Finanzen

Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft

Entscheidend für den Impact der Fraunhofer-Gesellschaft ist die konsequente Marktorientierung der Forschungsarbeit, die sich aus ihrer Mission ableitet, sich im sogenannten »Fraunhofer-Modell« widerspiegelt und der Schlüssel für anhaltenden Erfolg von Fraunhofer-Innovationen im Markt ist. Das Fraunhofer-Modell ist ein Alleinstellungsmerkmal im ausdifferenzierten deutschen Wissenschaftssystem. Denn die Fraunhofer-Gesellschaft erhält maximal ein Drittel ihres Haushalts aus institutioneller Förderung (Grundfinanzierung aus Bund und Land). Mindestens zwei Drittel des Forschungsvolumens wirbt Fraunhofer im Wettbewerb ein, aus Aufträgen der freien Wirtschaft sowie bei öffentlichen Auftraggebern. Dabei ist es ein Ziel, eine Balance zwischen wirtschaftlichen und öffentlichen Erträgen herzustellen. Der daraus resultierende hohe Akquise-Zwang verglichen mit weitestgehend institutionell geförderten Organisationen fördert unternehmerisches Denken und Handeln und stellt sicher, dass die Fraunhofer-Gesellschaft kontinuierlich Lösungen für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bedarfe von heute und morgen produziert.

Die Finanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft basiert somit auf den drei Säulen Grundfinanzierung, Finanzierung aus Aufträgen der Wirtschaft sowie im Wettbewerb eingeworbene öffentliche Projektfinanzierung. Als gemeinnützige Organisation verfolgen wir keine finanziellen Gewinnziele, Überschüsse werden satzungsgemäß zur Förderung der Wissenschaft eingesetzt. Die Grundfinanzierung, die Fraunhofer als institutionelle Förderung von Bund und Ländern erhält, wird gemäß unserer Mission für Vorlaufforschung zum Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft eingesetzt.

Die Fraunhofer-Gesellschaft betreibt zahlreiche Institute und Forschungseinrichtungen in Deutschland. Rund 70 Prozent des Leistungsbereichs Vertragsforschung erwirtschaftet die Fraunhofer-Gesellschaft mit Aufträgen aus der Industrie und mit öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Rund 30 Prozent werden von Bund und Ländern als Grundfinanzierung beigesteuert, damit die Institute Problemlösungen entwickeln können, die dann in fünf oder zehn Jahren für Wirtschaft und Gesellschaft aktuell werden. 

Finanzvolumen der Fraunhofer-Gesellschaft 2021–2025

Das Finanzvolumen lag bei 3,6 Mrd. € auf dem Niveau des Vorjahres. Die Vertragsforschung umfasst mit einem Anteil von 88 Prozent bzw. 3,2 Mrd. € die Kerntätigkeiten von Fraunhofer. Über zwei Drittel dieser Forschungstätigkeiten wirbt Fraunhofer wettbewerblich am Markt ein, wobei Wirtschaftserträge und öffentliche Erträge in Balance sein sollen. Basis der Finanzierung bildet die institutionelle Förderung von Bund und Ländern. Forschungsleistungen mit einer dauerhaften Finanzierung außerhalb dieser regulären institutionellen Förderung werden als zusätzliche Forschungsförderung zusammengefasst, die ein Volumen von 219 Mio. € erreichte. Der Bereich Ausbau lag bei 203 Mio. €, darin enthalten sind Investitionen von 23 Mio. € in die APECS-Pilotlinie im Rahmen des EU Chips Act. Die drei Bereiche werden in den folgenden Kapiteln näher erläutert.

Finanzvolumen 2025 nach Haushalt in Mio. €

Das Finanzvolumen umfasst den Personal- und Sachaufwand im kaufmännischen Sinne sowie die Investitionen, die in voller Höhe anstelle von Abschreibungen angesetzt werden. Ab dem Jahr 2025 wird der Einsatz der Rücklage nicht aufwandsmindernd berücksichtigt. Damit entspricht das Finanzvolumen den Aufwendungen der Gewinn- und Verlustrechnung, ohne Berücksichtigung der Veränderung der Finanzierung des Umlaufvermögens. Der Personalaufwand lag 2025 bei 2106 Mio. €, wobei ein Anstieg zum Vorjahr um 2 Prozent im Wesentlichen aus der Tariferhöhung im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) zum 1. April 2025 resultierte. Der Sachaufwand lag bei 942 Mio. €. Die Investitionen sanken dagegen deutlich um 10 Prozent auf 526 Mio. €. Insgesamt entspricht das Finanzvolumen der im Vorjahr erwarteten Entwicklung.

