan­den sie insbesondere bei konkreten Fragen zur Art der erneuerbaren Energien, dem optimalen Betrieb und der Verbrauchs­abrechnung der Mieter bislang nicht auf der Sonnenseite, sondern buchstäblich im Regen.
 

CO2-neutral wohnen: Anspruch und Wirklichkeit

Diese Lücke, die zwischen Anspruch und Wirklichkeit klaffte, erkannte Dr. Kars­ten Schmidt schnell. Schließlich saß er an der Quelle: Er war bei der Fraunhofer- Gesellschaft für das Corporate Business Development im Bereich Energie tätig. Im »Open District Hub« – einem gemeinsa­men Verein von Fraunhofer und mehr als 40 Industriepartnern, der sich mit erneu­erbaren Energien in Quartieren auseinan­dersetzt – wurde Schmidt immer wieder mit einer Vielzahl von Fragen konfron­tiert. Und immer wieder mit dieser: »Hat Fraunhofer nicht intelligente Software­lösungen, die den Einsatz erneuerbarer Energien einfach und profitabel machen?« Kurzum: Der Bedarf nach Planungsinstrumenten und Softwarelösungen, die eine optimierte Betriebsführung sowie die Abrechnung der Energieflüsse ermög­lichen, war riesig, das Angebot auf dem Markt gleich null. Schmidt begab sich da­her auf die Fraunhofer-interne Techno­logiesuche. Bei Prof. Peter Bretschneider vom Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung IOSB-AST wurde er fündig: Dieser hatte mit seinem Team eine grundlegende Techno­logie entwickelt – eigentlich eine Techno­logie aus der Kraftwerks-Einsatzplanung. Schmidt beschloss, diese Basis zur Markt­reife im Bereich dezentraler Energiekon­zepte weiterzuentwickeln. »Ich habe also eine Art Technologie-Scouting bei Fraun­hofer gemacht, bin fündig geworden und habe das in Form des Spin-offs Ampeers Energy GmbH in den Markt getragen«, schmunzelt er. »Und damit habe ich ex­akt die richtige Entscheidung getroffen: Es macht nach wie vor riesige Freude, mor­gens zur Arbeit zu gehen und das Thema mit den Kollegen voranzutreiben.«

Wertvoller Sparringspartner: Fraunhofer Venture

Die Mitgründer waren schnell gefunden. Karsten Schmidt, Gerrit Ellerwald und To­bias Müller arbeiteten bereits im »Open District Hub« zusammen, Schmidt und El­lerwald hatten sogar gemeinsam studiert. Auch die Industriepartner kannten die Gründer, »wir hatten bei vielen Vereins­mitgliedern bereits einen Proof-of-Work abgeliefert – und so waren rasch erste In­vestoren aus diesem Kreis bereit, unsere Idee mitzufinanzieren«, verrät der junge Gründer und Vater zweier kleiner Jungen.

Von der Tragfähigkeit des Konzeptes überzeugt war auch die Fraunhofer-Ge­sellschaft. »Die Betreuer von Fraunhofer Venture waren stets wertvolle Wegbeglei­ter, die uns Schritt für Schritt durch diesen Prozess geleitet haben, sowohl in der Vor­gründungsphase als auch bei der Grün­dung selber. Ja, selbst heute noch«, begeis­tert sich Schmidt. Er betont besonders das Doppelgespann, das jedem Gründerteam zur Seite gestellt wird: Ein kaufmännischer Begleiter unterstützt rund um Themen wie Businessplan und Unternehmensnetzwer­ke, ein juristischer Begleiter bei Grün­dungsdokumenten, Lizenzverträgen mit der Fraunhofer-Gesellschaft und Co. Neben dieser ersten Säule des Erfolgs, sprich der guten Vorbereitung, sieht Schmidt eine zweite Säule in der Arbeitsweise des jun­gen Teams. »Es gibt zwei wichtige Dinge, die ein Start-up beherzigen muss. Erstens: Vertrieb, Vertrieb, Vertrieb – man muss auf die Kunden zugehen und dem Markt mitteilen, dass es einen gibt. Zweitens: Team, Team, Team – man gewinnt oder verliert immer nur gemeinsam. Diese zwei Stärken haben wir, und so konnten wir bislang alle Herausforderungen lösen.«

Elementar für den Erfolg ist natürlich auch das angebotene Produkt. Und da ge­lang Schmidt die Punktlandung. »Wir bie­ten eine Softwarelösung von der Planung der erneuerbaren Energien über den op­timierten Betrieb bis hin zur Abrechnung und Umsetzung von lukrativen Geschäfts­modellen innerhalb der Immobilie. Das macht uns am Markt einzigartig«, sagt der Gründer stolz.

Wir sind alle Überzeugungstäter!

Der Markt scheint bereit zu sein für die Technologie: Die kleine Firma, die vor zwei Jahren mit drei Gründern an den Start ging, ist bereits auf 35 Mitarbeiter ge­wachsen. »Selbst durch den Lockdown ka­men wir unbeschadet hindurch: Durch die Umstellung von realen Vor-Ort-Gesprächen auf digitale Kundengespräche konnten wir sogar deutlich mehr Kunden erreichen und unsere Reichweite drastisch erhöhen. Der Markt ist trotz – oder vielleicht auch dank – Corona schnell auf uns aufmerksam gewor­den«, sagt Schmidt enthusiastisch. »Zwar arbeitet jeder von uns deutlich mehr, als es in anderen Berufen der Fall wäre. Aber dafür macht uns allen die Arbeit große Freude: Wir haben eine Riesenchance, einen großen Beitrag zur Energiewende zu leisten – schließlich sind wir alle Überzeu­gungstäter im Sinne der Sache.«

 

»Achtet auf euer Team!«#

3x3 Fragen an Karsten Schmidt, Ampeers Energy GmbH

Wann haben Sie schlecht geschlafen?

Ich bin ein Unternehmertyp: Herausforderungen, die einen anderen vielleicht nicht schlafen lassen, sehe ich als Chance – frei nach dem Motto: Wo Schatten ist, gibt es auch Sonnenschein. Phasen mit schlechtem Schlaf gab es daher eigentlich nicht, zumindest nicht wegen des Jobs. Mit Augenzwinkern könnte man sagen: Es sind unsere zwei kleinen Jungs, die mich mitunter schlecht schlafen lassen, da sie die Zeit zwischen fünf und sechs Uhr morgens einfordern.

Welcher Rat hat Ihnen geholfen?

Der Rat: »Achtet zum einen auf euer Team: Schaut alle in die gleiche Richtung, seid engagiert und motiviert. Und achtet zum anderen auf den Vertrieb und sagt dem Markt, dass es euch gibt.« Daran halten wir uns sehr stark. Leider weiß ich nicht mehr, wer uns das mit auf den Weg gegeben hat. Ich glaube, es war ein Investor in der ersten Finanzierungsrunde, der unsere Idee super, allerdings noch etwas zu jung fand und daher nicht investiert hat.

Worauf sind Sie stolz?

Vor allem auf das Team, das wir aufgebaut haben. Ein Team, mit dem wir es innerhalb von zwei Jahren ge­schafft haben, im Markt anzukommen. Und natürlich auch darauf, dass man uns im Markt kennt, unsere Produkte und Dienstleistungsangebot nachfragt und gerne mit uns zusammenarbeitet.