Erträge in der Vertragsforschung 2021–2025

Die Vertragsforschung umfasst die Kerntätigkeiten von Fraunhofer und finanziert sich aus drei Ertragsströmen:

  • Aufträge und Lizenzeinnahmen der Wirtschaft
  • öffentlich finanzierte Förderprojekte
  • institutionelle Förderung

Die institutionelle Förderung wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und den Ländern im Verhältnis 90 : 10 bereitgestellt. Sie schafft die Grundlage für wegweisende Vorlaufforschung, die in den kommenden Jahren für Wirtschaft und Gesellschaft von Bedeutung wird.

Trotz der angespannten Konjunktur lagen die Wirtschaftserträge über dem erwarteten Niveau mit einem Wachstum um 11 Prozent auf 966 Mio. €. Die Erträge aus Aufträgen der Industrie stiegen um 9 Prozent auf 768 Mio. €. Die Lizenzerträge aus der Wirtschaft lagen bei 198 Mio. € und wuchsen bereinigt um einen bilanziellen Sondereffekt um 12 Prozent.

Mit 48,0 Prozent entfällt mehr als die Hälfte der Wirtschaftserträge auf Kunden aus dem Sektor »Verarbeitendes Gewerbe«, gemäß der Systematik nach Wirtschaftszweigen der Europäischen Gemeinschaft (NACE-Klassifikation). Innerhalb dieses Sektors stammen die in Summe höchsten Wirtschaftserträge aus Projekten mit Kunden, die in der Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen, pharmazeutischen Erzeugnissen, elektrischen Ausrüstungen und Kraftwagen oder im Maschinenbau tätig sind. Den zweitgrößten Anteil tragen mit 27,8 Prozent Wirtschaftserträge mit Kunden aus der »Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen« bei. Darunter fallen beispielsweise Unternehmen der Forschung und Entwicklung, Ingenieurbüros sowie Patentpool-Verwaltungsgesellschaften.

 

Öffentliche Projekterträge 2025 in Mio. €

Öffentliche Projekterträge 2025, Erläuterungen siehe Text.
Öffentliche Projekterträge 2025

Die öffentlichen Projekterträge lagen 2025 mit insgesamt 1254 Mio. € unter dem Vorjahresniveau. Dabei nahm die Projektförderung des Bundes um 11 Prozent auf 755 Mio. € ab. Neben dem Rückgang der Erträge des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) um 8 Prozent auf 413 Mio. € sanken auch die Förderung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) um 15 Prozent auf 226 Mio. € und die Förderung der sonstigen Bundesressorts um 14 Prozent auf 116 Mio. €. Nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr stieg die Projektförderung der Länder 2025 dagegen wieder um 23 Prozent auf 186 Mio. € an. Auch die EU-Erträge verzeichneten einen Anstieg um 9 Prozent auf 157 Mio. €. Dieser enthält auch die zusätzlichen Erträge aus der Förderung der APECS-Pilotlinie. Die sonstigen Erträge nahmen um 3 Prozent auf 156 Mio. € zu und beinhalten u. a. Erträge von Stiftungen, Universitäten und anderen Einrichtungen der Forschungsförderung sowie Lizenzerträge in Höhe von 2 Mio. € von Kunden außerhalb der Wirtschaft.

 

Finanzierungsanteile in % 2021–2025

Der hohe Finanzierungsanteil extern eingeworbener Erträge ist ein Erfolgskriterium der Fraunhofer-Institute und ein Alleinstellungsmerkmal der Fraunhofer-Gesellschaft. Der Projektfinanzierungsanteil ist daher eine wichtige Steuerungskennzahl und ein Indikator für einen ausgewogenen Finanzierungsmix in der Vertragsforschung. Er wird berechnet als Anteil der Projekterträge am Betriebshaushalt inkl. kalkulatorischer Abschreibungen auf Investitionen (ohne Projektgruppen und bilanzielle Sondereffekte). Im Jahr 2025 lag der Anteil extern eingeworbener Erträge mit 71,1 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres. Dabei ging der Projektfinanzierungsanteil von Bund und Ländern auf 30,1 Prozent zurück. Der Anteil der Wirtschaftserträge nahm zu und stieg auf 31,0 Prozent.

Die internationalen Erträge aus Aufträgen der Industrie stiegen um 6 Prozent auf 217 Mio. € und aus sonstigen Erträgen um 10 Prozent auf 19 Mio. €. Anteilsmäßig stammen 88 Mio. € von Kunden und Partnern innerhalb der EU und 148 Mio. € wurden mit Kunden und Partnern außerhalb der EU generiert. Die größten ausländischen Märkte waren die USA mit 40 Mio. €, die Schweiz mit 32 Mio. € und Japan mit 21 Mio. €.     

 

Zusätzliche Forschungsförderung in Mio.

In der zusätzlichen Forschungsförderung werden Forschungsleistungen mit einer dauerhaften Finanzierung außerhalb der regulären institutionellen Förderung zusammengefasst. Neben der Verteidigungsforschung zählen dazu das Nationale Forschungszentrum für angewandte Cybersicherheit ATHENE und die Fraunhofer- Einrichtung Forschungsfertigung Batteriezelle FFB.

Unter dem Dach von ATHENE forschen das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT und das Fraunhofer- Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD mit der Technischen Universität Darmstadt, der Hochschule Darmstadt und der Goethe-Universität Frankfurt am Schutz kritischer Infrastrukturen wie Strom und Verkehr sowie der Absicherung von IT-Systemen. Neben Informatik und Technik werden interdisziplinäre Fragestellungen aus Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Ethik eingebunden. ATHENE wird vom BMFTR und dem Land Hessen im Verhältnis 70 : 30 gefördert und wies 2025 einen Haushalt von 26 Mio. € auf.

Für Aufbau und Betrieb der FFB entstanden 2025 Ausgaben in Höhe von 31 Mio. €. Das Großprojekt wird vom BMFTR mit insgesamt bis zu 500 Mio. € projektfinanziert. Weitere 320 Mio. € stellt das Land Nordrhein-Westfalen für Grundstücke und Neubauten bereit. Die FFB soll zum Zentrum der Entwicklung einer modernen, nachhaltigen und skalierbaren Batteriezellproduktion für Deutschland und Europa werden.

In der Verteidigungsforschung sind die Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung von 7 Fraunhofer-Instituten zusammengefasst, die im Jahr 2025 vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) eine institutionelle Förderung und kontinuierliche Projektförderung erhielten. Ziel der FuE-Tätigkeiten ist es, Menschen, Infrastrukturen und Umwelt bestmöglich vor potenziellen militärischen, technischen, terroristischen, natürlichen und kriminellen Sicherheitsbedrohungen zu schützen. Die Ausgaben in der Verteidigungsforschung gingen nach einem deutlichen Anstieg im Vorjahr auf 162 Mio. € zurück. Dabei verringerte sich die institutionelle Förderung des BMVg um 5 Mio. € auf 93 Mio. € und die Projektfinanzierung des BMVg um 11 Mio. € auf 69 Mio. €.

Ausbauinvestitionen in Mio. €

Im Bereich Ausbau sind Baumaßnahmen sowie die Erstausstattungen mit wissenschaftlichen Geräten und Mobiliar erfasst. Die Ausgaben für Bau und Erstausstattung erhöhten sich auf 180 Mio. €. Dabei stiegen die Baumaßnahmen um 11 Mio. € auf 159 Mio. € an, wovon mit 113 Mio. € der wesentliche Teil auf Großbauprojekte entfiel. Die Investitionen in die Erstausstattung nahmen um 2 Mio. € auf 21 Mio. € zu. Großbauten und Erstausstattung werden von Bund und Ländern im Verhältnis 50 : 50 sonderfinanziert. Häufig stellen die Länder zusätzliche Fördermittel aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) bereit, die den Zuwendungsbedarf für Bund und Land gleichermaßen verringern. In Summe betrug der Zuwendungsbedarf für Bund und Länder 177 Mio. €. Bei den Projekterträgen entfielen 3 Mio. € auf EFREMittel der Länder und sonstige Erträge.

Beginnend mit dem Jahr 2025 werden im Bereich Ausbau die Investitionen des Infrastrukturvorhabens »Advanced Packaging and Heterogeneous Integration for Electronic Components and Systems« (APECS) im Rahmen des EU Chips Act eigenständig ausgewiesen. Mit einer Gesamtfinanzierung von 730 Mio. € wird APECS durch die europäische Partnerschaft »Chips Joint Undertaking « sowie nationale Förderungen von acht europäischen Ländern kofinanziert. Die deutsche Förderung wird zu zwei Dritteln vom BMFTR und zu einem Drittel von den beteiligten Bundesländern getragen (siehe Abschnitt Nationale und europäische Großvorhaben). Im Jahr 2025 betrugen die als Projektfinanzierung bereitgestellten Investitionen der APECS-Pilotlinie im Bereich Ausbau 23 Mio. €. Die Ausgaben für das Ende 2025 abgeschlossene und zur APECS-Pilotlinie gehörende Vorlaufprojekt »Module Quanten- und neuromorphes Computing« (QNC) von 54 Mio. € wurden weiterhin in der Vertragsforschung ausgewiesen.